Kajo steigt in die Top Ten auf

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 15. April 2017

Freiburg

Überraschung: In der ersten Liga der Einkaufsstraßen Deutschlands landet Freiburg auf Platz neun.

Freiburgs Kaiser-Joseph-Straße zählt jetzt zu den Spitzen-Shoppingmeilen der Republik. Nach einer aktuellen Zählung ist die Kajo in die Top Ten der meistbesuchten Einkaufsstraßen aufgestiegen. "Das ist ein Knaller, der uns auch überrascht", sagt Bernd Dallmann, Freiburgs Chefbeauftragter für Wirtschaft und Tourismus.

Erstmals erste Einkaufsliga: Die Freiburger Kajo zählt zu Deutschlands trubeligsten Einkaufsmeilen. In einer neuen Rangliste ist sie auf Platz neun gelandet und damit in den Top Ten mit prominenten Pflastern wie Münchens Kaufingerstraße und der Frankfurter Zeil. "Es sind schon besondere Umstände und Zufälle", sagt Bernd Dallmann. Die Studie wurde unter anderem am Vortag des Freiburg Marathons erstellt, das Zentrum war voll. Aber für den Chef der "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH" (FWTM) ist es dennoch ein Zeichen, dass die Stadt mit den besten Lagen Deutschlands mithalten könne. "Das Potenzial ist da, da ist noch was drin. "

Jeweils eine Stunde an zwei Tagen zählte "Engel & Völkers Commercial", der Gewerbezweig des Immobilienmaklers mit Zentrale in Hamburg, Passanten in den Einkaufsstraßen von 36 Städten: am 28. März, einem Dienstag, an dem statistisch am wenigsten gekauft wird, und am 1. April, einem Samstag. Am stärksten Einkaufstag der Woche war in Stuttgarts Königstraße am meisten los: gut 17 000 Passanten, Platz ein s (siehe Tabelle).

"Für eine Überraschung sorgte Freiburg", fand auch das Unternehmen. Tatsächlich schien am 1. April Shoppen erste Bürgerpflicht zu sein. Fast 9600 Passanten wurden pro Stunde in der Kaiser-Joseph-Straße gezählt, am Dienstag waren es 5200 – beides Mal Platz neun. Freiburg ist für die Studienmacher ein Beispiel dafür, welche Rolle Wetter, Stadtmarketing und Events haben können.

Besonders krass ist der Anstieg des Ansturms im Vergleich zur Zählung im Vorjahr: Am Samstag wurden fast 500 Prozent mehr Passanten in der Kajo gezählt als 2016, als kein Marathon war. Den nehmen ganze Familien zum Anlass für einen Wochenendtrip. Auch Anlässe wie das Weinfest ziehen Touristen an.

"Es ist klar, dass wir Glück hatten", sagt Dallmann, "hätten die früher gezählt, wären wir nicht unter den ersten zehn." Doch Glück ist nicht alles: Das Plus am Dienstag betrug 250 Prozent – ohne Marathoneffekt, mit gutem Wetter. Der FWTM-Chef weiß, dass Baustellen am Nordende der Kajo und im Rest der Stadt dem Einzelhandel zu schaffen machen. "Aber wenn die Umstände stimmen, knallt’s trotzdem."

Ausruhen ist nicht, meint Dallmann. Der Internethandel wächst, die Kundenfrequenz schrumpft. "Und in 1b-Lagen haben wir auch Leerstände." Doch das Ranking sei gut für Freiburgs Renommee – und ein Lob für seine Einzelhändler.

Einige Städte sind mit mehreren Einkaufsstraßen im Ranking vertreten. Die Rathausgasse landete am Samstag auf Rang 59. Ob es die Kajo 2018 wieder in die Top Ten schafft? "Wir arbeiten dran."