Notfallkräfte

Freiburger Luftrettung bekommt neuen Rettungshubschrauber

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 25. Januar 2020 um 12:12 Uhr

Brühl

Nach 27 Jahren verabschiedet sich die Freiburger Luftrettung von ihrem alten Helikopter. Das neue Modell soll leistungsfähiger, geräumiger sein und über mehr Hilfssysteme verfügen.

Mehr Leistung, mehr Platz und Ausrüstung, mehr Hilfssysteme, auch für die Crew: Nach 27 Jahren mit dem alten Modell des Christoph 54 ist am Freitag ein neuer Typ des Rettungshubschraubers feierlich an die Station der Luftrettung auf dem Freiburger Flugplatz übergeben worden. Der Hangar ist voll: Notärzte und Sanitäter, Vertreter von Feuerwehr und Bergwacht, von Josefskrankenhaus und Uniklinik, Stadtrat Bernhard Rotzinger, Udo Harter und andere Piloten von Nachbarbetrieben, die Landtagsabgeordneten Gabi Rolland und Patrick Rapp – alle sind da. Nur der Wichtigste fehlt.

"Wir fliegen jetzt ein hochmodernes Modell." Ralf Mewes
Der neue Rettungshubschrauber ist im Einsatz, er musste nach Mannheim – ein Notfall mit einer schwangeren Frau. Die Crew ist auf dem Rückflug, kurz vor Sinsheim, ist auf dem Monitor im Luftretterbüro zu sehen. Erwartete Landung in 30 Minuten. Der Helikopter fliegt bis zu 260 Kilometer in der Stunde. Gut für die Schwerverletzten und schwer Kranken. Der Helikopter kann mehr Gewicht befördern, ist leistungsstärker sowie durch das Gehäuse um den Heckmotor leiser – "und er hat viel mehr Platz hintendrin", sagt Ralf Mewes, der Leitende Notfall-Sanitäter. Kurz: "Wir fliegen jetzt ein hochmodernes Modell."

"Indienststellung des Luftfahrzeugmusters H 145 für den Rettungshubschrauber Christoph 54" nennt die DRF Flugrettung die offizielle Übergabe etwas technisch. "Wir sprechen sehr gerne über Technik", sagt DRF-Vorstand Peter Huber (siehe auch Info). Doch im Zentrum der Arbeit stehe der Mensch. Die Flugrettung betreibt 35 Stationen und erneuert derzeit ihre Flotte, was die Patientenversorgung und Sicherheit verbessere.

Im Jahr über 1300 Notfälle und Intensivpatienten an Bord

Über 1300 Einsätze flog das Team der Freiburger Station vergangenes Jahr – zwei Drittel davon waren Notfälle, ein Drittel Intensivtransporte. "Hinter jedem Einsatz steht ein Schicksal", sagt Huber. Als Michael Broglin, der Geschäftsführer des Flugplatzes, gerade seine weitere Unterstützung zusichert, geht der Rest in Rotorengeräusch unter: Der Hubschrauber landet vor dem Hangar. Die Crew mit Notarzt Frank Koberne ist aus Mannheim zurück. Am Heli ist die neue Seilwinde zu sehen, die zum Beispiel bei der Rettung von Skifahrern oder Wanderern im Schwarzwald hilft. Bergwacht-Chef Adrian Probst spricht bei Weitem nicht nur deshalb von "einer Erfolgsgeschichte für die ganze Region".

Der "größte Abnehmer" der Station ist das Freiburger Uniklinikum, sagt der Ärztliche Direktor Frederik Wenz. In der Uniklinik landen mehrere hundert Notfalltransporte im Jahr, "wo jede Minute zählt". Im Hangar ertönen Pieper. Koberne und seine Kollegen gehen zum Helikopter. Was die Rettungskette anbelangt, seien die Menschen in Südbaden in einer komfortablen Situation, sagt Wenz: "Sie sind rund um die Woche adäquat versorgt." Michael Müller vom St. Josefskrankenhaus lobt die Teamarbeit. Vor den Hangarfenstern wirft der Pilot den Rotor an, und ab geht’s Richtung Osten.

Altes Modell seit 1993 im Einsatz

Der alte Rettungshubschrauber-Typ BK 117 war im Dienst, seit die Station 1993 ihren Betrieb aufnahm, sagt deren Leiter Oliver Barth. Zahllose Einsätze hat der Rettungsdienst damit geflogen, zum Beispiel 2015 am Feldberg Lawinenopfer gerettet und mit riskantem Manöver 2012 einen Schlittschuhläufer aus dem Flückigersee gezogen, erinnert sich Notfallsanitäter Mewes. Etwas wehmütig war er dann schon, als die alte Maschine zum Ersatzhelikopter für die Werft wurde. Aber dann kam sein erster Arbeitstag mit der neuen, erzählt er und lächelt. "Es war super, ich wollte nicht mehr auf den alten Traktor zurück."

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