Noch ein Fall von Missbrauch?

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 19. Mai 2019

Freiburg

Der Sonntag In dieser Woche sagen im Entführungsfall Maria H. die ersten Zeugen aus.

Hat Bernhard H. auch seiner Stieftochter sexuelle Gewalt angetan? Im Entführungsfall Maria H. haben diese Woche Angehörige und Freunde ausgesagt.

Die Missbrauchsdarstellungen von Kindern habe er "zu Recherchezwecken für seine Partei" gebraucht: So habe sein Stiefvater ihm erklärt, warum er eine CD mit zahlreichen eindeutigen Nacktbildern besessen habe, sagte der 34-jährige Stiefsohn von Bernhard H. am Freitag als Zeuge im Prozess vor dem Landgericht Freiburg. Der 58 Jahre alte Bernhard H. aus Blomberg in Nordrhein-Westfalen ist der Kindesentführung und des schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt. Er soll im Mai 2013 die damals 13-jährige Freiburgerin Maria H. ihren Eltern entzogen und missbraucht haben. Fünf Jahre blieb Maria H. verschwunden, ehe sie im Spätsommer 2018 plötzlich wieder auftauchte.

Gegen den Angeklagten steht nun also ein neuer Verdacht im Raum. Der ehemalige Landesschatzmeister der "Republikaner" in Nordrhein-Westfalen könnte zudem seine mittlerweile erwachsene Stieftochter im Kindesalter sexuell missbraucht haben. Eine Aussage hierzu im nichtöffentlichen Teil des Verfahrens kam jedoch nicht zustande, weil die Zeugin auf dem Weg in den Gerichtssaal zusammenbrach und ärztlich behandelt werden musste. Ob sie noch vernommen werden kann, ist derzeit offen. Doch auch der Stiefsohn von Bernhard H. deutete den Missbrauch seiner Schwester durch den Angeklagten an. Genau wie die geschiedene Ehefrau von Bernhard H. sagte er ausführlich in nichtöffentlicher Verhandlung aus.

Die Hauptaufmerksamkeit lag am Freitag jedoch auf der Aussage von Monika B., der Mutter von Maria H.: Die Frau berichtete in ihrer 90 Minuten langen Vernehmung ausführlich über die Folgen der Entführung, mit denen sie und ihre Tochter zu kämpfen haben. So leide Maria H. unter Schlafstörungen und habe große Probleme, sich normal zu ernähren. Das habe wohl auch damit zu tun, dass ihre Tochter fünf Jahre lang zusammen mit Bernhard H. fast nur von Wasser und Brot gelebt habe. Sie neige zudem dazu, sich selbst die Schuld und Verantwortung dafür anzulasten, dass sie im Mai 2013 mit dem 40 Jahre älteren Bernhard H. verschwand. Geholfen habe Maria H. zuletzt aber, am Montag dieser Woche vor Gericht gegen Bernhard H. als Zeugin auszusagen. "Ein Riesenschritt" sei das für die junge Frau gewesen, so die Mutter: "Danach hat sie zehn Stunden geschlafen, sie war vollkommen fertig." Sie selbst, so Monika B., habe seit dem Verschwinden ihrer Tochter an Depressionen gelitten. "Keinen Tag und keine Nacht" habe es für sie mehr gegeben. "Ich bin nicht mehr aus der Wohnung raus", sagte B. Irgendwann sei sie an den Punkt gelangt, an dem sie verstanden habe, warum andere Eltern vermisster Kinder Grabsteine errichten: "Man will nur noch, dass es ein Ende hat."

Außerdem sagte auch eine mittlerweile 19 Jahre alte Schulfreundin Maria H.s am Freitag vor Gericht aus. Die junge Frau blieb in vielen Details vage und machte Erinnerungslücken geltend: "Ein- oder zweimal" habe sie Bernhard H. zusammen mit Maria H. getroffen, so die Zeugin. Beste Freundinnen seien sie damals gewesen. Der Angeklagte sei von Maria H. als "der Lisa" oder "der Ella" bezeichnet worden. Sie selbst habe als Maria H.s Alibi fungiert, als diese sich mit dem Mann in einem Hotel traf. Daheim habe sich ihre Freundin "nicht wohl gefühlt", ihre Mutter habe ihr "viel verboten". Am Donnerstag geht der Prozess mit der Vernehmung weiterer Zeugen weiter.