Federvieh auf dem Laufsteg

Carolin Scheidel

Von Carolin Scheidel

Mo, 02. Dezember 2019

Südwest

Die süddeutsche Junggeflügel- und Rassetaubenschau ist ein besonderer Schönheitswettbewerb / Züchter haben Nachwuchssorgen.

FREIBURG. Es ist ein Schönheitswettbewerb der besonderen Art: 6875 Tauben, Hühner, Puten, Zier- und Wasservögel. Zu sehen sind außergewöhnliche Gefiederkleider der Zuchttiere, begleitet von einer imposanten Geräuschkulisse. Ein Besuch auf der 18. süddeutschen Junggeflügel- und Rassetaubenschau in der Messe Freiburg.

Es ist halb zehn am Samstagmorgen. Die einfallenden Sonnenstrahlen machen den von den Tieren aufgewirbelten Staub sichtbar, der zudem tief in die Nase dringt. In Hunderten Käfigen gackern und gurren Tausende Tiere. Walter Weisser, Vorsitzender des Bundes Deutscher Geflügelzüchter, ist seit Tagen im Einsatz. Bereits am Mittwoch wurden die Tiere angeliefert. Im Anschluss hatten 84 Preisrichter Zeit, um das Geflügel in den Käfigen zu bewerten. "Es gibt einen Standard für jedes Tier", sagt er. "Es zählen Größe, Farbe oder wie viele schwingende Federn ein Tier hat."

An den Käfigen hängen kleine Zettel mit den Vorzügen und Fehlern der Tiere, die Preisrichter notieren auch Wünsche an die Züchter. "Super Hahn. Sollte etwas mehr Schenkel zeigen" steht auf dem Schild eines Zwerg-New-Hampshire-Hahns. Darunter Bewertungsnote, Punkte und Preis. Für diesen Hahn gibt es ein "Hervorragend" mit 96 Punkten. "Ich sag ja immer: Wer mit Tieren gut kann, der kann auch gut mit Menschen", sagt Walter Weisser. An seiner türkisfarbenen Krawatte, bestickt mit zwei Hühnern und zwei Tauben, ist er als Verbandsfunktionär zu erkennen. Heute ist er ganz besonders gefragt, es gibt viel zu tun. Dazu werden Freundschaften gepflegt, Erfahrungen ausgetauscht, Zuchtfragen erörtert.

"Die Tiere, die nicht fit sind, bringt man nicht auf so eine Ausstellung. Es ist ja hier wie bei einem Schönheitswettbewerb", sagt Rüdiger Striby aus Karlsruhe. Er ist Schriftführer im Sonderverein New Hampshire, Zuchtwart und Schriftführer im Ortsverein. Heute lässt er aber lieber bewerten und stellt elf Zuchttiere aus. Darunter auch die Zwerg-New-Hampshire. "Da sind die Mädels", sagt Striby und zeigt stolz eine der Damen. Gezüchtet wird nach dem Ideal "gelbe Lauffarbe und volle Brust", erzählt er. "Sie muss etwas Rücken zeigen und dann eine schöne Linie hoch zum Schwanz haben. Breite Federn und auch der volle Schwanzabschluss sind wichtig. Das Huhn hat einen Einzackkamm mit 4 bis 6 Zacken. Die Kammfahne soll der Nackenlinie folgen." Striby hat klare Vorstellungen.

Fleisch und Eier seien Nebenprodukte der Zucht. Seit 1979 züchtet Striby die Tiere. Für ihn ist das "ein Ausgleich, wenn man vom Job kommt und man kann entspannen." Von den New Hampshire, die es in Weiß und Braun gibt, geht es mit Rüdiger Striby weiter zu den Strupphühnern. "Die sind nicht krank, sondern sollen so aussehen", erklärt er. Wie es der Name verrät, ist das Gefiederkleid durchweg zerzaust. Aufmerksam beobachten die Hühner, was außerhalb der Gitterstäbe vor sich geht. Striby führt weiter vorbei an Käfigen, die je einen halben Meter breit sind. Ein bisschen Stroh und zwei Schalen mit Futter und Wasser hängen an den Käfigstangen. Der Züchter stoppt bei den Zwergitalienern. Denn während die New-Hampshire Ohrlappen haben, haben die Zwergitaliener Ohrscheiben. Sind diese weiß, legt das Huhn häufiger weiße, Hühner mit roten Ohrlappen legen hauptsächlich braune Eier. Bei den Zwergseidenhühnern muss man den Kopf wiederum erst suchen. Gekonnt holt Rüdiger Striby ein Tier aus seinem Käfig und dreht es um. Zu sehen sind fünf Zehen. Ungewöhnlich, denn Hühner haben eigentlich vier Zehen, drei vorne und einen hinten. Wer von den Zwergseidenhühnern noch ein Stück weiter den Gang entlangschreitet, entdeckt Hühner mit Hörnern. Denn den Kopf der Appenzeller Spitztaube schmücken zwei rote Hörner anstelle eines Kammes. Nicht unweit sind auch die Cemani zu sehen. Auf dem Frühstückstisch sorgen die afrikanischen Hühner mit grünen Eiern für eine gelungene Abwechslung.

Die gurrenden und mit den Flügeln schlagenden Tauben sind in einer eigenen Halle untergebracht. Tauben, die Federn an den Füßen haben, Tauben mit gelocktem Federkleid, bei der Perückentaube bilden sich die Federn am Hals wie ein Kranz aus. "Es gibt kein perfektes Tier, an jedem Tier kann man noch etwas verbessern", sagt Striby. Allgemein würde das Interesse an der Zucht abnehmen. Der Nachwuchs fehle. "Es ist ein Hobby, das man jeden Tag macht." Großgezogen werden alle Tiere, egal ob männlich oder weiblich. Man sei nicht auf den Gewinn, sondern auf die Zucht bedacht, sagt Striby. "Es ist schön zu sehen, wenn die Küken schlüpfen und heranwachsen. Und man natürlich auch Eier hat, wo man weiß, woher."