Keine Stadtbau Nr. 2

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 05. Mai 2019

Freiburg

Der Sonntag Wie eine Freiburg-Genossenschaft günstigen Wohnraum erstellen soll.

Stadträte von SPD, FDP und Freien Wählern legen ein Konzept für eine Freiburg-Genossenschaft vor. Initiiert von der Stadt, soll sie als weiterer starker Akteur dazu beitragen, im geplanten Stadtteil Dietenbach die versprochene 50-Prozent-Quote zu erfüllen.

Wenn die Entwicklung der letzten Jahre weitergeht, werden die Deutschen mit der österreichischen Hauptstadt Wien irgendwann nicht mehr Donau, Prater und Stephansdom verbinden sondern nur noch Vorzeigemodelle gegen Wohnungsnot. In Freiburg beispielsweise hoffen jetzt SPD, Freie Wähler und die FDP auf das Neubaugebiet Dietenbach als "Klein-Wien in Freiburg" und versuchen dem mit einem diese Woche vorgestellten Projekt einer "Freiburg-Genossenschaft" näherzukommen. Mit der soll ein weiterer Akteur ins Rennen geschickt werden, der helfen soll, für den Stadtteil Dietenbach die 50 Prozent Sozialwohnungsquote zu erfüllen. "Wir müssen ja glaubwürdig bleiben", sagt SPD-Fraktionschefin Renate Buchen.

Als Berater haben sich die Fraktionen André Heuss ins Boot geholt, der im Vorstand der Genossenschaft Bürgerbauverein München und der Freiburger Bürgerbau AG sitzt und einst das Forum Vauban gegründet hat. Nach dessen Vorstellungen soll die Freiburg-Genossenschaft zuerst einmal funktionieren wie jede ander Wohnungsgenossenschaft auch: Mitglieder zeichnen Anteile und erwerben darüber auch günstigen Wohnraum oder zumindest Anwartschaften auf solchen. "Wir reden hier über dauerhaft bezahlbare Miete", sagt André Heuss. Teile des Geldes könnten sich die Mitglieder beispielsweise aus Förderprogrammen oder Wohnbrauprämen wiederholen, empfiehlt Heuss – "Kleinvieh macht auch Mist". Ob die Einlagen vielleicht gar nach Einkommen gestaffelt werden könnten, darüber denke man nach, hieß es am Donnerstag.

Genossenschaftsanteile zeichnen könnte nach dem Konzeptpapier aber auch eine Solidargemeinschaft der Dietenbach-Befürworter – Sozialverbände, Gewerkschaften, Handwerker – die so zum Gemeinwohl beitrügen, und nebenbei noch eine Kapitalanlage erwerben würden. Und dann – das wäre in der Freiburger Genossenschaftslandschaft völlig neu – könnten regionale Unternehmen Anteile an der Genossenschaft auch als Teil der betrieblichen Altersvorsorge kaufen – und dabei noch Anwartschaften auf Mitarbeiterwohnungen erwerben.

Schließlich soll, auch das wäre neu, die Stadtverwaltung selbst Teil der Genossenschaftsstruktur werden, als professioneller Akteur mit zahlreichen versierten Verwaltungsfachleuten, die den bürokratischen Prozess bei der Gründung der Genossenschaft beschleunigen und drohende Risiken senken könnten. Geld aus dem Haushalt soll es dagegen nicht geben. "Die Stadt initiiert, zieht sich aber dann zurück", sagt Andrè Heuss, "sonst hätten wir ja eine Stadtbau Nummer zwei". Trotzdem soll die Stadt die Kontrolle behalten, um beispielsweise einen Verkauf ausschließen zu können.

Den Bau von mindestens 1000 geförderten oder preisgebundenen Wohnungen erhoffen sich die Initiatoren davon. SPD, Freie Wähler und FDP möchten das Konzept jetzt dem Gemeinderat vorlegen, der soll dann die Verwaltung beauftragen, die Einrichtung einer Freibrug-Genossenschaft zu prüfen. "Ich bin mir eigenlich sicher, dass das eine breite Mehrheit findet", sagt SPD-Fraktionschefin Renate Buchen.