Modenschau

Frauen und Mädchen zeigen Einzelstücke, die Langzeitarbeitslose aus gespendeter Kleidung gefertigt haben

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

Mo, 18. Juni 2018

Freiburg

Bei einer Modenschau präsentieren Frauen und Mädchen Einzelstücke, die Langzeitarbeitslose aus gespendeter Kleidung gefertigt haben.

FREIBURG-HASLACH. Das Secondhand-Kaufhaus Fairkauf in Haslach hat Platz geschaffen. Podeste wurden zum Laufsteg und drum herum Sofas und Sessel postiert. Sie stehen zum Verkauf, werden am Samstagnachmittag aber als Sitzgelegenheit von Zuschauerinnen und Zuschauern genutzt, denen die Sommerkollektion von "Einzigware", einer Marke des Deutschen Caritasverbands, in einer Modenschau präsentiert wird. Aus gespendeter Kleidung und Stoffresten sind originelle Einzelstücke entstanden, die im Fairkauf erworben werden können.

Die Handykameras werden in die Höhe gehalten, als 15 junge Frauen und Mädchen mit den individuellen Kleidungsstücken über den Laufsteg flanieren, der Applaus ist jeder von ihnen sicher. "Ich hatte ganz schön Herzklopfen, und die anderen waren auch alle aufgeregt", erzählt Stephanie Cadozo, die an der Katholischen Hochschule (KH) Soziale Arbeit studiert. Für die 31-Jährige ist es der erste Auftritt als Model, auch ihre Mitstreiterinnen, größtenteils ebenfalls Studentinnen der KH und eine Auszubildende des Fairkauf, eines inklusiven Projekts des Caritasverbands Freiburg-Stadt, in dem 70 Menschen beschäftigt werden.

Stephanie Cadozo ist die Initiatorin der Modenschau und diese Teil einer Seminararbeit von ihr und den Mitstudentinnen Svenja Voll, Antonia Wehrle und Anne Immele. Die Vier haben vor einem Dreivierteljahr damit begonnen. Durch ihre ehrenamtliche Mitarbeit hatte Cadozo bereits Kontakt zum Fairkauf an der Friedrich-Neff-Straße und zum Projekt "Fairnäht", das Langzeitarbeitslosen den Weg zurück auf den Arbeitsmarkt erleichtern soll. Vier Frauen, die seit zwei bis vier Jahren keinen Job mehr haben, nähten monatelang die Kleider, Röcke und Zweiteiler. Aus welchen Bestandteilen wie Jeanshosen, Hemden und Krawatten sie zusammengesetzt sind, erklärt Silvia Lange am Rand des Laufstegs, ebenfalls in einem "Einzigware"-Kleid.
Die Verkaufsleiterin des Fairkaufs hat das Projekt betreut. "Ursprünglich sollten es mal 30 Kleider werden, jetzt sind es sogar 54", sagt Lange, "die Frauen haben sich stark verbessert und können stolz auf sich sein." Zwei der vier Schneiderinnen wagen sich am Ende sogar auf die Bühne, holen sich den verdienten Beifall ab. "Vor einem halben Jahr hätte ich sie da noch nicht hochgekriegt."

Stärken entdecken, Talente fördern, Selbstbewusstsein steigern, eine Rückkehr ins soziale Leben und irgendwann auch in die Arbeitswelt – das sind die Ziele von "Fairnäht", sagt Gerhard Wienandts, Caritas-Abteilungsleiter für Arbeit und berufliche Kompetenzen. "Der Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt wird aber leider nicht so schnell erfolgen", sagt Fairkauf-Chef Bernd Schmigall-Doll.

Trotzdem wertet er "Fairnäht" und die Modenschau als großen Erfolg, genau wie Silvia Lange: "Durch die Zusammenarbeit mit den Studentinnen haben die Frauen ihre sozialen Kompetenzen verbessert." Mitgeschneidert hat von den Studentinnen nur Stephanie Cadozo. "Mein Kleid war aber nicht dabei", verrät sie. Sie will es auch nicht verkaufen, während alle anderen Originale in einem Katalog gelistet sind und Geld einbringen sollen. Es ist nicht der wichtigste Aspekt des Projekts.