Flugzeug verschwand kurz nach Start

dpa

Von dpa

Mo, 11. Januar 2021

Panorama

Helfer in Indonesien finden Leichenteile und Trümmer von verschollenem Flugzeug / Vermutlich hat keiner der 62 Passagiere überlebt.

(AFP/dpa). Einen Tag nach dem plötzlichen Verschwinden einer indonesischen Passagiermaschine mit 62 Menschen an Bord gibt es traurige Gewissheit über deren Schicksal. Vermutlich hat keiner den Absturz überlebt. Helfer spürten am Sonntag die Flugschreiber des abgestürzten Flugzeugs vor der Küste Jakartas auf. Einsatzkräfte entdeckten Leichenteile und Trümmer. Die Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Sriwijaya Air war am Samstag kurz nach dem Start vom Radar verschwunden.

Ein Armeeschiff spürte am Sonntag erste Signale des Flugzeugs auf. Die von den Behörden georteten Blackboxes sollen nun geborgen werden, sagte Soerjanto Tjahjanto, Chef der indonesischen Verkehrssicherheitsbehörde. Mithilfe der Flugschreiber erhoffen sich die Behörden, den Absturzhergang nachzuvollziehen. Taucher fanden etwa 23 Meter unter der Meeresoberfläche Teile der Boeing-Maschine, wie das Verkehrsministerium mitteilte. Vor der Küste von Jakarta machten die Einsatzkräfte weitere Funde. "Heute Morgen haben wir zwei Säcke erhalten, einen mit Besitztümern von Passagieren und einen weiteren mit Leichenteilen", sagte Polizeisprecher Yusri Yunus am Sonntag dem Sender Metro TV. Die Polizei habe begonnen, DNA-Proben von Familienmitgliedern der Passagiere zu nehmen und Informationen zu sammeln, um Opfer identifizieren zu können, sagte der Polizeisprecher von Jakarta.

An Bord der Boeing 737-500 auf dem Weg von Jakarta nach Pontianak auf der Insel Borneo waren nach Angaben des indonesischen Verkehrsministers Karya Sumadi zwölf Besatzungsmitglieder und 50 Passagiere, darunter sieben Kinder und drei Babys. Rund vier Minuten nach dem Abflug hatte die Maschine den Kontakt zum Kontrollturm verloren. Laut der Website FlightRadar24 hatte die Boeing zuvor dramatisch an Höhe verloren. Dann stürzte sie in der Nähe mehrerer Ausflugsinseln vor der Küste Javas ins Meer.

Verzweifelte Angehörige hatten am Samstagabend am Pontianak-Flughafen auf Borneo auf Informationen der Behörden gewartet. "Vier meiner Familienmitglieder sind in dem Flugzeug – meine Frau und meine drei Kinder", schluchzte Yaman Zai. "Sie sind nicht angekommen, sie sind nicht hier." Seine Frau habe ihm vor dem Abflug noch ein Foto ihres gemeinsamen Babys geschickt, sagte Yaman weiter. "Wie könnte mein Herz nicht in Stücke reißen?" Das quälende Warten der Angehörigen auf Nachrichten über das Schicksal der Flugzeuginsassen dauerte am Sonntag an. Dann die schreckliche Gewissheit: Es hat wohl niemand überlebt.

Die Unglücksursache war zunächst unklar. Sriwijaya Air erklärte, eine Untersuchung sei im Gange. In der Flotte der indonesischen Billig-Airline befinden sich rund 19 Boeing-Flieger, die vor allem Ziele in Indonesien sowie einigen anderen südostasiatischen Ländern anfliegen.

Die indonesische Luftfahrtindustrie hat keinen guten Ruf. 2014 waren 162 Menschen ums Leben gekommen, als eine Maschine der Gesellschaft AirAsia auf dem Weg von der indonesischen Stadt Surabaya nach Singapur abstürzte. Die Untersuchungen ergaben, dass die Kontrollsysteme des Flugzeugs nicht angemessen überwacht worden waren, dass sich die Maschine in keinem guten Gesamtzustand befand und dass der Pilot des Flugzeugs in der Notsituation nicht angemessen reagiert hatte.

Zuletzt hatte es in Indonesien im Oktober 2018 ein schweres Flugunglück gegeben. Damals kamen 189 Menschen ums Leben, als eine Lion-Air-Maschine vom Typ Boeing 737 MAX kurz nach dem Start ins Meer stürzte. Dieser Absturz sowie ein weiterer in Äthiopien führten zu einem weltweiten Flugverbot für die 737 MAX und einer Milliardenstrafe für Boeing wegen der Verschleierung von Informationen über das Stabilisierungssystem MCAS gegenüber den Aufsichtsbehörden.