Müll

Pfandbecher "to go"

Simone Höhl und Robin Wille

Von Simone Höhl & Robin Wille

Di, 22. November 2016

Freiburg

Mehrwegsystem für Kaffee zum Mitnehmen gestartet / Freiburg-Cup bei 16 Cafés und Bäckern.

In Freiburg gibt es ab sofort Pfandbecher für Kaffee zum Mitnehmen. Damit wollen Stadt und Abfallwirtschaft ASF den Müll in der Innenstadt verringern – laut ASF als erste deutsche Großstadt.

Wer einen "coffee to go" kauft, kann in der Innenstadt statt eines Wegwerfbechers jetzt einen Mehrwegbecher bekommen. Am Montag starteten Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) und das Rathaus ihren Versuch, den Pappbechermüll in den Griff zu kriegen.

16 Cafés und Bäcker im Zentrum machen vom Start weg mit, sagte ASF-Chef Michael Broglin bei der Vorstellung des Freiburg-Cups im Café Libresso in der Uni-Bibliothek. Das hat die beigefarbenen Plastikbecher mit grüner Skyline – vom Freiburger Münster bis zum Hirschsprung im Höllental – schon im Regal neben der Kaffeemaschine stehen. Alle 16 sollen bis Dienstagnachmittag mit den Pfandbechern ausgerüstet sein, erste Auflage: 5000 Exemplare.

Einen Euro Pfand zahlen Kaffeetrinker auf den Plastikbecher, den sie in allen Läden abgeben können, die mitmachen. Dort wird er in der Maschine gespült.

Die Ökostadt hat einen Ruf zu verlieren

Ziel ist, Abfall zu vermeiden, erklärte Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik. In der "Green City" ist Müll vermeiden erste Bürgerpflicht, die Restmüllquote ist niedrig. Dennoch hat die Stadt ein Problem mit Verpackungsmüll, vor allem in der Altstadt. Das ärgert nicht nur Geschäftsleute und Bürger. "Es ist eine riesengroße Arbeitsbelastung für meine Mitarbeiter", sagte Broglin.

"Es ist nicht nur ein Freiburger Phänomen, dass in der Innenstadt immer mehr Pappbecher liegen und die Straßen vermüllen", erklärte Stuchlik. Aber allein in der Stadt fielen jedes Jahr zwölf Millionen leere Pappbecher an. "80 Prozent des Problems sind gelöst", sagte Stuchlik zum Freiburg-Cup: Der Deckel bleibt ein Wegwerfartikel – der Hygiene wegen.

Der Cup könne 400 Mal wiederverwendet werden. "Das spart Wasser, Papier und Energie", sagte Stuchlik. Die Stadt finanziert den Versuch, der 8500 Euro kostet und erst einmal auf ein Jahr angelegt ist.

Kaffee im eigenen Becher gibt’s in einigen Läden. Die Idee zum Pfandsystem aber hatten Christian Hoene und Tochter Kathrin: Die Warsteiner Galerie hinter der Uni-Bibliothek hat im Sommer einen Mehrwegbecher zum Mitnehmen eingeführt und die ASF ins Boot geholt. Bisher wird das Angebot nicht so gut angenommen. Der Wirt ist skeptisch, ob der Freiburg-Cup läuft. "Wenn man eine nennenswerte Größenordnung hinkriegen will, muss die Politik das pushen." Dass die Idee nun im großen Stil aufgezogen wird, ärgert ihn nicht: "Es geht ja um die Sache." Er überlegt mitzumachen, wenn seine Becher alle im Umlauf sind.

"Wir mussten einiges lernen", meinte Broglin. Der Cup sei mit Cafébetreibern entwickelt worden, die Größe passe unter jede Maschine. Die Version ist nicht die erste: Mit einem Hersteller sei schon alles geregelt gewesen, als durch das Aufdrucken des Logos unter Wärme der Becher minimal schrumpfte. "Dann hat der Deckel nicht mehr gepasst."

Broglin hofft, dass das Pfandsystem zur Dauereinrichtung wird. Die Wirkung ist umso größer, je mehr mitmachen – auch Kaffeetrinker. "Wenn es in einer Stadt wie Freiburg nicht funktioniert, dann kann man’s lassen", wiederholte Broglin beim Start des Systems, der für Freiburger Verhältnisse auf großes Medienecho stieß – von der Agentur dpa über den Deutschlandfunk bis zum ZDF.

Freiburg ist deutschlandweit die erste Großstadt mit dem Pfandsystem, sagte der Freiburger Abfallchef. Hamburg habe seines noch nicht wirklich eingeführt, Tübingen verkaufe die Becher und verleihe sie nicht. Kommt der Freiburg-Cup bei der Kundschaft an, will Broglin die Aktion ab nächstem Sommer auf andere Stadtteile ausdehnen.