Glosse

Warum Glühwein im Mittelalter als Allheilmittel galt

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 21. November 2019 um 12:16 Uhr

Freiburg

Mit dem Weihnachtsmarkt beginnt die Glühweinzeit: Die Geschichte des Getränks beginnt im Mittelalter. Schmerzmittel für den Tag danach, gab es damals nicht. Das Getränk galt trotzdem als Wundermittel.

Und wer hat’s erfunden? Die Römer! Vor rund 2000 Jahren erschien das Kochbuch "Conditum Paradoxum". Dessen Autor Apicius darf sich dafür feiern lassen, dass er das erste Glühwein-Rezept niedergeschrieben hat. Er empfahl die Veredelung des Weines mit Nelken, Zimt, Lorbeer, Koriander, Thymian, Muskat, Macis und Piment. Die römischen Weinfreunde nutzten die Gewürze, um die Haltbarkeit des Weins zu verlängern und den sauren Geschmack zu überdecken.

Gute Stimmung und Glücksgefühle

Leider wissen wir nicht, wie es Glühweinerfinder Apicius mit seinem Rezept ergangen ist – zumal er am Tag danach ja nicht so einfach mit einer Ibuprofen 500 gegensteuern konnte. Den Menschen im Mittelalter galt der gewürzte Wein übrigens als Allheilmittel – wegen der in den Gewürzen enthaltenen ätherischen Ölen. Nelken sollen verdauungsfördernd und antibakteriell wirken, Kardamom appetitanregend, Zimt wiederum hilft gegen das Völlegefühl und kann, obacht, aphrodisierend wirken. Die komplette Gewürze-Kombo wiederum sorgt für gute Stimmung und Glücksgefühle, heißt es in der Geschichte des Glühweins, welche die Winzergenossenschaft Herxheim in der Pfalz für uns zusammengetragen hat. Wie gut der Glühwein als Heilmittel wirken kann, hängt natürlich sehr stark von der gewählten Dosis ab. Fügen wir sicherheitshalber mal hinzu. Einen schönen Weihnachtsmarkt allerseits!