Blutspende

So kann man drei Leben in 15 Minuten retten

Antonia Stille

Von Antonia Stille

Sa, 14. April 2018

Freiburg

Warum spenden so wenige Menschen Blut? Bei vielen ist es wohl die Angst vor dem Einstich, möglichen Nebenwirkungen oder schlicht die fehlende Zeit. Dabei soll die Spende schnell gehen, unkompliziert und (fast) schmerzfrei sein. Ein Selbstversuch.

FREIBURG-STÜHLINGER. Spenden könnten fast alle und trotzdem geben nur etwa drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig von ihrem Blut ab. Woran liegt das? Bei vielen ist es wohl die Angst vor dem Einstich, möglichen Nebenwirkungen oder schlicht die fehlende Zeit. Dabei soll die Spende schnell gehen, unkompliziert und (fast) schmerzfrei sein. Ein Selbstversuch.

Die Nadel ist etwas dicker als beim Blutabnehmen, aber trotzdem spürt man es kaum, wenn sie in die Haut sticht. "Das Blut muss Platz zum fließen haben, sonst dauert es ewig", sagt Markus Umhau, ärztlicher Leiter der Spendezentrale. Neben einer der blauen Liegen im klinikeigenen Spenderaum sitzt er und erklärt, was gerade passiert. Ein halber Liter läuft aus der Armbeuge direkt in den Transfusionsbeutel – etwa zehn Prozent des Bluts, das das Herz durch den menschlichen Körper pumpt und ohne Probleme neu gebildet werden kann. Man könnte sogar die Hälfte der roten Flüssigkeit abgeben – "völlig ungefährlich", meint Umhau.

Trotzdem geht die Uniklinik auf Nummer sicher, denn manche Patienten reagieren mit Kreislaufproblemen auf die Blutentnahme. Das sei aber der Ausnahmefall und leicht zu beheben: "Sofort hinlegen und Beine nach oben. Dann sollte es schnell wieder gehen." Der Grund ist die Verringerung der Blutmenge. Um dem vorzubeugen, können Patienten sich auch eine Kochsalzinfusion nach der Blutentnahme wünschen, um das Volumen künstlich wiederherzustellen: Einfach die Beutel umstöpseln, dann bleibt der Kreislauf stabil. "Die Gesundheit der Spender geht vor", betont der Arzt.

Zirka 16 000 Menschen kommen jedes Jahr in das Haus Langerhans, um Blut abzugeben. Die Klinik wünscht sich aber fast doppelt so viele, um alle Menschen mit Krebs, Unfallopfer und OP-Patienten zuverlässig und ohne Hilfstransfusionen vom DRK versorgen zu können. Jeder und jede zwischen 18 und 68 Jahren kann spenden, außer wenn Erkrankungen wie HIV, Hepatitis oder Diabetes vorliegen. Warum trotzdem so wenige kommen? "Die Menschen brauchen einen konkreten Anlass", vermutet Markus Umhau.

Einen solchen Anlass will die Uniklinik jetzt schaffen: Unter dem Titel "Blutspendemeisterschaft vor Weltmeisterschaft" ruft sie Firmen, Vereine und auch Freundesgruppen oder Familien ab heute, Samstag, auf, in Teams gegeneinander anzutreten. Das Prinzip ist einfach. Welche Blutspendemannschaft bis zum 9. Juni am meisten Blut in der Klinik lässt, gewinnt einen Pokal und 500 Euro. Alexander Ewerhardt ist auch mit dabei. Er war vor einem Jahr noch Leukämie-Patient im Uniklinikum und hat deshalb regelmäßig Bluttransfusionen bekommen: "Ohne die Spender wäre ich heute nicht mehr hier."

Fürs Leben retten muss man nicht tapfer sein: Das einzig Unangenehme an der Spende ist der Piks in den Ringfinger, um den Eisenwert im Blut zu überprüfen. Außerdem geht es schnell: Beim ersten Mal gibt es ein Vorgespräch, um über mögliche Nebenwirkungen aufzuklären und den aktuellen Gesundheitszustand zu überprüfen. Dann dauert es nur 15 Minuten und schon ist man um einen halben Liter Blut leichter, das danach in Plasma, Plättchen und Erythrozyten-Konzentrat aufgeteilt wird – so kann man drei Menschen auf einmal vor dem Tod bewahren. Einfach so zwischendurch.

Blut spenden kann man montags und dienstags, 8 bis 15 Uhr, mittwochs und donnerstags, 12 bis 19 Uhr, freitags und samstags, 8 bis 13 Uhr, im Haus Langerhans in der Uni-Klinik, Hugstetter Straße 55.