Nach BUND-Vorwürfen

Forst BW rechtfertigt die Holz-Beregnung im Kleinen Wiesental

Gerald Nill

Von Gerald Nill

Di, 06. Oktober 2020 um 14:02 Uhr

Kleines Wiesental

Behördenvertreter beziehen Stellung zu Vorwürfen, am Holz-Nasslager Tegernau werde Wasser verschwendet und verschmutzt. Laut Forst BW geht alles regelkonform zu.

Zur wiederholt geäußerten Kritik am Nassholzlager Tegernau nehmen jetzt der Leiter des Staatsforstes BW in Schopfheim, Thomas Unke, sowie der Leiter des Lagerplatzes, Hubertus Stratmann, Stellung. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hatte vorgebracht, dass durch die Beregnung der Baumstämme Wasser verschwendet und verseucht werde sowie Auflagen nicht erfüllt würden. Die Forst-Vertreter beteuern auf BZ-Nachfrage, dass den Belangen der Umwelt Rechnung getragen werde.

Versickerung ist die größte Herausforderung

Hubertus Stratmann weist aber auch auf die Probleme bei der Umsetzung der Auflagen hin. "Gemäß der wasserrechtlichen Genehmigung aus dem Jahr 2007 dürfen wir zur Konservierung von bis zu 10 000 Festmetern Holz maximal zehn Liter Wasser pro Sekunde entnehmen, solange der Pegel der Kleinen Wiese in Tegernau mindestens 20 Zentimeter Wasser beträgt", zitiert Stratmann. In den weiteren Bestimmungen wird festgelegt, dass das "Ablaufwasser" nicht direkt in die Köhlgartenwiese geleitet werden darf, sondern auf dem Gelände zu versickern ist. "Genau diese Auflage stellt uns vor die größte Herausforderung", räumt Stratmann ein. In den vergangenen Jahren wurden in Tegernau keine oder nur geringe Holzmengen beregnet. Dabei war die entnommene Wassermenge so gering, dass die Problematik praktisch nicht aufgetreten sei. "Nach dem umfangreichen Sturmholzanfall zum Jahresanfang und der schlechten Absatzsituation haben wir das Lager in diesem Jahr zum ersten Mal seit Vorliegen der aktuellen Genehmigung komplett mit 10.000 Festmetern Holz befüllt und mit der maximal möglichen Wassermenge beregnet", berichtet Stratmann.

Verstoß gegen die Auflagen festgestellt

"Dabei wurde schnell klar, dass diese Wassermenge nicht versickert, sondern sich in dem natürlich vorhandenen Graben sammelt und darin auf kürzestem Weg direkt in die Köhlgartenwiese abfließt". Das habe "einen Verstoß gegen die Auflagen dargestellt" und abgestellt werden müssen. Hauptmaßnahmen seien eine Reduzierung der Entnahme- und Beregnungsmenge und eine Verbesserung der Versickerungssituation gewesen. So sei im Wechsel je nur eine Hälfte des Holzes beregnet worden, außerdem wurde die Beregnung nachts abgeschaltet. Damit habe man die Beregnungsmenge "im Maximalbetrieb auf knapp sieben Liter pro Sekunde und im Tagesmittel auf unter fünf Liter reduzieren können", so Stratmann. "Mittels einer neu installierten Wasseruhr lassen sich die Entnahmemengen genau nachvollziehen." Während der Phase des sehr niedrigen Pegelstandes der Kleinen Wiese Mitte September sei die Beregnung sogar auf wenige Stunden am Tag gedrosselt worden, so dass im Tagesmittel nur etwa zwei Liter pro Sekunde entnommen worden seien.

Laborbericht bescheinigt Unbedenklichkeit

Anfang Juli wurde ein neuer Versickerungsgraben sowie eine Mulde angelegt um zu verhindern, dass Abwasser direkt in den Bach fließt.

Auf Nachfrage legt Thomas Unke, Leiter von Forst BW, einen Laborbericht aus jener Woche vor, in der die Sickergrube in Betrieb genommen wurde. Demnach erhöht sich der Phosphorwert am Lagerplatz von 0,14 auf 0,17 Mikrogramm je Liter in der Köhlgartenwiese. "Ergänzend wurde im August der pH-Wert des Ablaufwassers aus der Versickerungsgrube, welches aufgrund der Färbung auf eine hohe Konzentration der ausgeschwemmten Stoffe schließen lässt, ermittelt", fügt Stratmann hinzu. "Die Werte lagen mit jeweils etwa 7,2 im leicht alkalischen Bereich und damit im normalen Bereich der Köhlgartenwiese." Da auch nach diesen Maßnahmen noch geringe Wassermengen aus der Versickerungsmulde ausgelaufen sind, habe man versucht, über kleinere Ableitungen Wasser aus dem Graben über den schmalen Streifen zwischen Lager und Köhlgartenwiese versickern zu lassen. Dabei sei ein drei Meter langes Rohr eingesetzt worden, was der BUND moniert hatte.

Einleitung soll nicht verharmlost werden

"Alle Maßnahmen wurden in Abstimmung mit dem Fachbereich Umwelt im Landratsamt Lörrach vorgenommen", beteuert der Lager-Verantwortliche. Die Rindenbestandteile und sonstigen Holzinhaltsstoffe, welche für die dunkle Färbung des Ablaufwassers sorgen, seien nur schlecht wasserlöslich. "Darum setzen sie sich auch bei fließendem Wasser gerne am Boden ab", so Stratmann. "Es ist nicht unsere Absicht, unter Bezug auf aus unserer Sicht relativ unbedenkliche Wasserwerte die Einleitung des Ablaufwassers zu rechtfertigen oder zu verharmlosen." Jede Einleitung stelle eine Beeinträchtigung des Gewässers dar, und auch wenn es sich um natürliche Inhaltsstoffe handelt, erfolgt doch über Menge und Dauer der Beregnung ein hoher Gesamteintrag, der sich insbesondere im unmittelbaren Bereich der Einleitstelle auf die Gewässerlebewesen auswirken dürfte.

Schwieriges Gelände birgt Probleme

Daher bleibe es das Hauptanliegen, den Eintrag zu verhindern oder zu minimieren. "Dies wird allerdings durch die örtlichen Gegebenheiten sehr erschwert." Dazu zähle das geneigte Gelände, ein relativ wasserundurchlässiger Boden sowie die Tatsache, dass nach Regenfällen das Wasser aus dem gesamten Hang oberhalb der Straße in das Gelände drückt und so auch ohne Beregnung Wasser über den Platz in den Bach läuft. Stratmann und Unke weisen darauf hin, dass das Nassholzlager nicht nur aus ökonomische Motiven betrieben werde, wie in der BZ zu lesen war, sondern mehr und mehr aus ökologischen. Aus finanzieller Sicht sei das Nasslager Tegernau für Forst BW weder gewinnbringend noch kostendeckend. Für jeden eingelagerten Festmeter werden erhebliche Geldaufwendungen zu erbringen sein, erklärt Stratmann. Thomas Unke ergänzt: "Nach drei Jahren in Folge mit durch den Klimawandel verursachten Waldschäden, Dürre, Borkenkäfer und einem dadurch bedingten enormen Überangebot insbesondere an Fichten- und Tannen-Stammholz ist der Holzmarkt erstmalig europaweit in die Knie gegangen. In dieser Situation kann auch durch die Beregnung der Holzpreis nicht wirksam stabilisiert werden."

Beregnung verhindert Holzmarkt-Zusammenbruch

Der Preis für das beregnete Holz decke die Aufarbeitungskosten kaum noch und die Konservierungskosten gar nicht mehr. Trotzdem sei die Aufarbeitung und Beregnung des Holzes vernünftig, glaubt Unke. Denn dadurch werde Pestizideinsatz vermieden, ein totaler Zusammenbruch des Nadelstammholz-Marktes verhindert und die Rohstoffversorgung der regionalen Sägeindustrie gesichert. Auch zu den vom BUND festgestellten Mängeln der Holzqualität im Nassholzlager bezieht der Leiter des Staatsforstes Stellung: "Oberflächlicher Pilzbefall, beginnende Holzverfärbungen durch Bläuepilze und bereits eingebohrte Borkenkäfer oder entwickelte Käfermaden sind normal, wenn Bäume im Winter vom Sturm geworfen wurden und erst Ende April beziehungsweise Anfang Mai aufgearbeitet werden können." Das habe in einem frühen Befallsstadium keinen wesentlichen Einfluss auf die Holzgüte und Verwertbarkeit als hochwertiges Bauholz. Der Käufer habe keine Mängel festgestellt und das Holz ohne Qualitätsabstufung übernommen.