BZ-Ferienaktion

Professoren und Partikel: Ein Besuch an der Kinder-Uni

Julia Littmann  und Rita Eggstein

Von Julia Littmann (Text) und Rita Eggstein (Fotos)

Fr, 22. August 2014

Freiburg

BZ-FERIENAKTION: Mit der Kinder-Uni waren Lernwillige zwischen acht und zwölf zu Gast beim Forschungsprojekt Biocombust.

Ameisen sind ziemlich klein, ruft ein Kind in den Hörsaal. Schon gar im Verhältnis zu Elefanten, ruft ein anderes. Noch viel, viel kleiner als die kleinste Ameise aber sind die allerwinzigsten Teilchen, die in der Luft rumschwirren. Professor Reto Gieré nennt sie Partikel. Im Hörsaal I seines Instituts für Geo- und Umweltnaturwissenschaften sitzen mitten in den Ferien fast 50 Studierende. Anders als sonst sind diese Lernwilligen im übrigen auch ziemlich klein. Zum ersten Mal nämlich ist eine BZ-Ferienaktion für Kinder eine waschechte Kinder-Uni.

Lernen wie die Großen, das heißt auch: Eltern müssen draußen bleiben. Die nicken verständnisvoll: Klar, die normalen Studenten kommen ja auch nicht mit ihren Eltern zur Vorlesung. Also rücken die Kinder in den Hörsaalbankreihen zusammen und werden von Sophia Noz begrüßt: "Wolltet ihr eigentlich alle immer schon mal Uni-Luft schnuppern?" Naja, alle wohl nicht. Aber nun tun sie’s und warten gespannt auf den Professor. Was tut denn ein Professor so? "Er forscht zu dem Gebiet, in dem er sich auskennt!" – Und das Gebiet, auf dem sich Professor Reto Gieré auskennt, sind die kleinsten Teilchen, die Partikel, die in der Luft herumschwirren. Luft kennen alle. Und in der Luft waren auch schon fast alle einmal unterwegs. Aber nur wenige melden sich, als Reto Gieré fragt, aus was Luft besteht. Sauerstoff und Stickstoff. Und noch ein paar andere Stoffe.

Und in diesem ganzen Mix sind eben auch noch die Teilchen. Staub, Asche, Pollen, Sand, den Kindern fallen lauter winzige Sachen ein. "Und Smog", ergänzt der achtjährige Thomas Herrel, "der kommt ganz viel in China vor!" Richtig. Und Reto Gieré hat gleich auch noch das passende Bild für die Projektion: Schanghai hinter einem dichten grauen Smogschleier. Wie viele Menschen leben eigentlich dort? Keiner rät’s. 20 Millionen! Fabian Metzger hatte schon die Idee, dass es sehr, sehr viele sind, aber so viele? Der Zehnjährige aus Ebringen muss an diesem Vormittag wie alle anderen Kinderstudentinnen und -studenten ganz schön viel mit Zahlen jonglieren. Besonders wichtig für das Wissen über die kleinsten Teilchen: Die Größenverhältnisse verstehen. Und so heißt auch die Vorlesung von Reto Gieré: "Wie klein ist klein?" Denn diese Partikel in der Luft sind so dermaßen winzig, dass man sie mit bloßem Auge nicht sehen kann. Höchstens wenn ganz viele dieser Partikel auf einmal in der Luft sind. Dann sind sie als Sandsturmwolke auf dem Satellitenbild zu sehen. Oder als Schleier vor Riad. Riad? Wo ist das? In Texas? In Brasilien? Nein, erklärt Reto Gieré, es ist die Hauptstadt von Saudi Arabien.

Damit sich alle vorstellen können, wie klein so ein kleines Teilchen ist, hat sich der Professor etwas Schlaues einfallen lassen. Auf der Leinwand zeigt er ein Schaf. Das ist einen Meter groß. Manche Partikel in der Luft sind nur einen Mikrometer klein. Wieviel mal größer ist das Schaf? Fabian Metzger meldet sich sofort: "Eine Million mal größer!" Pffff, macht’s ringsherum, Wahnsinn! Ein Schaf ist eine Million mal so groß wie ein Staubkörnchen! Zu sehen ist so ein Winzling nur unter dem Mikroskop, versteht sich, riesig vergrößert. So sieht sogar ein Staubkörnchen aus wie ein Kunstwerk, kugelig oder stachelig schön. Solche Partikel sind in der Luft, weil Holz verbrannt wird, sagt Reto Gieré, oder auch Kohle oder Pellets. Er untersucht mit seinem Team, was diese Partikel in der Lunge machen. Atmen wir sie ein und wieder aus? Einige setzen sich in die Lungenzellen. "Wie beim Rauchen?" Ja, beim Rauchen ist das auch so: "Deshalb ist Rauchen eine ganz schlechte Idee, macht das nicht!" Viel gelernt haben die jungen Lernwilligen – und klopfen am Ende auf die Tische. Wie die Großen.

Ein ganz Großer tapst da noch in den Hörsaal: BZetti, der alles verpasst hat. Nun bekommt er von den Kindern eine Zusammenfassung. Christian Schneider – im Mario Götze-Trikot – berichtet, dass ein Schaf eine Million mal größer ist als ein Staubkorn. Und solche Staubkörner können sich dann alle zusammen mit dem Professor und mit BZetti noch durch richtige Mikroskope anschauen.

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