Interview

Feldberg-Ranger: "Naturschutzgebiete sind keine Campingplätze"

Birgit-Cathrin Duval

Von Birgit-Cathrin Duval

So, 07. Juni 2020 um 07:00 Uhr

Südwest

Der Sonntag Mikroabenteuer sind im Trend. Dabei können sie zu einer großen Belastung für die Natur werden. Vor allem dann, wenn mehr und mehr unerlaubt gecampt wird. Feldberg-Ranger Achim Laber im Gespräch.

Der Sonntag: Herr Laber, in einer Pressemitteilung schreiben Sie, dass "eine neue Generation von abenteuerhungrigen Menschen den Schutzgebieten zu Leibe rückt und dass die höchsten Schwarzwaldgipfel fast jedes Wochenende belagert werden. Ist das nicht übertrieben?

Laber: Es ist von Tag zu Tag unterschiedlich. An einem Freitagabend habe ich an die sieben Gruppen im Feldberggipfelbereich angetroffen. Wir haben bereits Beschwerden vom Stübenwasen, dort waren es fünf Zelte, auch das Herzogenhorn ist sehr beliebt. Es ist der Beginn einer Welle, und wir sind hier noch längst nicht auf dem Höhepunkt. Wenn wir jetzt nicht versuchen, dem entgegenzuwirken, bekommen wir das Problem nicht mehr in den Griff.

Der Sonntag: Was ist denn daran so tragisch, wenn jemand in freier Natur übernachtet? Auf dem Feldberg findet ja auch das Laurentiusfest mit tausenden Besuchern statt, die im Naturschutzgebiet unterwegs sind.

Laber: Das Laurentiusfest ist eine einmalige Aktion. Die Tiere sind aber grundsätzlich darauf angewiesen, dass es auch eine Zeit gibt, in denen es ruhig ist. Beim Übernachten im Gelände findet die Beunruhigung der Tiere das ganze Jahr über und auch nachts statt. Wir haben noch viele seltene und sogar vorm Aussterben bedrohte Tierarten im Naturschutzgebiet. Gerade die Auerhühner, die eben genau an den Stellen balzen oder ihre Jungtiere aufziehen, die sich fürs Zelten eignen. Als Besucher weiß man ja nicht, dass man sich mitten im Balzgebiet befindet.

Der Sonntag: Wären nicht Informationstafeln genau an diesen doch besonders sensiblen Stellen hilfreich?

Laber: Wir können nicht überall Schilder mit dem Hinweis anbringen, dass hier einer der letzten 20 Auerhähne balzt. Aber wenn sich das Übernachten im Gelände etabliert – und den Eindruck habe ich – dann bleibt den Tieren quasi keine Zeit mehr, in denen sie ungestört sind.

Naturschutzgebiete sind genau das – Schutzgebiete für die Natur und keine Campingplätze.


Der Sonntag: Was sind das für Leute, die das Mikroabenteuer suchen und im Naturschutzgebiet zelten?

Laber: Es sind Naturliebhaber, vom Alter her meisten zwischen 25 und 40 Jahren, darunter viele junge Pärchen. Es ist schön, dass sich die Menschen so mit der Natur identifizieren. Deshalb habe ich auch die Hoffnung, dass wir sie mit den Argumenten des Naturschutzes überzeugen können.

Der Sonntag: Viele Mikroabenteurer schlafen in Hängematten und Biwaksäcken und zelten nicht. Ist das denn erlaubt?

Laber: Naturschutzgebiete sind genau das – Schutzgebiete für die Natur und keine Campingplätze. Im Naturschutzgebiet ist das Übernachten generell verboten. Da spielt es keine Rolle, ob man mit Zelt, Hängematte oder Biwaksack unterwegs ist. Das fällt alles unter das Lagern, was etwas anderes als das Zelten, aber ebenfalls nicht erlaubt ist.

Deshalb appellieren wir an alle, Rücksicht auf die Natur zu nehmen und nicht im Bereich des Belchen, Feldberg, Herzogenhorn oder in der Wutachschlucht zu nächtigen.


Der Sonntag: Was passiert, wenn Sie jemanden im Naturschutzgebiet beim Zelten oder Lagern antreffen?

Beim Skifahren abseits der Pisten im Wald haben wir angefangen, Bußgelder zu verhängen, weil die Auerhühner dadurch massiv gestört wurden. Beim Übernachten handhaben wir das jetzt ebenso. Wer abends angetroffen wird, wird aufgefordert, den Platz zu räumen. Treffen wir morgens Personen an und es ist offensichtlich, dass sie übernachtet haben, wird ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro verhängt. Es betrifft auch diejenigen, die auf Instagram oder Facebook Fotos von ihren Übernachtungen posten und andere damit animieren, ebenfalls loszuziehen. Es muss sich herumsprechen, dass das Biwakieren in Schutzgebieten nicht erlaubt ist.

Der Sonntag: Es wird jetzt also regelmäßig kontrolliert, ob Leute im Naturschutzgebiet zelten oder lagern?

Laber: Ja, wir sind jetzt regelmäßig im Naturschutzgebiet unterwegs und werden dabei auch von der örtlichen Polizei im Rahmen der Corona-Streifen unterstützt.

Der Sonntag: Einerseits möchten Sie, dass die Menschen in die Natur kommen, andererseits drohen Sie mit Bußgeldern. Fühlen Sie sich da nicht auch ein bisschen wie ein Spielverderber?

Laber:Wir wollen den Leuten den Spaß an der Natur nicht madig machen. Uns geht es aber um die ohnehin bedrohten Arten, wie Vögel, die am Boden brüten. Dem Bergpieper zum Beispiel, der sein einziges Vorkommen in Deutschland außerhalb der Alpen bei uns auf dem Feldberg hat, können wir gerade beim Aussterben zugucken und bei den Auerhühnern ist es nicht viel besser. Deshalb appellieren wir an alle, Rücksicht auf die Natur zu nehmen und nicht im Bereich des Belchen, Feldberg, Herzogenhorn oder in der Wutachschlucht zu nächtigen.

Der Sonntag: Wo gibt es denn Orte außerhalb des Naturschutzgebietes, an denen man zelten darf?

Laber: Es gibt Trekkingcamps, in denen das Zelten im Wald erlaubt ist und offizielle Campingplätze. Ansonsten gilt, grundsätzlich nur mit der Zustimmung des Grundstückseigentümers, beziehungsweise Waldbesitzers.

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