18. Verhandlungstag

Landgericht ergründet Hussein K.s Straftat auf Korfu: Griechische Ermittler sagen im Mordprozess aus

Carolin Buchheim

Von Carolin Buchheim

Do, 25. Januar 2018 um 09:45 Uhr

Freiburg

Hussein K. wurde 2014 auf Korfu wegen versuchten Mordes und Raub verurteilt. Griechische Beamte haben nun im Mordprozess am Landgericht detailliert von der Tat und den Ermittlungen berichtet.

Fazit
Um drei zentrale Fragen ging es in den Aussagen der Ermittler aus Korfu: Wie genau lief die Tat auf Korfu ab? Welche Angaben machte K. damals zu seiner Person? Wurde Hussein K. vor seinem Geständnis ausreichend über seine Rechte nach griechischem Strafrecht belehrt und stimmte er zu, dass er sich nicht von einem Anwalt beraten lassen wollte? Wie die Tat ablief, schilderten die beiden Ermittler eindringlich, der Film von Staatsanwalt Berger und die Fotos der Ermittler vermittelten einen Eindruck vom Tatort - und welch großes Glück das Opfer Spiridoula C. hatte, als sie den Sturz überlebte.

Klar ist nun auch: Gegenüber den griechischen Behörden gab Hussein K. sich zunächst als 17-Jähriger aus und gab bereitwillig an, er habe sich jünger gemacht.
Ob die griechischen Ermittlungen rechtmäßig durchgeführt wurden, ist nach der Aussage der Ermittler nicht klar – das griechische Strafprozessrecht scheint sich vom deutschen zumindest in Details zu unterscheiden. Eine Gegenüberstellung in einem Krankenhaus mit nur einem Verdächtigen wäre in Deutschland sicherlich sehr ungewöhnlich. Die Frage der Rechtmäßigkeit wäre jedoch wohl primär in einer Revision in Griechenland zu klären – diese wurde im vergangenen September abgewiesen, denn Hussein K. war nicht zur Verhandlung erschienen. Er saß zu diesem Zeitpunkt schon in Südbaden in Haft.

Der Prozess wird am 8. Februar fortgesetzt.
Analyse des 18. Prozesstags: Hussein K. über sein Opfer in Griechenland – "Es war doch nur eine Frau"
Aussage des griechischen Ermittlers Giorgios K.
18.50 Uhr: Auch den zweiten Zeugen bittet die Vorsitzende Richterin Schenk zunächst mit eigenen Worten frei zu erzählen, wie die Ermittlungen auf Korfu abliefen. Der 28-Jährige - Lederjacke, gegelte Haare, moderner kurzer Vollbart - gibt an, dass er der Zuständige für den Fall gewesen und als Vernehmungsbeamter bei allen Vernehmungen anwesend gewesen sei. Er habe am Tattag alle Ermittlungen geleitet, bis der Staatsanwalt involviert worden sei.

"Er hat ihr mit dem Finger vor dem Mund ein Zeichen gegeben, dass sie schweigen solle. Dann warf er sie mit dem Kopf zuerst hinunter." Aussage des Ermittlers zur Tat in Korfu Der Ermittler erzählt, wie er am Tattag das Opfer im Krankenhaus besucht habe, und sich von ihr die Tat und ihre Verletzungen beschrieben ließ. Um 2.20 Uhr am 26.Mai 2013 habe das Opfer eine Bar verlassen, in der sie mit Freunden gefeiert habe und sich auf den Heimweg gemacht. Der Angeklagte sei ihr auf der anderen Straßenseite entgegengekommen, er habe die Gehrichtung gewechselt und sei auf ihre Straßenseite gekommen.

"Sie hat mir gesagt, sie habe Angst bekommen und wollte auf die andere Seite der Straße wechseln", sagt der Ermittler, doch Hussein K. habe sie gepackt, geschlagen und an ihrer Handtasche gezogen. Dabei habe er sie auf den Boden geworfen. Dann sei ein Auto gekommen, sie habe um Hilfe geschrien, er habe sie umgedreht, hochgehoben und mit dem Kopf Richtung Boden über das Geländer gehoben. Er wollte sie herunterwerfen, doch das Opfer hielt sich am Geländer fest und bat ihn, sie nicht zu werfen, doch irgendwann konnte sie sich nicht mehr halten.

"Er hat ihr mit dem Finger vor dem Mund ein Zeichen gegeben, dass sie schweigen solle", sagt der griechische Beamte durch seinen Übersetzer. "Dann warf er sie mit dem Kopf zuerst hinunter." Dem Opfer sei es ...

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