Villa Berberich

Festival und Fotoausstellung zum Thema "50 Jahre Woodstock"

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 12. Juni 2019 um 11:15 Uhr

Bad Säckingen

An "50 Jahre Woodstock" erinnert der Kunstverein Hochrhein in seiner nächsten Ausstellung in der Bad Säckinger Villa Berberich. Zudem gibt es ein Festival mit sechs Bands.

An "50 Jahre Woodstock" erinnert der Kunstverein Hochrhein in seiner nächsten Ausstellung in der Bad Säckinger Villa Berberich. Vom 23. Juni bis 21. Juli ist eine Fotoschau zu sehen, die das legendäre Musikfestival, die Hippie-Bewegung und den damaligen politischen und gesellschaftlichen Zeitgeist in den Fokus rückt. Zur Einstimmung gibt es am Samstag, 22. Juni ein großes Open-Air-Konzert mit sechs Bands im Park der Villa Berberich: ein richtiges Happening im Grünen.

Kleine Rückblende: Vom 15. bis 17. August 1969 stieg auf Weidefeldern in White Lake im US-Bundesstaat New York ein gigantisches Festival, das zum Mythos geworden ist: Woodstock. Geschätzte 400 000 Musikfans pilgerten an den drei Tagen zu den Auftritten von 32 Bands und Solokünstlern, darunter Stars und Rocklegenden wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Joan Baez, Joe Cocker, The Who, Santana, Ten Years After und Crosby, Stills, Nash and Young. Die Bilder der Hippies, die Schlamm, Regen und Gewittern trotzten und der Musiker und Bands, die das Gelände mit Rock, Folk, Blues und Country bespielten, gingen um die Welt. Obwohl wegen des widrigen Wetters, Verkehrsstaus und des unerwarteten Massenandrangs ziemliches Chaos herrschte und Drogen kursierten, ging Woodstock als friedliches Hippie-Rock-Festival in die Geschichte ein.

Für Frank van Veen, den Vorsitzenden des Kunstvereins, ist Woodstock "die Mutter aller Festivals" und Ausdruck des damaligen Zeitgefühls. Es war eine Zeit, in der die Zeichen auf "Aufbruch, Freiheit und Abenteuer" standen, aber auch auf Protest, "weg von den autoritären Strukturen". In den USA und auch in Deutschland wurde gegen den Vietnam-Krieg demonstriert. Van Veen erinnert sich, wie er als 16-Jähriger in Frankfurt, wo er aufgewachsen ist, Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg miterlebt hat. Dieser Zeitgeist, dieses Lebensgefühl kulminierte im Woodstock-Festival.

Van Veen hat sich als Student in Freiburg den legendären Woodstock-Film angeschaut und damals ein Gefühl bekommen für diese Zeit, auch für diese Musik, mit der er aufgewachsen ist und die von der Rebellion, der Befreiung, vom politischen Protest durchdrungen war. "Das war nicht nur Unterhaltungsmusik, nicht nur Liebe, Schmerz, Triebe, da ging es auch um Protest gegen den Vietnam-Krieg." Der Vietnam-Krieg, die Ermordung von John F. Kennedy, des Menschenrechtsaktivisten Malcom X und des Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King, der Kampf um Freiheit und Menschenrechte wühlten die Menschen auf, trieben sie auf die Straße. Diese politischen Strömungen will man in der Fotoausstellung einfangen, die sich nicht nur um das Woodstock-Festival dreht. Gezeigt werden Szenen vom Festival, von den Konzerten, den Musikern, der riesigen Zuschauermenge, der Stimmung und Atmosphäre von Woodstock, aber auch andere Motive. Ein Foto zeigt die Witwe des ermordeten Martin Luther King, ein anderes dokumentiert, wie die amerikanische Polizei gegen demonstrierende Studenten vorgeht.

Die Schau umfasst zwischen 60 und 80 Schwarz-Weiß- und Farbfotografien. Zusammengetragen und ausgesucht hat sie der Galerist, Sammler und Kurator Reinhard Schultz, mit dem der Kunstverein schon viele Fotoausstellungen zu politischen und sozialkritischen Themen gemacht hat. Neben den Fotografien sind 17 Filme zu sehen, die auf Monitoren nonstop in der Ausstellung laufen. Es sind Filme aus den 1960er-Jahren, die die politische Situation dokumentieren, aber auch Musikfilme von Bands. Im Rahmenprogramm will Frank van Veen jeden Mittwoch eine Musikführung durch die Schau machen, etwas über die Zeit erzählen und dazu Musikbeispiele einspielen.

Um das Woodstock-Feeling mit aktueller Musik aufleben zu lassen, steigt am 22. Juni von 16 bis 22 Uhr ein Freilichtkonzert im Park der Villa Berberich. Auf einer überdachten Bühne in der Nähe der Graffiti-Wand spielen verschiedene Bands aus der Region und von weiter her. Mit dabei sind das Duo Tomsis aus Wehr, bestehend aus den Geschwistern Lea und Tom Rollbühler (Gesang und Gitarre), die Songs mit tiefgründigen Melodien und ehrlichen Texten bringen, der irische Singer-Songwriter Cairn McBain aus Berlin, der die Richtung Blues, Folk und Country abdeckt, die Bluesrock-Band "Electrified Soul" um Sängerin Alexis Camara, die für ihren mitreißenden Sound bekannt ist, die Band "Mr. Mojo", die Blues, Rhythm’n’Blues und Soul im Repertoire hat, Free Lancer Fabba und Asep Stone Experience sowie die Bad Säckinger Band Shock Resistant um Hartmut Fricke. Veranstalter Frank van Veen freut sich auf "ein schönes Happening im Park, so richtig fetzig und schwungvoll". Ein Getränkeausschank und zwei Foodtrucks stehen für das Publikum parat. Wer will, kann im Stil der Hippie- und Woodstock-Ära erscheinen: mit Blumenbändchen im Haar, Flowerpower-Kleid und Schlaghose.

Die Ausstellung "50 Jahre Woodstock" in der Villa Berberich Bad Säckingen wird am 23. Juni, 11 Uhr, eröffnet, und dauert bis 21. Juli, geöffnet Mittwoch 16 bis 18, Samstag 14 bis 17, Sonntag und Feiertag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Open-Air-Konzert mit sechs Bands am 22. Juni, 16-22 Uhr, im Park der Villa Berberich.