"Solidarität rockt einfach!"

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Sa, 04. Mai 2019

Freiburg

Straßenschule, Arbeitsloseninitiative Friga und antifaschistischer Motorradclub bekommen Preis.

FREIBURG. Den Antrag auf Gemeinnützigkeit für die Guzzoni-Federer-Stiftung lehnte das Finanzamt zunächst ab: Der Stiftungszweck "Solidarität" sei nicht gemeinnützig. Hendrijk Guzzoni erntet mit diesem Bericht einen Riesenlacher bei der diesjährigen Verleihung des Berndt-Koberstein-Preises für Solidarität. Im voll besetzten Gewölbekeller der Elisabeth-Schneider-Stiftung fragt man laut: Was nützt der Gemeinschaft mehr als Solidarität? Die Gemeinnützigkeit kam dank Umformulierung – am Donnerstag ging der Preis an drei bewährt solidarische Unternehmungen.

Der achte Koberstein-Preis ist der erste, den die Stiftung verleiht. Pia Federer und Hendrijk Guzzoni moderierten durch den Abend, beglückwünschten die Ausgezeichneten. 5000 Euro gingen an die Freiburger Straßenschule, die sich seit 22 Jahren der Jugendlichen annimmt, die an den Rand geraten sind, wie der Theologe Dirk Oesselmann in der Laudatio sagt: "Sie hören die, die man sonst nicht hört, und unterstützen sie, damit sie sich neu im Leben aufstellen können." Er mahnt, die Qualität eines Gemeinwesens erweise sich da, wo die die Menschen am Rand wahrgenommen und gewürdigt werden – die Straßenschule tue das und sei deshalb "so wichtig für unsere Stadtgesellschaft".

Jess Jochimsen war Laudator für die Arbeitsloseninitiative Friga, die seit 36 Jahren Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen und Arbeitslosigkeit unterstützt – "gegen die andauernde Kultur der Demütigung". Die beginne auch hier mit nicht wahrnehmen, so Jochimsen. In alten Studienblättern fand er Tipps für den guten Smalltalk – über tolle Reisen, abgefahrene Restaurants und super Hobbys: "Im Uni-Kosmos kam nicht vor, dass einer keine Arbeit hat." Große Anerkennung also für die Friga, die zeige, was Freundschaft sei, zum Beispiel mit dem Angebot "Keiner geht allein aufs Amt".

Kuhle Wampe, der antifaschistische Motorradclub, der oft schon sichtbar war in dieser Stadt, bekam den Ehrenpreis verliehen. Maxi Schneider vom Linken Zentrum gab einen Überblick über Historie und jüngere Vergangenheit: Kuhle Wampe als Berliner Zeltplatz für die nicht Privilegierten, Filmtitel auch und Metapher für den Widerstand gegen Rechts und Entrechtung. In Freiburg blockierten 200 solidarische Biker von Kuhle Wampe mit ihren Motorrädern den Hinterausgang des Bahnhofs, als die NPD 2002 in Freiburg aufmarschieren wollte.

Sehr passend zu diesen und den anderen Preisträgern: Der ungewöhnlich manifeste musikalische Sound dieser Preisverleihung. Die Freiburger Band Bar rockte die Veranstaltung mit punkig kantiger Musik. Kommentar eines Gastes: "Das passt super – Solidarität rockt einfach!"