Erfahrungsbericht

Fotografin erklärt, wie sie den Kometen Neowise abgelichtet hat

Birgit-Cathrin Duval

Von Birgit-Cathrin Duval

Mi, 08. Juli 2020 um 20:37 Uhr

Südwest

Wer in diesen Tagen den Kometen Neowise sehen will, muss zeitig aus den Federn. Derzeit ist er in den frühen Morgenstunden gegen 4 Uhr am nordöstlichen Horizont auszumachen – sogar mit bloßem Auge.

Wer den Kometen mit seinem Schweif bewundern will, sollte sich an einen möglichst dunklen Ort mit freiem Blick in Richtung Nordosten begeben – am besten auf eine Anhöhe oder Berggipfel. Das hellste und damit auffälligste Objekt am Morgenhimmel ist der Planet Venus.

Die Venus kann als Orientierungshilfe dienen, den Kometen Neowise ausfindig zu machen. Und das geht so: Von der Venus aus eine imaginäre Linie Richtung links ziehen – dort in etwa derselben Höhe über dem Horizont ist der Komet zu sehen.

Blick durchs Fernglas lohnt

Wir sind gegen halb vier Uhr morgens auf den Hochblauen bei Badenweiler gefahren. Dort zeigte sich Neowise eindrucksvoll über dem Schauinsland. Um den Schweif mit bloßem Auge zu beobachten, ist es übrigens besser, wenn man ihn nicht direkt fixiert, sondern die Augen etwas neben das Objekt richtet. Mit diesem Trick des indirekten Sehens ist der Schweif besser zu sehen. Auch wenn er mit bloßem Auge sichtbar ist, lohnt sich der Blick durch ein Fernglas.

Autofokus versagt bei der Kometenfotografie

Wer den Kometen fotografieren möchte, benötigt eine Spiegelreflexkamera oder Systemkamera mit lichtstarkem Objektiv und ein Stativ. Das bedeutet, Blende öffnen auf 2,8 oder falls es das Objektiv hergibt auf 2.0.

Das Schwierigste an Stern- bzw. Kometenfotografie ist, die Sterne als Punkte und nicht etwa als Striche aufzunehmen. Zum einen ist das Fokussieren, also das Scharfstellen auf das Objekt eine Herausforderung. Der Autofokus sirrt hin und her, was das Fokussieren unmöglich macht – hier muss auf manuellen Fokus umgestellt werden. Und weil sich die Erde während der Belichtung dreht, darf die Belichtungszeit nicht allzu lang sein, da der Komet sonst verschwommen abgebildet wird.

Belichtungszeit darf nicht zu lang sein

Als Richtwert kann ISO 800 verwendet werden, damit die Belichtung möglichst kurz ausfällt. Die oben zu sehenden Aufnahme wurde mit einer Fuji Systemkamera, 85 mm Objektiv mit einer Blendeneinstellung von f/ 2.8 und einem ISO Wert von 800 aufgenommen. Die Belichtungszeit betrug 9 Sekunden. Der Auslöser der Kamera wurde genau um 4.28 Uhr betätigt.

Kometen sind die Vagabunden des Weltalls. Sie tauchen plötzlich auf und verschwinden nach kurzer Zeit ebenso spurlos, wie sie gekommen sind. Anders als die Erde, die in 365 Tagen die Sonne umkreist, benötigen Kometen mehrere hundert Jahre. Gerade deshalb ist es so spannend und einmalig, wenn ein Komet am Firmament auftaucht.

Nachdem mir in der Vergangenheit Fotos mit der Milchstraße und Sternschnuppen gelungen sind, ist dies mein erstes Kometenbild. Dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt.
Komet Neowise

Neowise mit der nüchternen Bezeichnung C/2020 F3 ist bis etwa zum Monatsende am Himmel zu sehen.
In den kommenden Wochen wird es sogar noch leichter, ihn zu beobachten. Entdeckt wurde der Komet erst am 27. März, und zwar vom Weltraumteleskop Wise. In den vergangenen Tagen durchlief der neue Schweifstern den sonnennächsten Punkt seiner Bahn - nun entfernt er sich wieder von unserem Zentralgestirn. Ein spektakuläres Foto des kosmischen Besuchers gelang vor wenigen Tagen einem Kosmonauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS. (dpa)