Katholische Kirche

Freiburgerin ringt nach Missbrauch seit Jahren um Anerkennung ihres Leids

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

So, 01. März 2020 um 16:25 Uhr

Freiburg

BZ-Plus Die Freiburgein Luna Born wurde in den 1970er-Jahren Opfer jahrelangen Missbrauchs durch einen katholischen Priester. Seit sechs Jahren kämpft sie gegen die Kirche und für ihre Würde.

Seit sechs Jahren führt Luna Born einen kräftezehrenden Kampf. "Ich mache denen gerade nochmal richtig Stress", sagt sie. In ihren Augen blitzt Entschlossenheit auf. Es ist ein Kampf um die Anerkennung eines Leids, das ihr in ihrer Jugend in den 1970er-Jahren zugefügt wurde. Luna Born ist Opfer jahrelangen Missbrauchs. Der Täter: ein katholischer Pfarrer und einstiger Freund der Eltern, der all die Jahre unbehelligt seiner Arbeit nachging, ehe er sich vor fünf Jahren zur Ruhe setzte – altersbedingt und nicht etwa deshalb, weil Luna Born ihn bei seinem Bischof angezeigt hatte. Das Besondere an ihrem Fall ist: Das eigentlich gar nicht zuständige Bistum ihres Wohnorts Freiburg hat ihr Leid anerkannt und vor fünf Jahren einen ersten, symbolischen Betrag gezahlt. Das gemäß Ordnung Nummer 13 der deutschen Bischofskonferenz zuständige Bistum Münster aber, in dem der pensionierte Geistliche beschäftigt war, verweigert ihr diese Anerkennung bis heute.

"Ich mache denen gerade nochmal richtig Stress." Luna Born Luna Born sitzt in ihrer Freiburger Dachgeschosswohnung und schüttelt den Kopf, denn sie kann das alles nicht verstehen. Es sind so viele Briefe und Mails zwischen ihr und etlichen Vertretern der Kirche hin und her gegangen, sie hat so viele Gespräche geführt. Sie weiß und hat gelesen, wie der Geistliche, der ihr das angetan hat, in den Medien in den Ruhestand verabschiedet wurde. Man kann die Jubelarien in den Archiven der dortigen lokalen Medien und im Internet nachlesen. Auch wenn sie nicht weiß, ob der Mann heute noch seinen Neigungen nachgibt, so hat ihr Kampf doch auch wesentlich damit zu tun, dass sie potenzielle Opfer vor dem Geistlichen schützen will.

Luna Born schreibt ein Buch über den Kampf gegen das System Kirche
Luna Born, Medizinerin, Anfang 50 und Mutter zweier Kinder, heißt eigentlich nicht Luna Born. Den Namen hat sie sich zugelegt, als klar war, dass sie ein Buch schreiben würde. "Missbrauch mit den Missbrauchten" heißt es, erschienen ist es im vergangenen Oktober. Um sich und alle Beteiligten zu schützen und juristisch auf der sicheren Seite zu sein, hat die Autorin sämtliche Orte und Personen in dem Buch anonymisiert. Dass sie in diesem Artikel benannt werden, basiert auf Recherchen der Badische Zeitung, die bereits vor fünf Jahren über den Fall berichtet hatte.

Es ist ein ziemlich beeindruckendes Werk, in dem Born auf fast 300 Seiten von ihrer Auseinandersetzung mit der Kirche erzählt. Den Missbrauch selbst thematisiert sie in dem Buch nicht näher. Denn sie wollte nicht einfach ein emotionales Betroffenheitsbuch, eine dieser bedrückenden Opfergeschichten, schreiben. Sie hat sich – und das ist die Stärke des Buches – intensiv mit dem System Kirche und deren Umgang mit Missbrauchsopfern auseinandergesetzt. Mit Sexualität in der katholischen Kirche und dem heißen Eisen Zölibat. Mit ...

Lesen Sie jetzt alle BZ-Inhalte!

Gratis testen: lesen Sie alle Artikel unbegrenzt. Jetzt einen Monat für 0 € testen

Alternativ können Sie pro Monat 5 Artikel kostenlos lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel. Registrieren Sie sich hier:

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat kostenlos lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ