Das Publikum gibt den Takt vor

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Di, 09. Juli 2019

Freiburg

Beim 22. Impro-Theaterfestival im Stadtgarten ist die Spontaneität der Schauspieler gefordert / Bis Freitag wird improvisiert.

FREIBURG-ALTSTADT. "Meine Oma hat schon immer gesagt: Die Cola ist warm", verkündet Ansgar Hufnagel aus voller Überzeugung. Das Publikum belohnt den sinnlosen Satz mit Applaus. Er und seine "Improholiker" spielen ein Stück, das die Zuschauer lenken. Hierfür gingen vor der Show Zettel herum, auf die sie Worte oder ganze Sätze schreiben konnten. Einer lautete: "Die Cola ist warm." Die Absurditäten reihen sich aneinander, und die Schauspieler müssen aufpassen, dass sie sich vom Gelächter nicht anstecken lassen.

Die Freiburger "Improholiker" sind eine von elf Gruppen, die auf dem Impro-Theaterfestival spielen. Dass sie die traditionsreiche Veranstaltung eröffnen dürfen, flößt ihnen Respekt ein, wie Sina Spiegel zugibt: "Anfangs war ich ganz entspannt, aber als der Termin näher rückte, wurde ich immer aufgeregter." Am Sonntagabend stehen sie zu fünft auf der Bühne. Neben Hufnagel und Spiegel sind Cäcilia Bosch, Selina Farine und Matthias Emmerling dabei. In dieser Konstellation spielen sie erst seit einem dreiviertel Jahr.

Impro-Theater ist nicht nur den Profis vorbehalten

Im Stadtgarten ist nicht nur der Andrang rege, sondern auch die Teilhabe. Noch vor der Show freut sich eine Gruppe von Jugendlichen über den eigenen Vorschlag. Inspiriert von der NDR-Serie "Der Tatortreiniger" schreiben sie auf den Zettel: "Jetzt mal Tofu bei die Algen." Später kontert Emmerling den Satz mit schwäbischem Akzent: "Ich sag ja immer Butter bei die Fische." Aus der Ecke der Heranwachsenden kommt natürlich das lauteste Gelächter.

Sei es Schauspielerei, Zirkus- oder Theaterpädagogik – alle Mitglieder von "Improholiker" haben ein Studium oder eine Ausbildung im künstlerischen Bereich absolviert. Impro-Theater ist trotzdem nicht den Profis vorbehalten. Festival-Veranstalter Christian M. Schulz, der selbst in der Impro-Gruppe "Freistil" spielt, gibt Grundkurse in dieser Theater-Disziplin. Für die meisten Ensembles aus Freiburg wurde er der dadurch zum Lehrer.

"Improholiker" beschränken sich jedoch nicht nur auf das Schauspiel. Matthias Emmerling begleitet die Show auch am Keyboard. Die restliche Gruppe singt und rappt dazu. Selbstverständlich improvisiert. Während einer Szene darf das Publikum sogar dazwischenrufen, wenn es zum Thema lieber ein Lied statt Schauspiel hören möchte. Und so steht die Gruppe auf der Bühne des Musikpavillons und singt eine Liebeserklärung an Kameldünger.

Impro-Theather ist wie Jazzmusik, erklärt Matthias Emmerling. Man habe zwar ein paar Akkorde, aber der Rest sei improvisiert. Sich dabei trotzdem bremsen zu können, ist laut Ansgar Hufnagel wichtig. Für eine Szene muss er in der Hocke sitzen. Er versucht es immer wieder, verliert aber stets das Gleichgewicht. Damit durchkreuzt er die Pläne seiner Schauspielpartnerin. Das Publikum lacht. Nach der Show gibt er zu, dass er tatsächlich Probleme mit der Sitzposition hatte. Auch das ist Impro-Theater. Dinge auszuprobieren, selbst wenn sie schiefgehen könnten. Ohne Proben geht es trotzdem nicht, wie Cäcilia Bosch erklärt. Sich schnell in Figuren hineinzudenken und eine Sprechweise anzunehmen, müsse man immer wieder üben, um sicher improvisieren zu können.

"Man nimmt sich seinen Raum", fasst Matthias Emmerling die Idee von Impro-Theater zusammen. Aus jedem Schauspieler müsse der Impuls kommen, nach vorne zu gehen, egal was passiert. "Ich finde, man kann dadurch viel fürs Leben lernen", ergänzt Ansgar Hufnagel. Denn auch auf der Bühne müsse man Situationen annehmen, wie sie sind, und mit dem Gegenüber reden.

Impro-Theaterfestival

Dienstag, 9. Juli: "One Play Wonder" (18 Uhr) und "Improtastisch" (20 Uhr)

Mittwoch, 10. Juli: "Improgramm" (18 Uhr) und "Die Spontanellen" (20 Uhr)

Donnerstag, 11. Juli: "Verspielt" (18 Uhr)

und "Freistil" (20 Uhr)

Freitag, 12. Juli: "Impro Ananas" (17 Uhr) und "Champignon" mit bis zu 14 Spielern aus allen Festival-Gruppen (19.30 Uhr).

Der Eintritt ist frei.