Adieu statt Ahoii

Freiburger Veranstalter wollen nicht mehr in der Passage46 feiern

Bernhard Amelung

Von Bernhard Amelung

Mo, 25. März 2019 um 12:32 Uhr

Freiburg

Viele Freiburger Nachtmacher haben sich aus der Passage46 zurückgezogen. Sie bemängeln eine fehlende Kommunikation mit den Verantwortlichen vor Ort. Eine erste Bestandsaufnahme.

Hunderte Gäste tanzten seit November 2017 einmal im Monat beim Ahoii-Club in der Passage46. Discjockeys aus Freiburg, aber auch angesagte Künstler wie Jakob Häglsperger alias Kalipo, Mitglied der Elektropunk-Band Frittenbude, spielten elektronische Clubsounds. Damit ist jetzt Schluss.

Mitte März haben Alexander Hässler, 39, und Moritz Oehler, 30, bekannt gegeben, dass sie sich räumlich verkleinern werden. Ihre Partyreihe Ahoii-Club werde fortan im Great Räng Teng Teng in der Grünwälderstraße stattfinden. Als Grund für diesen Ortswechsel gibt Hässler einen steigenden Zeitaufwand an – und eine mangelhafte Kommunikation mit den Verantwortlichen vor Ort.

Veranstalter bemängeln fehlende Kommunikation

"An den Abenden unserer Party war die Passage46 immer öfter doppelt belegt, mal mit Workshops, mal mit einem Impro-Theater. Darüber hatte uns niemand informiert", sagt Hässler, der sonst als Booker bei der Freiburger Konzertagentur Vaddi Concerts arbeitet. "Wir bringen immer viel Deko mit und bauen unsere eigene Soundanlage auf. Das kann man nicht um eine andere Veranstaltung herum machen."

Weitere Freiburger Veranstalter haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Eine von ihnen ist Katrin Kochs. Die 32-Jährige ist Mitglied der IG Subkultur. Als zweiter Vorstand des Vereins zur Erhaltung und Förderung der Pop- und Clubkultur in Freiburg möchte sie die Schließung von "White Rabbit" und "El Haso" verhindern. Ihre Party fand bereits im Juli 2018 statt.

"Der Barchef wusste nicht, dass eine Party stattfinden sollte." Katrin Kochs, IG Subkultur
"Am Abend selbst war zunächst niemand von der Passage46 anwesend. Irgendwann erschien der Barchef. Er wusste nicht, dass eine Party stattfinden sollte. Dabei war alles abgesprochen", sagt sie. Später am Abend habe Martin Müller-Reisinger angerufen und die Party kurzerhand abgesagt. "Nur durch gutes Zureden", so Kochs, hätte die Party doch noch stattfinden können.

Martin Müller-Reisinger verantwortet seit November 2017 als Kurator das kulturelle Programm in der Passage46. Der Schauspieler und Moderator gehört dem Theaterensemble unter Intendant Peter Carp an. Seit Beginn seiner Intendanz im Herbst 2017 betreibt das Theater die Bar in der einstigen Theaterpassage künstlerisch und gastronomisch in Eigenregie.

Martin Müller-Reisinger war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch das Theater lehnt eine Stellungnahme ab. Aus Sicht von Intendant Peter Carp handele es sich dabei um Gerüchte. Aber: "Die Passage46 ist ein Teil des Theater Freiburg, somit Teil einer Kulturorganisation und kein Club. Möglicherweise ergeben sich daraus hin und wieder Reibungen", so Carps Antwort auf eine schriftliche Anfrage.

Diese "Reibungen" haben auch Andre Gapp, 37, veranlasst sich als Veranstalter zurück zu ziehen. Er verantwortete von November 2017 bis November 2018 die Reihe "Clubgeschichten" in der Passage46.

Die "Clubgeschichten" begannen jeweils mit einem moderierten Gespräch mit einem Vertreter eines Musikgenres. Im Anschluss daran stieg die Party. So sprach Martin Welzer alias DJ Friction, Discjockey der HipHop-Band Freundeskreis, über die Entwicklung des Sprechgesangs in Deutschland. Ata Macias, Gründer des Offenbacher Clubs Robert Johnson, zeichnete die Entwicklung von House und Techno nach.

Gapp sagt, er sei oft auf sich alleine gestellt gewesen. Keiner der Verantwortlichen habe wirklich Zeit für die Clubveranstaltungen in der Passage46 gehabt: "Es dauerte, bis die Verträge unterzeichnet und die Rechnungen bezahlt waren. Das hatte aber auf die Veranstaltungen als solche keine Auswirkung. Die Gäste haben davon nichts mitbekommen und waren immer begeistert", so sein Fazit. Trotz dieses positiven Feedbacks möchte er die Veranstaltungsreihe vorerst nicht mehr weiter führen.

Wie das Nachtleben in der Passage46 in Zukunft aussehen soll, lässt Intendant Carp offen. Es werde weiterhin Clubveranstaltungen geben. Die Frage, mit welchen Veranstaltern das Theater dazu Gespräche führe, lässt er unbeantwortet: "Zu laufenden Verhandlungen wollen wir uns nicht äußern." So finden in der Passage46 vorerst keine Partys mehr statt.

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