Geschichte

Wie Freiburg vor 115 Jahren am Krieg gegen China teilnahm

/ Von Heiko Wegmann

& Von Heiko Wegmann

Fr, 10. April 2015

Freiburg

Mit dem Stadtbezirk Shinan der chinesischen Stadt Qingdao unterzeichnete Freiburg 2012 einen Kooperationsvertrag. Was heute kaum jemand weiß: Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte in Freiburg eine rassistische, antichinesische Stimmung. Grund war die kolonialistische Ostasienpolitik des deutschen Reiches, die in einen Krieg mündete – beteiligt waren auch Freiburger Soldaten.

Zu einem denkwürdigen Spektakel kam es im August des Jahres 1900 am Waldsee. Für das Sommerfest der "Harmoniegesellschaft" war an einem Seeufer ein Stück chinesischer Befestigungsanlage errichtet worden. Auf dem See bewegte sich eine kleine Flottille hin und her, und die Kapelle des Infanterie-Regiments spielte auf.

Vom anderen Seeufer aus wurde nun die chinesische Befestigung "unter Kanonendonner und prasselndem, leuchtendem Kugelregen in Brand geschossen", wie es in der Freiburger Zeitung hieß: Als der Bau in Flammen aufging, sei das Urteil über dieses Meisterstück der Feuerwerkskunst einstimmiges Lob gewesen.

Doch was da passierte, war nicht nur ein harmloses Feuerwerk. Es war Ausdruck einer allgemeinen rassistischen, antichinesischen Stimmung, die in Freiburg und im ganzen Reich weite Teile der Bevölkerung ergriffen hatte.

Begonnen hatte alles im November 1897. Damals besetzten deutsche Marineeinheiten das Dorf Qingdao in der Bucht von Jiaozhou im Osten der heutigen Volksrepublik China. Im März 1898 unterzeichnete China einen aufgezwungenen "Pachtvertrag" auf 99 Jahre für ein Gebiet von 552 Quadratkilometern. In Qingdao wurde das deutsche Ostasiengeschwader stationiert, das die Handelswege im chinesischen Meer und den Kolonialbesitz im Südpazifik kontrollierte. An den letzten Kommandeur erinnert heute in Freiburg die Admiral-Spee-Straße im Quartier westlich der Merzhauser Straße. Außerdem war in Qingdao ein Bataillon Marine-Infanterie stationiert, ...

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