Betrugsmasche in Südbaden

Falsche Polizisten horchen Menschen am Telefon aus – 22 Fälle an einem Tag

Karl Heidegger, Peter Stellmach

Von Karl Heidegger & Peter Stellmach

Di, 18. Juni 2019 um 13:28 Uhr

Südwest

Sie geben sich als Polizeibeamte des örtlichen Reviers aus und versichern, nur das Beste zu wollen: In Südbaden treiben Telefonbetrüger ihr Unwesen – aktuell besonders im Hochschwarzwald.

War zuletzt der Raum Emmendingen/Teningen ein Schwerpunkt der kriminellen Masche, so ist nun der Hochschwarzwald besonders betroffen: Allein in Löffingen und Hinterzarten habe es an nur einem Tag – dem Montag – nicht weniger als 22 Betrugsversuche am Telefon gegeben, meldet das Freiburger Polizeipräsidium am Dienstagmorgen. Dazu kommt mutmaßlich eine nicht unerhebliche Zahl an Betrugsversuchen, die der Polizei gar nicht gemeldet wurde.

"Alle geschilderten Ereignisse haben eines gemeinsam, sie sind schlicht erfunden und entsprechen nicht der Wahrheit, sie sind gelogen." Roland Zaubitzer
In allen Fällen hätten die Betrüger angegeben, dass sie bei einer örtlichen Polizeidienststelle tätig seien, heißt es in der Pressemitteilung der echten Polizei weiter. Das Schema des Anrufes sei immer ähnlich: Entweder wurden angeblich gerade Einbrecher festgenommen und hätten Listen bei sich gehabt, auf denen die Adresse des Angerufenen vermerkt sei – oder es seien Ersparnisse gefährdet, weil es bei einer Bank zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei.

Die Opfer werden ausgehorcht und zum Abgeben ihrer Wertsachen aufgefordert

Die Telefonate münden – wenn sie vom Angerufenen nicht vorher beendet werden – immer in einem "Angebot": Das Eigentum, insbesondere Bargeld, Gold oder andere wertvolle Dinge, müsse gesichert werden – und die Polizei sei bereit, die Wertsachen in Verwahrung zu nehmen. Dabei werde mitunter ein großer Druck auf die Opfer aufgebaut.

Diesem "Angebot" gingen oft Erkundigungen nach den finanziellen Verhältnissen voraus, berichtete eine Betroffene unlängst der BZ: Der Anrufer habe sie aushorchen wollen, ob sie Wertsachen wie etwa Gold und Schmuck in der Wohnung habe. Bei den Opfern der Betrugsversuche handelt es sich wohl häufig um ältere Menschen, deren Nummern im Telefonbuch stehen. Manchmal treffen die Betrüger, weil ältere Namen wieder in Mode kommen, aber auch auf jüngere Menschen.

Alle Betrugsversuche schlugen fehl

Roland Zaubitzer, stellvertretender Leiter des Polizeireviers in Neustadt, betont: "Alle geschilderten Ereignisse haben eines gemeinsam, sie sind schlicht erfunden und entsprechen nicht der Wahrheit, sie sind gelogen." Nach den bisherigen Erfahrungen sprechen die Betrüger Hochdeutsch ohne erkennbaren Akzent. Auf die angezeigten Telefonnummern ist kein verlass: Auch wenn sie der Nummer einer angeblichen Dienststelle entsprechen, sind sie dank modernster Digitaltechnik gefälscht.

Nach Auskunft der Polizei schlugen die 22 ihr bekannten Betrugsversuche im Hochschwarzwald am Montag allesamt fehl: Die angerufenen Männer und Frauen hätten die Gespräche in der Regel einfach beendet, weil sie Lunte rochen, sich nicht einschüchtern ließen oder durch zurückliegende Warnungen in den Medien bereits über die Masche informiert waren.
Ratschläge der Polizei

  • Lassen Sie sich auf nichts ein! Polizei, Staatsanwaltschaft oder auch Banken würden niemals anbieten, Geld oder Wertsachen abzuholen.
  • Erzählen Sie Fremden am Telefon nichts über Ihre Person oder über Ihre finanziellen Verhältnisse.
  • Rufen Sie nie die Telefonnummern an, die Ihnen durch die angeblichen Polizeibeamten gegeben werden. Die tatsächlichen Telefonnummern von Dienststellen stehen im Internet oder in Telefonbüchern.
  • Sie erhalten einen verdächtigen Anruf? Beenden Sie sofort das Gespräch! Notieren Sie die Rufnummer und den Gesprächsverlauf. Rufen Sie umgehend die Polizei an (Notruf 110).
  • Wenn Sie bereits Opfer geworden sind: Melden Sie sich jetzt bei der Kripo Freiburg (0761 882-5777) oder bei jeder Polizeidienststelle.