Feuchter Sommer

Experten rechnen mit einem guten Pilzjahr

Elena Stenzel und dpa

Von Elena Stenzel & dpa

Mi, 18. August 2021 um 12:20 Uhr

Südwest

Die Körbe der Pilzsammler waren in den vergangenen Jahren wegen Trockenheit oft nur mäßig gefüllt. Aber Pilzexperten sind sich einig: In Südbaden deutet dieses Jahr vieles auf eine gute Pilzsaison hin.

Pilzsammler können sich 2021 voraussichtlich auf ein gutes Jahr einstellen. "Im Vergleich zur Situation in den letzten Jahren sind die Witterungsbedingungen in diesem Jahr bisher wesentlich günstiger für die Pilzwelt", sagt Stefan Fischer, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Bleibe das Wetter so wechselhaft, könne man "sehr optimistisch in die Pilzhauptsaison im Herbst blicken". Auch in Südbaden deutet vieles auf eine gute Pilzsaison hin.

Bei der Durchnässung gebe es allerdings deutschlandweit starke regionale Unterschiede, betont Fischer. "In den tieferen Bodenschichten bestehen immer noch große Feuchtigkeitsdefizite, besonders für die Bäume der Wälder. Dies betrifft besonders stark Sachsen-Anhalt und Brandenburg." Die bessere Oberflächenfeuchtigkeit führe außerdem zu einer stärkeren Verkrautung in einigen Wäldern. "Das ist nicht so günstig für die Pilze. Die Bedingungen für ein gutes Pilzwachstum haben sich aber verbessert, werden aber nicht überall zum Tragen kommen."

In den letzter Zeit waren die Bedingungen für Röhrlinge, Pfifferlinge und Steinpilze gut

In Baden-Württemberg geben sich Experten ebenfalls optimistisch. "Es sieht ziemlich gut aus", sagt Dennis Regul, Inhaber einer Pilzschule in Freiburg und Toxikologe. Der Sommer sei bisher ungewöhnlich feucht gewesen, das lasse Pilze sprießen. In den letzten Wochen und Monaten seien die Bedingungen vor allem für Pfifferlinge und Röhrlinge wie etwa den Steinpilz gut gewesen, sagt Regul. Diese habe man zuletzt in Massen sammeln können.

Diesen Eindruck teilt auch Hans Drobny, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie aus Breisach. Auch er berichtet von einer guten Sammelwelle vor einigen Wochen. Mittlerweile sei diese wieder abgeflacht, obwohl der Boden sehr feucht sei. Auch er sei auf Pilzwanderungen zuletzt leer ausgegangen, sagt er. Beim Notschrei auf etwa 1100 Metern Höhe, wo Drobny vergangene Woche eine Wanderung des Schwarzwaldvereins mitgemacht hatte, habe er "praktisch nichts" von Pilzen gesehen . Doch Drobny relativiert: Noch sei auch nicht Hauptsaison, diese beginne traditionell meist zwischen Ende August und Anfang September. "Wir hoffen auf eine gute Saison, die Bedingungen sind gut", sagt Drobny. Nur falls nun eine Hitzewelle komme ohne entsprechende Niederschläge, dann sei das schlecht für die Pilze.
"Durch den Klimawandel wird es langfristig besonders zu einer Veränderung der Vorkommensgrenzen einzelner Pilzarten kommen." Stefan Fischer
Ganz genau könne man die Situation im Herbst, der Hauptsaison der Pilze, eh noch nicht voraussehen, betont Stefan Fischer von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. "Zu einem guten Pilzjahr gehört auch die Vielfalt der Arten, die ist momentan noch nicht überall gegeben. Durch den Klimawandel wird es langfristig besonders zu einer Veränderung der Vorkommensgrenzen einzelner Pilzarten kommen. Kälteliebende Arten werden sich in höhere Lagen zurückziehen und wärmeliebende Arten stärker nordwärts ausbreiten."

Das feuchte Wetter begünstigt aber nicht nur das Wachstum von Wald- und Bodenpilzen

"Das warme, feuchte Wetter ist nicht verkehrt", sagt auch Dennis Regul, doch natürlich würden auch andere Faktoren als das Wetter das Wachstum der Pilze beeinflussen, wie zum Beispiel die Nährstoffe im Boden oder ob Holz liegen bleibe. Wer Pilze sammle, so empfehlen Experten, solle aufpassen und sich im Zweifelsfall eine Expertenmeinung einholen. Einige Pilze hätten gefährliche Doppelgänger – so sind der Wiesenchampignon und der giftige Knollenblätterpilz leicht zu verwechseln.

Das feuchte Wetter begünstigt nicht nur das Wachstum von Wald- und Bodenpilzen. Gerade im Weinbau mache dieses Jahr der Falsche Mehltau, ein weißer Pilz, der sich wie ein feiner Belag auf die Pflanzen legt, den Winzern zu schaffen, berichtet Drobny. Er führt das auf die hohe Feuchtigkeit zurück.

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