Dreisamtal

Experten empfehlen breiten Baum-Mix im Wald

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Mi, 04. Dezember 2019 um 14:20 Uhr

Kirchzarten

Bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft in Kirchzarten wird deutlich, wie der Klimawandel den Wald verändert. Dem geht es ziemlich schlecht.

Dem Wald geht es schlecht. Dieses Fazit zog am Donnerstag im Oberrieder Teilort Weilersbach der Kirchzartener Forstbezirksleiter Hans-Ulrich Hayn. Insbesondere Fichten hätten im Dreisamtal 2018 enorm gelitten. Der Grund: Den Aufzeichnungen zufolge war 2018 das wärmste und trockenste seit 130 Jahren. "Der Klimawandel ist bei uns angekommen", sagte Hayn.
Nur zweimal, Anfang Juni und Anfang November, habe die Niederschlagsmenge im vergangenen Jahr über dem statistischen Mittelwert gelegen. "Viel zu wenig", resümierte Hayn und bemühte dazu ein anschauliches Beispiel: "Das wirkte buchstäblich wie ein Tropfen auf dem heißen Stein." Die Folgen waren geradezu desaströs. Nicht nur die anhaltende Dürre setzte den Bäumen zu, sondern auch der dadurch beschleunigte Insektenbefall. Der Borkenkäfer ist über Fichten und Tannen geradezu hergefallen. Entsprechend leidet der Bestand. Mit der Konsequenz, dass das in Mitleidenschaft gezogene Holz am Markt zu einem Preisverfall geführt hat. Waldbesitzer – private, kommunale und staatliche – spüren das in der Kasse.

Als kleinen Trost durften die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kirchzarten in ihrer Jahresversammlung die Nachricht mit nach Hause nehmen, dass sich das Wetter im laufenden Jahr etwas freundlicher gegenüber den Bäumen gezeigt habe. "Zu warm und zu trocken" ist es Hayn zufolge aber noch immer. Entsprechend sei der Forst im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald der am zweitstärksten gefährdete im ganzen Land. Nur der Kreis Waldshut weise noch stärkere Schäden auf. Gute Laune fördernd war diese Nachricht für die Waldbesitzer im Dreisamtal nicht gerade.

In den Jahren 2005 bis 2017 ist Hayns Worten zufolge "alles okay gewesen". Der Wald stand prächtig dar, das Holz war gesund, die Erträge waren zufriedenstellend. Dann kam die Dürre. Entsprechend vorbelastet aus 2018 ist es dann ins Jahr 2019 gegangen. Massive Schäden zeigten sich von März an in den Tieflagen mit einem hohen Anteil an Tannen. Von Juli an explodierte der Borkenkäferbestand an der Fichte in allen Höhenlagen, wobei es regionale Unterschiede zu verzeichnen gab. Am schlimmsten betroffen war wohl die Gemarkung Weilersbach, wo Fichten großflächig geschlagen werden mussten. "Noch recht gute Werte" waren demgegenüber am Rosskopf zu verzeichnen. Dies hat Auswirkungen.

Vermehrt wachsen Farne und Brombeersträucher

Lag die sogenannte Naturverjüngung im Wald bislang bei nahezu 90 Prozent, muss jetzt vermehrt nachgepflanzt werden. Mit Kosten von bis zu 10 000 Euro pro Hektar. Erschwert wird die Arbeit durch vermehrten Farn- und Brombeerbewuchs. Diesem zu Leibe zu rücken, führt zu weiteren Kosten. Dazu kommen ökologische Beeinträchtigungen. Insbesondere im Feldberggebiet ist ein massiver Verlust alter Wälder zu beklagen. Dies wiederum kann die Flora und Fauna in den Höhenzonen nachhaltig verschieben und verändern. Bis hin zum Verlust von bestimmten Arten wie dem Auerwild. Dass dies letztlich auch Auswirkungen auf den Tourismus haben kann, wollte Hayn nicht verschweigen. Wie dem entgegengewirkt werden kann? Hayn und Kollege Stefan Lehmann, der Geschäftsführer der FBG ist und daneben die Holzvertriebsstelle leitet, plädierten eindrücklich für einen breiteren Baum-Mix im Wald. Die Empfehlung galt vor allem der offenbar resistenten Douglasie, aber auch Buche, Eiche und Spitzahorn. "Gute, intensive Pflege", sagte Lehmann, sei das A und O. Doch mit dieser aufwändigen Pflege werde wohl es bis zu drei Generationen dauern, bis man zurück zu den Standards der vergangenen Jahre komme.

Breiten Raum bei der Veranstaltung nahmen die vom Land verfügte Neuordnung der Forstbezirke zum Jahreswechsel 2019/20 und die damit verbundenen personellen Verschiebungen ein. Im Landkreis wird es künftig mit Staufen (sieben Reviere), Freiburg (sechs) und Titisee-Neustadt (sieben) drei Standorte geben. Der Waldanteil im Landkreis beläuft sich auf rund 64 000 Hektar, wobei der Anteil des Kommunalwalds rund 40 Prozent beträgt, der des Privatwaldes rund 37 Prozent, der des Staatswald rund 23 Prozent. Noch, ist man geneigt zu sagen, wenn man die Kapriolen zu Grunde legt, die seit geraumer Zeit das Klima schlägt.