"Ich nehme alles mit, was geht"

Max Schuler

Von Max Schuler

Do, 03. November 2016

Freiburg

BZ-INTERVIEW mit Sängerin Vanessa Iraci, die in Gundelfingen ihre Songs schreibt und bei der Fernsehserie Voice of Germany auftritt.

GUNDELFINGEN. Die Sängerin Vanessa Iraci ist am Donnerstag in der Fernsehserie "Voice of Germany" zu sehen. Bei der schweizer Variante der Sendung schaffte sie es im Jahr 2014 ins Halbfinale. Die gebürtige Freiburgerin arbeitet an ihrer Karriere auch in einem Büro in Gundelfingen. Mit Max Schuler sprach Iraci über ihre diesmaligen Chancen, ihr Vorbild Tina Turner und die Partyabstinenz vor Auftritten.

BZ: Sie standen bei "The Voice of Switzerland" im Halbfinale. Welche Chancen rechnen Sie sich diesmal aus?
Iraci: Es sind sehr, sehr viele gute Leute dabei in Deutschland. Ich mache mir über meine Chancen nicht so viele Gedanken. Ich nehme alles mit, was geht, und ich gebe alles. Mein Ziel ist es, so gut wie möglich zu sein und so weit wie möglich zu kommen.

BZ: Welcher Coach wäre Ihr Favorit?
Iraci: Das ist schwierig. Das sind alles echt tolle Künstler. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich für Andreas Bourani oder Samu Haber entscheiden. Bourani hat mich sehr inspiriert, Songtexte auf Deutsch zu schreiben. Sunrise Avenue von Samu Haber ist eine geile Band, mir gefällt ihre Musik und ihr Stil. Und Samu hat natürlich eine Wahnsinnserfahrung im Pop-Rock-Geschäft. Ich glaube, er ist auch ein lustiger Typ.

BZ: In einem Interview haben Sie gesagt, dass man bei dem Fernsehauftritt in 90 Sekunden die Kraft eines ganzen Konzertes packen muss. Wie fokussieren Sie die Energie auf diesen einen Moment?
Iraci: Wichtig ist, dass man sich mit dem kompletten Gefühl in den Song hineinversetzt und gleichzeitig die Tatsache ausschaltet, dass man gerade eine Ausnahmesituation zu bewältigen hat.

BZ: Als Vorbild geben Sie Tina Turner an.
Iraci: Wenn man ihre Lebensgeschichte und Karriere verfolgt, spricht das für sich. Sie ist eine Powerfrau, hat trotz Rückschlägen nie aufgegeben und eine lange und vor allem gesunde Karriere erlebt.

BZ: Welche Songs hören Sie gerade auf Ihrem Smartphone?
Iraci: Am Morgen höre ich gerne Bob Marley, um in den Tag reinzukommen. Unterwegs höre ich am liebsten Angel Haze, eine noch nicht so bekannte Rapperin aus den Staaten. Ansonsten höre ich auch gerne House-Musik. Tina Turner ist auch dabei und natürlich Coldplay, eine meiner Lieblingsbands.

BZ: Sie haben sich trotz Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten für die Selbstständigkeit als Sängerin entschieden. Können Sie von der Musik leben?
Iraci: Inzwischen läuft es sehr gut. Ich bin froh, dass ich diesen Schritt vor sieben Jahren gemacht habe.

BZ: Sie traten auch schon auf Weinfesten, Baumarkteröffnungen und in Kirchen auf.
Iraci: Das war in der Zeit, bevor ich mich selbstständig gemacht habe. Das ist lange her. Inzwischen trete ich in Konzerthäusern, Stadthallen und Festivals in ganz Europa auf.

BZ: Was bedeutet es für Sie, professionell Musik zu machen?
Iraci: Profi zu sein bedeutet harte Arbeit. Das Können ist natürlich vorausgesetzt. Es gehört aber sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen dazu. Der Job macht Spaß, aber man muss auch einen hohen Preis dafür bezahlen.

Iraci: Wie achten Sie auf sich und Ihre Stimme?
BZ: Man sollte sich vor oder nach einem Auftritt nicht betrinken. Partys feiern vor Auftritten ist tabu. Das Immunsystem stärke ich mit guter Ernährung. Man lebt ein bisschen wie ein Sportler. Es ist ein Hochleistungsjob.

BZ: Sie schreiben eigene Texte auf Englisch und Deutsch, singen aber auch viele Coverversionen. Was liegt Ihnen mehr?
Iraci: Mein Herz hängt natürlich an meinen eigenen Songs. Ich singe aber auch sehr gerne bekannte Lieder und interpretiere diese auf meine Weise.

BZ: Ziehen Sie für das Songschreiben auch Inspiration aus Ihrer Heimat Freiburg und Umgebung?
Iraci: Ich habe zusammen mit dem Freiburger Rapper Raphael Lieder auf Deutsch veröffentlicht. Auf dieser Platte geht es um das Gefühl, den Moment zu erleben. Die Lieder sollen die Leute dazu motivieren. Gerade in der heutigen Zeit, in der jeder ständig am Handy hängt, vielleicht nicht mehr so wirklich sein Leben erlebt und nur noch virtuell existiert. In Freiburg hat man oft schönes Wetter und so ein Sonnenuntergang inspiriert mich, wobei ich das dabei entstehende Gefühl weniger in den Text, sondern eher in die Komposition des Liedes stecke.

BZ: Stimmt es, dass Sie sich das Singen durch das Hören von Mariah Carey CDs beibrachten?
Iraci (lacht): Unter anderem. Ich habe schon im Kindergarten gesungen. In der siebten, achten Klasse war für mich Mariah Carey aber auch ein großes Vorbild. Ihre Stimmgewalt hat mich schwer beeindruckt. Eine professionelle Gesangsausbildung hatte ich nie, aber ich arbeite inzwischen mit Gesangscoaches wie Pamela Falcon oder David Whitely.

BZ: Wie wichtig ist der Fernsehauftritt für Ihre Karriere?
Iraci: Es ist mir sehr wichtig, dass ich jetzt ein großes Publikum erreiche und die Leute auf meine Musik aufmerksam mache. Mit Musik kann ich etwas bewegen und Menschen berühren.

Vanessa Iraci (31) ist hauptberufliche Sängerin. Sie lebt in Freiburg und arbeitet an ihren Liedern und Auftritten in Gundelfingen. Mehr über ihre Musik unter

http://www.vanessa-iraci.com