Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Frauen im Kreis Emmendingen sind rund viermal mehr von Gewalt betroffen als Männer

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Do, 25. November 2021 um 10:10 Uhr

Kreis Emmendingen

158 Fälle von häuslicher Gewalt gab es allein im Kreis Emmendingen im Jahr 2020. 129 der Betroffenen sind weiblich. Im Kreis wächst aber auch das Angebot von Hilfe- und Beratungsstellen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2016 waren 186 Menschen im Kreis Emmendingen von Partnerschaftsgewalt betroffen, 2017 waren es 164, 2018 liegt die Zahl bei 175, 2019 bei 168 und 2020 bei 158. In allen Fällen sind allein im Kreis Emmendingen Frauen im Schnitt viermal mehr das Opfer als der Mann. So waren 2020 29 der Betroffenen männlich, 129 aber weiblich. Das zeigt die Polizeistatistik der Polizei Freiburg.



Doch zudem gibt es bei dem Thema auch eine positive Entwicklung im Kreis: Mittlerweile gibt es deutlich mehr Hilfsangebote für Betroffene von häuslicher, aber auch sexueller Gewalt als noch vor einem Jahr. Die BZ hatte Anfang Januar 2021 davon berichtet, dass es zwar Beratungsanlaufstellen im Landkreis gibt, wegen eines fehlenden Frauenhauses Emmendingen aber als "weißer Fleck" laut einer Analyse des Landes Baden-Württemberg aus dem Jahr 2018 gilt.

Unter anderem trägt die Pandemie zum Anstieg der Beratungsstellen bei: Viele Expertinnen und Experten gingen davon aus, dass die Zeit des Lockdowns häusliche Gewalt intensivieren wird. Gleichzeitig wurden mehrere Fördertöpfe zur Prävention oder aktiven Handeln gegen häusliche Gewalt freigegeben: So entstand im Oktober 2021 das von "React-Eu" geförderte zusätzliche Angebot "Beratung für Frauen mit Gewalterfahrung" ein Projekt der Diakonie Emmendingen, der Caritas Emmendingen und des Sozialdienstes katholischer Frauen in Waldkirch. Das Pilotprojekt der Beratungsstelle für den Landkreis soll vorerst bis im Dezember 2022 angeboten werden.

"Der Fakt etwa von Elzach aus den Zug nehmen zu müssen, um eine Beratungsstelle überhaupt zu erreichen, gilt schon als Hindernis." Claudia Winker, Frauenhorizonte
Vor genau einem Jahr – zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – entschied sich der Landkreis für ein Modellprojekt, das die ambulante Versorgung von Gewaltbetroffenen im Kreis und vor allem im ländlichen Raum verbessern sollte. Die Projekte wurden vom Ministerium für Soziales und Integration ausgeschrieben. Die Fachberatungsstelle Frauenhorizonte und das Freiburger Frauen- und Kinderschutzhaus bieten seither eine mobile Beratung für den Landkreis an. Sprich: Die beiden Institutionen hatten vorher die Region bereits von Freiburg aus mitbetreut, damit der Zugang zu diesen Fachberatungen aber noch einfacher ist, werden nun auch Sprechstunden direkt in Emmendingen und Waldkirch angeboten. "Der Fakt etwa von Elzach aus den Zug nehmen zu müssen, um eine Beratungsstelle überhaupt zu erreichen, gilt schon als Hindernis", so erklärte Claudia Winker, Leiterin von Frauenhorizonte in Freiburg, wie auch der weite Weg zur Beratungsstelle bereits eine Hürde sein kann.

Auch die Gleichstellungsbeauftragte Yvonne Baum findet das vielfältige Angebot für den Landkreis gut: "Das finde ich hervorragend, weil die Wege kürzer sind und die Frauen auch ein deutlich niedrigschwelligeres Angebot haben." Baum begrüßt es auch, dass sich einige Projekte durch das alleinige Engagement der Institutionen entsprungen ist: "Ich finde es gut, dass viele das als Thema sehen und selbst aktiv werden."
Hier finden Sie Hilfe

Beratung für Frauen mit Gewalterfahrung: Marina Palmer, Caritas Tel. 0177/6433940, [email protected]; Marie Glaser, Diakonisches Werk, Tel. 017681379163,[email protected]; Ines Bruder, Sozialdienst katholischer Frauen, Tel. 0152/23762877, [email protected]
Frauenhorizonte hat sich auf sexualisierte Gewalt spezialisiert. Wer Hilfe benötigt, kann sich via Tel. 0761/2858585 oder per Mail [email protected] wenden. Aktuell sind die Sprechzeiten in Waldkirch montags und donnerstags.
Auch das Frauen- und Kinderschutzhaus bietet direkte Beratung im Kreis Emmendingen an. Eine Terminvereinbarung ist wochentags von 9 bis 16 Uhr möglich unter Tel.  0761/31072. Per E-Mail ist die Frauenberatungsstelle unter [email protected] erreichbar.
In akuten Notfällen hilft auch das Hilfetelefon Tel. 0800/0116016