Trockenheit

Forscher fürchten, 2020 könnte wieder ein Dürre-Jahr werden

Andreas Frey

Von Andreas Frey

Di, 21. Januar 2020 um 20:30 Uhr

Panorama

Die milden Temperaturen sind aktuell gar nicht das größte Problem. Die Trockenheit nimmt bereits wieder dramatische Züge an. Und bislang ist keine Änderung in Sicht. Forscher befürchten ein Dürre-Jahr.

Der Januar zeigt bislang sein zahmes Gesicht. Um mehr als vier Grad ist es deutschlandweit wärmer als im langjährigen Schnitt, grimmige Kälte muss man sogar in Skandinavien und Osteuropa suchen. Gravierender als die milden Temperaturen ist aber der fehlende Niederschlag. Die Trockenheit nimmt bereits wieder dramatische Züge an. Und bislang ist keine Änderung in Sicht.

In den großen Dürregebieten der vergangenen beiden Jahre fällt erneut nur wenig Regen, vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Bayern bleibt die Lage angespannt. Dort zeigt die Deutschlandkarte des Dürremonitors vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig immer noch tiefrote Flächen, es herrscht nach wie vor die höchste von fünf Trockenstufen. Forscher sprechen von einer außergewöhnlichen Dürre. Bis in eine Tiefe von 1,8 Metern ist kaum noch Wasser vorhanden, die Böden haben sich von der Dürre nicht erholt. Daran konnte auch der einigermaßen nasse Herbst nichts ändern.

Die Wasserreserven sind vielerorts aufgebraucht

Der Deutsche Wetterdienst warnt bereits vor einer beginnenden Dürre. "Der Trend zu stark meridional geprägten Wetterlagen mit nur vereinzelten, dann aber lokal heftigen Starkregenfällen im Sommerhalbjahr lässt für die besonders betroffenen Regionen auch 2020 Schlimmes befürchten", meint Meteorologe Robert Hausen.

"Die Dürregefahr ist noch nicht gebannt", sagt auch Andreas Marx vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der den Dürremonitor betreut. Der Oberboden sei nach dem nassen Herbst zwar deutschlandweit wieder deutlich feuchter, aber weiter unten sehe es in den dürregeplagten Regionen noch immer schlecht aus. Anders formuliert: Die Wasserreserven sind alle aufgebraucht. Damit sich das ändert, müsste es in den kommenden Wochen und Monaten endlich richtig regnen.

In einigen Gebieten fehlen nach Angaben von Marx immer noch mehrere hundert Liter Regen pro Quadratmeter, mitunter sogar ein halber Jahresniederschlag. Der Fachmann definiert eine Dürre nicht nur meteorologisch als Ergebnis eines größeren Regendefizits, sondern als Kombination von Regenmengen und Bodenqualität. Sandige, leichte Böden nehmen Wasser zwar schneller auf, können Wasser aber deutlich schlechter speichern als schwere, tonhaltige. Daher sind jene besonders anfällig für Regenarmut. Im Gegensatz dazu sind Böden mit hohem Tonanteil an Trockenphasen besser angepasst, allerdings nehmen sie fallenden Regen langsamer auf – und erholen sich zudem schlechter von Dürrephasen.

Bis Monatsende ist kein großer Niederschlag in Sicht

Wenn Andreas Marx über die beiden vergangenen Jahre spricht, dann wird er nachdenklich, fast betroffen. "2018 und 2019 haben uns überrascht", sagt er, zwei Trockenjahre in Folge seien nicht erwartbar gewesen. Zwar habe es in den vergangenen Jahrzehnten, wie etwa im Jahr 1976, immer wieder Dürren gegeben, zwei Trockenjahre in Folge seien aber einzigartig und von den Klimamodellen so nicht vorhergesagt worden, sagt Marx. Ein Trockenjahr sei in der Regel auch kein Problem. Zwei, drei Dürrejahre in Folge hingegen schon. Das Jahr 2018 fiel noch im gesamten Bundesgebiet zu trocken aus, 2019 fiel vor allem im Osten und Norden zu wenig Regen.

Die Frage, die nun viele bewegt, möchte sich Andreas Marx lieber nicht ausmalen. Was passiert, wenn das Jahr 2020 erneut viel zu trocken ausfällt, wenn die Dürre anhält? Grundsätzlich kann kein Mensch sagen, wie das Jahr wird. Auch wenn das einige Meteorologen in der Branche nicht davon abhält, es doch zu tun. Und die Klimamodelle senden – wie bei regionalen Niederschlagsverteilungen üblich – kein robustes Signal für die Zukunft aus. Grob umrissen wird es am Mittelmeer in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wahrscheinlich noch trockener, während Skandinavien wohl noch mehr Regen abbekommen wird.

Was in Mitteleuropa passiert, ist unklar. Wahrscheinlich wächst auch hierzulande die Dürregefahr, glaubt Marx’ Kollege Michael Peichl vom UFZ . Das Wetter wird unberechenbarer. In einer 1,5 bis zwei Grad wärmeren Welt könnten Trockenphasen um ein Drittel häufiger werden, bei drei Grad um die Hälfte, sagt er. Im Südwesten könnte sich die Zeit, in denen Dürren auftreten, verdoppeln.

Aber jetzt hoffen die Forscher erst einmal, dass das Jahr vor allem eines bringt: viel Regen. Bis Monatsende sind allerdings keine großen Mengen in Sicht. Und Winterwetter ohnehin nicht.