Gesundheitsversorgung

Freiburger Uniklinik übernimmt Herzzentrum Bad Krozingen

Hans-Peter Müller

Von Hans-Peter Müller

Fr, 15. Mai 2020 um 16:10 Uhr

Bad Krozingen

Die Freiburger Uniklinik übernimmt das Bad Krozinger Herzzentrum komplett. So soll die wegen der Corona-Krise in Schwierigkeiten befindliche Einrichtung gerettet werden – samt der Arbeitsplätze.

Nach erheblicher Verunsicherung in der Stadt Bad Krozingen und bei den rund 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kam am Freitag die Entwarnung: Das durch die Corona-Pandemie finanziell in Schieflage geratene Universitäts-Herzzentrum Freiburg – Bad Krozingen (UHZ) ist gerettet. Die Mitarbeiter sollen keine Einbußen erleiden.

Das Land Baden-Württemberg sowie die beiden Gesellschafter der UHZ GmbH, das Universitätsklinikum Freiburg und der Verein Benedikt Kreutz Rehabilitationszentrum für Herz- und Kreislaufkranke Bad Krozingen (BKeV), haben eine Absichtserklärung geschlossen. Das teilte das Wissenschaftsministerium in Stuttgart mit.
Die Absichtserklärung der Gesellschafter

Die beiden Gesellschafter der UHZ GmbH haben sich in einer Absichtserklärung auf folgende Rahmenbedingungen geeinigt:
  • Der Gesellschafter BKeV beabsichtigt, sämtliche von ihm an der UHZ GmbH gehaltenen Geschäftsanteile und den Geschäftsbetrieb der UHZ GmbH auf das Universitätsklinikum Freiburg zu übertragen.
  • Das Universitätsklinikum Freiburg wird gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der UHZ GmbH eine Beschäftigungsgarantie aussprechen.
  • Das Universitätsklinikum Freiburg sichert die Erhaltung und den Fortbetrieb beider Standorte der bisherigen UHZ GmbH, nämlich Freiburg und Bad Krozingen, zu. Der Standort Bad Krozingen als kardiovaskuläres Schwerpunktzentrum soll gesichert werden.

Demnach beabsichtigt der BKeV, sämtliche Geschäftsanteile und den Geschäftsbetrieb am UHZ auf die Uniklinik Freiburg zu übertragen. Diese gibt den Mitarbeitern des UHZ im Gegenzug eine Beschäftigungsgarantie. Erhalt und Fortbetrieb beider Standorte der UHZ GmbH seien gesichert. So soll der Standort Bad Krozingen mit seinen 424 Planbetten und jährlich 22 000 Operationen als kardiovaskuläres Schwerpunktzentrum dauerhaft gesichert werden. Über zentrale Details der Vereinbarung wie die Frage, bis wann die Beschäftigungsgarantie gelten soll, schweigen sich die Beteiligten aus.

"Ich freue mich, dass das renommierte UHZ damit eine langfristige Perspektive bekommt." Ministerin Theresia Bauer
Ministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte: "Ich freue mich, dass das renommierte UHZ damit eine langfristige Perspektive bekommt. Damit kann das UHZ auch weiter einen bedeutenden Anteil an Forschung und Lehre im kardiovaskulären Bereich leisten." Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) meinte: "Die nun angelegte Struktur ist ein gut gebautes und solides Fundament für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des UHZ. Mitten in der Corona-Krise ist dies ein positives Signal an die Stadt Freiburg und an den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald."

Frederik Wenz, der leitende Ärztliche Direktor der Uniklinik, sagte: "Das UHZ hat sich medizinisch, wissenschaftlich und auch finanziell bis Februar 2020 gut entwickelt. Mit den jetzt vereinbarten Punkten können wir den aktuell finanziellen Abwärtstrend rechtzeitig stoppen und sämtliche Arbeitsplätze sichern. Keiner der Beschäftigten muss finanzielle Einbußen hinnehmen."

Bürgermeister ist erleichtert

Der Vorstandsvorsitzende des BKeV und Bürgermeister der Stadt Bad Krozingen, Volker Kieber, sowie dessen Stellvertreter und langjähriger Geschäftsführer des Herzzentrums, Bernhard Grotz, brachten ihre Erleichterung über das positive Signal für die Beschäftigten in Bad Krozingen zum Ausdruck: "Mit der erarbeiteten Absichtserklärung haben wir eine tragfähige Grundlage geschaffen, die es uns ermöglicht, mit der Uniklinik Freiburg in faire Verhandlungen zu treten, um auch für den BKeV eine zukunftsfähige Basis zu schaffen."

Im Gespräch mit der Badischen Zeitung ergänzte Kieber, dass der BKeV die Liegenschaften des Herzzentrums keineswegs an die Uniklinik "verschenke", sondern eine gute strukturelle Lösung ausgearbeitet werde, die das Herzzentrum als künftige Anstalt des öffentlichen Rechts vor Insolvenz schütze. Auch der Bestand des Vereins sei damit gesichert. Dieser betreibt neben dem Herzzentrum unter anderem die große Bad Krozinger Reha-Einrichtung Theresienklinik und eine Pflegeschule.

Die nun vereinbarten Eckpunkte müssen noch vertraglich ausgearbeitet und von den Gremien genehmigt werden. Kieber sieht "die bislang eingezogenen Leitplanken aber schon so hoch, dass die weiteren Verhandlungen zu einem guten Ergebnis kommen werden".
Hintergrund

Mit mehr als 22.000 stationären Patienten pro Jahr, 424 Planbetten und etwa 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Universitäts-Herzzentrum Freiburg in Bad Krozingen eines der bundesweit größten Herz-Kreislaufzentren. Das UHZ ist 2012 aus der Fusion des Herz-Kreislaufzentrums des Universitätsklinikums Freiburg und des Herz-Zentrum Bad Krozingen als gemeinsames Universitäts-Herzzentrum hervorgegangen.