10.000 Euro

Freiburger Kinderarzt bekommt Forschungspreis des Fördervereins für krebskranke Kinder

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Mo, 15. April 2019 um 12:42 Uhr

Freiburg

Friedrich G. Kapp findet heraus, dass Stammzellen bei Fischen einen Sonnenschutz besitzen. Mit dem Preis will er weiter forschen – und mit seinen Erkenntnissen krebskranken Menschen helfen.

Dass Kinder, die an Leukämie erkranken, immer bessere Heilungschancen haben, ist auch Menschen wie dem Freiburger Kinderarzt und Wissenschaftler Friedrich G. Kapp zu verdanken. "Beharrlich und visionär" hat er sich laut Bernd Rendler vom Vorstand des Fördervereins für krebskranke Kinder der Stammzellforschung verschrieben. Dafür wurde ihm am Samstag der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis des Fördervereins verliehen.

Sonnenschutz für die Stammzellen bei Zebrafischen

Seine drei kleinen Töchter lieben es, ihren Vater ins Labor zu begleiten: "Fische anschauen" heißt der Programmpunkt für sie. Wie für viele Forscherkollegen sind Zebrafische auch für Friedrich G. Kapp ein bevorzugter Modellorganismus. Gleichen deren Gene doch zu 70 Prozent denen des Menschen. Sogar 80 Prozent der Gene, die beim Menschen Erkrankungen auslösen, gibt es auch beim Zebrafisch. Und: Die bereits zwei Tage nach der Befruchtung geschlüpften Larven, die schon fünf Tage später alle lebenswichtigen Organe ausgebildet haben, sind fast vollständig transparent. Sie gewähren unter dem Mikroskop Einblicke in ihr Innerstes, ohne dass man sie aufschneiden muss.



Friedrich G. Kapp wollte so herausfinden: Was brauchen Stammzellen an Schutz und Unterstützung, damit sie ordnungsgemäß arbeiten können? Er wollte also die Aktionen zwischen Stammzellen und den sie umgebenden Zellen beobachten. Und stieß auf ein überraschendes Hindernis: Farb- oder Pigmentzellen versperrten ihm die Sicht auf die Niere, in deren Mark die Stammzellen bei Fischen verortet sind. Das brachte ihn auf eine originelle Idee: Handelte es sich um eine Art Sonnenschutz für die empfindlichen Alleskönner, die zuständig sind fürs Spezialisieren und Reparieren von Gewebe? Und was passiert, wenn ihnen dieser Schutz entzogen wird? Kapp probierte es aus und stellte fest: Wurden Blutstammzellen ohne schützende Pigmentschicht UV-Strahlung ausgesetzt, war ihre DNA anschließend um über 50 Prozent mehr geschädigt als eine Vergleichsgruppe mit "Sonnenschirm".

Regenwaldfrösche bringen neue Erkenntnisse

Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnten Kapps Forschung nichts abgewinnen und verweigerten Fördermittel. Erst die deutsche Krebshilfe ließ sich vom Potential des Ansatzes überzeugen und ermöglichte dem jungen Forscher einen zweijährigen Forschungsaufenthalt in Boston. Dort nahm er sich weitere Fische vor, vom Wels bis zum Stör, und fand bestätigt: "Alle hatten einen Schutzschirm um die Niere."

Neue Erkenntnisse brachten die Regenwaldfrösche: Solange sie als Kaulquappen im Wasser lebten, waren die Stammzellen in der Niere. Gingen sie als fertige Frösche mit einem Knochengerüst an Land, wanderten die Stammzellen ins Knochenmark, eine andere Art von Sonnenschutz für die landlebenden Tiere. Im vergangenen Jahr konnte der 36-Jährige seine Forschungsergebnisse im renommierten Fachblatt "Nature" publizieren.

Preisgeld soll der weiteren Forschung dienen

Neben der Forschung ist der in Berlin geborene und zeitweise in Freiburg aufgewachsene Mediziner ganz nah an seinen Patienten am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik, wo er 2018 seine Facharztprüfung ablegte und sich nun zum Kinderonkologen weiterbildet. Und wo er weiter forscht, vorzugsweise mit menschlichen Geninformationen, die er im Zebrafisch nachbaut. Wie entsteht fehlerhaftes Verhalten von Zellen, so dass sie zu Leukämiezellen mutieren? Mit welchen Medikamenten lässt es sich stoppen und so die Zeit überbrücken, bis ein Knochenmarksspender gefunden ist?

Der Forschungspreis soll der Fortsetzung seiner Arbeit dienen. Der alle zwei Jahren vergebene Forschungspreis des Fördervereins für krebskranke Kinder wurde jetzt zum zweiten Mal vergeben. Das Preisgeld entstammt übrigens nicht dem allgemeinen Spendenaufkommen, sondern wird privat von Kuratoriumsmitgliedern gestiftet. Diesmal vom Fernsehproduzenten Werner Kimmig anlässlich seines 70. Geburtstags.