Rousseau und Arbeitslose

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Sa, 20. Februar 2010

Freiburg

Philosophische Cafés bieten ihren Besuchern mehr als eine Plattform der Selbstdarstellung.

Mit Aristoteles geht’s los. Bei Max Horkheimer und Theodor Adorno kommen sie diesmal aber nicht wie geplant an: Jean-Jacques Rousseau ist schuld, an dem beißen sich alle fest. Klingt einschüchternd? Ganz im Gegenteil. Im philosophischen Café mit Nils Adolph muss niemand mit Philosophennamen um sich werfen oder sich durch lange, trockene Texte quälen. Hier haben alle was zu sagen: In Debatten über Beamte und Arbeitslose, Natur und Kultur. Lauter Themen der "richtigen" Philosophen – und mitten aus dem Leben.

Sind heutige Staatsbeamte moderne Sklaven? Oder sind sie Herrscher, die mit ihren strikten Regeln andere versklaven? Oder beides gleichzeitig – "und das hoch honoriert" und sehr privilegiert, wie jemand kritisch anmerkt? In einem dagegen sind sie sich einig: Den modernen Arbeitslosen fehlt das Marxsche Klassenbewusstsein. Sie ziehen sich in ihre individuelle Situation zurück und fühlen sich dafür verantwortlich, statt sich als Gruppe innerhalb einer gesellschaftlichen Entwicklung zu begreifen.

Klassenkämpfe gibt’s auch ohne dass die Beteiligten

sich ihrer bewusst ...

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