Ex-Freund der toten Artistin muss vor Gericht

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Do, 13. Februar 2020

Rust

Oberlandesgericht Karlsruhe korrigiert Entscheidung der Schwurgerichtskammer Freiburg / Leiche im Mai im Altrhein gefunden.

RUST (fi). Der Ex-Freund einer im Mai des vergangenen Jahres tot am Rhein bei Rust aufgefundenen Artistin muss sich nun doch vor dem Landgericht Freiburg verantworten. Dort sollen nach Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) in Karlsruhe die Hintergründe geklärt werden. Das OLG gab damit der Beschwerde von Staatsanwaltschaft und Nebenklage statt.

Im vergangenen Oktober hatte die Schwurgerichtskammer am Landgericht Freiburg die Eröffnung eines Hauptverfahrens wegen Totschlags abgelehnt und den Haftbefehl gegen den heute 31 Jahre alten Kubaner aufgehoben.

Die Leiche der 33 Jahre alten Frau war am 18. Mai in einem Altrheinarm bei Rust gefunden worden. Nach mehrtägigen Ermittlungen von Polizei, unter anderem war das Gebiet um den Fundort der Leiche mit einer Hundertschaft der Polizei mehrere Stunden durchkämmt worden, sah die Staatsanwaltschaft es als erwiesen an, dass der Ex-Freund die 33 Jahre alte Frau aus der Ukraine, die unter anderem als Artistin für den Europa-Park gearbeitet hatte, in einem gemeinsam genutzten Wohnwagen auf dem so genannten Trailer-Platz des Europa-Parks in Rust getötet hat. Anschließend habe er deren Leiche in einer Plastikfolie verpackt, mit Hantelgewichten beschwert und im Altrhein versenkt.

Seine Ablehnung, ein Verfahren wegen Totschlags zu eröffnen, hatte das Schwurgericht im Oktober des vergangenen Jahres dann damit begründet, dass kein hinreichender Tatverdacht vorliege. Die Todesursache bleibe nach rechtsmedizinischen und toxikologischen Untersuchungen durch die Freiburger Rechtsmedizin unklar. Der Leichnam der 33-jährigen Artistin habe keine Anzeichen von Gewaltanwendung gezeigt, so die Schwurgerichtskammer in ihrer Begründung damals. Der Beschuldigte wurde anschließend aus der Untersuchungshaft entlassen.

Im Gegensatz zur Strafkammer hielt die Staatsanwaltschaft die vorsätzliche Tötung der 33-Jährigen dennoch für erwiesen und reichte Beschwerde gegen die Entscheidung beim Oberlandesgericht ein. Diese gab am Mittwoch ihren Beschluss bekannt. Auch nach Angaben des OLG konnte bei der Obduktion des teilweise verwesten Leichnams zwar die genaue Todesursache nicht geklärt werden. Ein Fremdverschulden liege aber nahe, so das OLG. Spuren in einem Trailer im Europa-Park und am Leichnam sowie Beobachtungen von Zeugen sprechen dafür, dass der Angeklagte den Tod der Frau verschuldet habe.

Da es keine Anhaltspunkte für einen Unfalltod gebe, müsse der Verdacht einer vorsätzlichen Tötung durch den Angeklagten in einer Hauptverhandlung vor dem Landgericht Freiburg geklärt werden. Der Mann bleibt nach dem OLG-Beschluss bis zur Verhandlung auf freiem Fuß.