Jetzt mehr als 1000 Impfungen am Tag

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 15. Januar 2021

Freiburg

Freiburger Zentrum auf der Messe erhöht Kapazitäten: Mit dem Zwei-Schicht-Betrieb soll es nächste Woche mehr Termine geben.

. Das Freiburger Impfzentrum hat auf der Messe und durch fünf mobile Impfteams in Heimen der Region gestern erstmals mehr als 1000 Menschen an einem Tag geimpft. Die Kapazität wird weiter nach oben gefahren, nächste Woche startet der Zweischichtbetrieb. Dann werde es noch mehr Termine geben, so Impfzentrumsleiter Frank Uekermann. Gestern hat Minister Manfred Lucha das Zentrum besucht, das im Land "Leuchtturmcharakter" habe, so Lucha. Seit gestern wird auch das Moderna-Vakzin verimpft.

Bis zum Mittwochabend sind durch das Freiburger Zentrum 8000 Impfwillige immunisiert worden. Am Donnerstag kamen weitere 1250 hinzu. Durch eine neue Lieferung an Impfstoff konnte die Kapazität nach oben gefahren werden. "Wir werden von kommender Woche an 7000 bis 8000 Impfungen pro Woche schaffen", sagte Impfzentrumsleiter Uekermann gestern beim Besuch des baden-württembergischen Sozialministers Manfred Lucha. Seit diesem Donnerstag wird im Freiburger Zentrum neben dem Biontech-Impfstoff auch das Präparat von Moderna eingesetzt. "Bei der Handhabung gibt es Unterschiede zwischen den Stoffen", erklärte Professor Martin Hug, Chefapotheker des Uniklinikums: Während die Apothekenteams den Biontech-Stoff in der Messe erst verdünnen müssen, kommt die Moderna-Variante verbrauchsfertig an. 1440 Dosen des zweiten zugelassenen Impfstoffs hat das Freiburger Zentrum geliefert bekommen.

Im "Außendienst" waren am schneereichen Donnerstag auch fünf mobile Impfteams unterwegs – gefahren vom Technischen Hilfswerk und von der Bergwacht mit Allrad-Fahrzeugen. Der Einzugsbereich des Freiburger Impfzentrums umfasst auch den Hochschwarzwald und reicht bis an den Bodensee.

Vor dem Rundgang gab es von Minister Lucha viel Lob für das Impfzentrum. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer begrüßte, dass man bei Organisation und Aufbau der Einrichtung einen "Freiburger Weg" gewählt habe, etwa mit einem Schichtmodell, das eng an das Modell der Uniklinik angelehnt sei. Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) freute sich über die steigende Menge an Impfdosen: "Wenn wir mehr Impfstoff haben, legen wir noch eine Schippe drauf." Frederik Wenz, der Leitende Ärztliche Direktor der Universitätsklinik, verwies darauf, dass der stufenweise Start des Zentrums sinnvoll gewesen sei. 80 Prozent der bislang Geimpften kamen aus der Gruppe der Über-80-Jährigen, die übrigen 20 Prozent entfielen auf Mitarbeitende in Kliniken und Pflegeheimen. Und: Nach 8000 Impfungen habe es bislang in keinem einzigen Fall Nebenwirkungen gegeben, so Wenz.

Neue Termine waren nach nur fünf Minuten ausgebucht

Das größte Problem bleibt nach wie vor der zu knappe Impfstoff – das sorgt für großen Frust bei vielen Über-80-Jährigen, die zur Gruppe mit Priorität eins zählen, aber per Telefon oder Internet noch keinen Termin ergattern konnten. "Ich kann mit dem Computer umgehen, aber das Anmeldeverfahren ist viel zu kompliziert", kritisierte etwa der 91 Jahre alte BZ-Leser Alwin Fuchs aus dem Freiburger Stadtteil Zähringen das Prozedere. Minister Lucha sagte, dass die Kapazitäten bei der Hotline unter der Nummer 116117 aufgestockt worden seien. "Es gibt nur noch Wartezeiten von rund einer Minute, dann sollte jemand das Gespräch annehmen", so Lucha. Der limitierende Faktor sei weiter der Impfstoff. In den nächsten Wochen soll an alle Haushalte eine Bürgerinformation mit Details zu Impfterminen verschickt werden.

Die Nachfrage nach der Impfung ist ungebrochen hoch. Als diese Woche neue Impftermine für das Freiburger Zentrum ins System eingepflegt wurden, seien diese innerhalb von nur fünf Minuten ausgebucht gewesen, so Frank Uekermann. Von Mitte kommender Woche an würden auf jeden Fall mehr Termine angeboten werden können – dann geht das Impfzentrum auch in den Zweischichtbetrieb über.

Die Impfung selbst vor Ort läuft schnell und reibungslos. In knapp zehn Minuten erledigte Adolf Götzberger (94) den Weg von der Registrierung bis zum Pieks in den Oberarm in der Kabine. "Den Termin hatte ich im Pyjama am frühen Morgen des 27. Dezember übers Internet gebucht – es ging ohne Probleme", berichtet Ehefrau Ursula Götzberger.

Impftermine gibt es nur mit Voranmeldung. Diese erfolgt telefonisch über die zentrale Nummer Tel. 116117 oder über das Internet unter http://www.impfterminservice.de