Die Stadtdekane der beiden großen christlichen Konfessionen im Gespräch

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Sa, 31. Dezember 2016

Freiburg

BZ-INTERVIEW mit Wolfgang Gaber (katholisch) und Markus Engelhardt (evangelisch), den Stadtdekanen der beiden großen christlichen Konfessionen.

Das Jahr 2016 geht zu Ende. Es war kein einfaches – auch nicht für Freiburg. Das haben auch die Vertreter der Kirchen so erlebt. Die katholischen und evangelischen Stadtdekane Wolfgang Gaber und Markus Engelhardt blicken im Gespräch mit Joachim Röderer auf den Mordfall Maria L. und die schwierigen Folgen, aber auch auf die zunehmende Säkularisierung und aufs Lutherjahr.

BZ: Herr Engelhardt, Herr Gaber: War das Jahr 2016 ein Annus horribilis, also ein schreckliches Jahr?
Engelhardt: Das würde ich schon so sagen. Vieles, was sich in diesem Jahr so entwickelt hat, wäre vor genau einem Jahr undenkbar gewesen. Rückblickend gesehen hat mit Silvester in Köln die große Zäsur stattgefunden. Seitdem hat man nicht mehr so unbefangen und begeistert von Willkommenskultur gesprochen. Das Klima hat sich peu à peu vergiftet und in Richtung Misstrauen bewegt.
Gaber: Wir beide sind ja auch in der ökumenischen Telefonseelsorge tätig. Die ganze Nacht kommen da Anrufe, es haben einfach viele Leute Angst. Auch bei uns in Freiburg. Ein Einzelner hat es geschafft, dass eine ganze Stadt Angst hatte.
BZ: Sie sprechen vom Mordfall Maria.
Gaber: Ja. Da hörte man dann solche Sätze wie: Diesen Weg gehe ich jetzt nicht mehr alleine. Das hatte das Leben in der Stadt schon verändert.
Engelhardt: Ich würde es nicht so stark auf den Begriff der Angst bringen. Mein Eindruck ist, dass nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Täters viel an Emotionalisierung durch die bundesweiten Medien auf Freiburg projiziert worden ist. Ich habe die Stimmung hier als bedrückt, aber auch beherrscht und maßvoll erlebt. Man kann wirklich stolz darauf sein, wie die Freiburger Bürgerschaft auf diese Nachrichten und auch auf die Hysterie, die von außen kam, reagiert hat. Was der Oberbürgermeister in den Tagen nach der Festnahme in den Medien gesagt hat, war großartig und hat die Befindlichkeit in der Stadt wiedergegeben: Wir lassen uns nicht nehmen, dass ...

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