Coronavirus

Landwirte und Erntehelfer sollen übers Internet zusammenfinden

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Mo, 30. März 2020 um 09:00 Uhr

Schopfheim

In der Region fehlt es an Erntehelfern aus Osteuropa. Grenzschließungen verhindern ihre Anreise. Benjamin Stebner aus Steinen will mit der Hilfe von Facebook Freiwillige auf die Äcker vermitteln.

Benjamin Stebner (33) aus Endenburg geht es wie vielen anderen Menschen derzeit auch: Er hat viel Zeit. Normalerweise arbeitet er als Koch im Bistro von Einrichten Schweigert in Maulburg, doch die Kurzarbeit zwingt ihn, kürzer zu treten. Nun hat er eine Idee: Er möchte Freiwillige und landwirtschaftliche Betriebe zusammenbringen, um bei der Ernte zu helfen.Dem Koch liegen Gemüse und speziell der Spargel von Berufs wegen nahe. Und er weiß, dass beispielsweise dem Weingartenhof der Familie Denzer in Fischingen derzeit Erntehelfer aus Osteuropa fehlen.

"Ich bin erstaunt, wie groß das Interesse daran ist. Jeden Tag melden sich neue Leute", Benjamin Stebner
Die Grenzschließungen in der Coronakrise verhindern ihre Anreise. Seit einigen Tagen arbeitet er deswegen an einer Plattform im Internet, um Menschen mit mehr Freizeit als sonst auf die Äcker zu vermitteln. Bei Facebook hat er schon über 200 Fans für die Idee begeistern können. "Ich bin erstaunt, wie groß das Interesse daran ist. Jeden Tag melden sich neue Leute", sagt Benjamin Stebner.

Das gefalle auch dem Weingartenhof; schließlich wäre es schade, wenn der Spargel in der Erde verderben würde. Im Moment verschaffe das kalte Wetter dem Saisonbeginn noch etwas Aufschub. Sobald es warm wird Anfang April, kann es im Markgräflerland losgehen. "Das ist körperlich schwere Arbeit. Aber das ist allemal besser, als zu Hause rumzusitzen", sagt er. Er freut sich jedenfalls schon auf den Einsatz für das Edelgemüse.

Stebner findet es spannend, dass man bei einem Ernteeinsatz sieht, woher unsere Lebensmittel kommen. Wer einmal mitgearbeitet habe, könne die Produkte wohl besser wertschätzen. Für die Arbeit auf den Äckern hält er alle geeignet, die körperlich in einer guten Verfassung sind und Interesse an regionaler Landwirtschaft mitbringen: Schüler, Studenten, Arbeitnehmer, Selbstständige … Ein Einsatz könne ehrenamtlich erfolgen oder gegen Bezahlung ("da kann man sich etwas dazuverdienen"). Eine Bestätigung, dass die Idee nicht schlecht ist, kommt mittlerweile auch von der Bundesregierung und ihrer Initiative "Das Land hilft", ebenfalls eine unbürokratische Vermittlungsplattform für Produzenten und Arbeitskräfte.

Run auf Gemüse aus der Region

Das Interesse an Gemüse aus der Region ist derzeit auch andernorts gewachsen, seit in der Coronakrise über mögliche Versorgungsengpässe spekuliert wird. So nimmt der Hof Dinkelberg in Schopfheim-Wiechs keine neuen Kunden für seine Bio-Kiste mehr an. "Es ist total verrückt: Wir beliefern jetzt 1000 Kunden pro Woche.

Vor der Krise waren es rund 700", berichtet Hof Dinkelberg-Geschäftsführer Markus Hurter. Jetzt gehe es darum, diese gigantische Nachfrage nach den Gemüse- und Obstkisten (ab 17 Euro) zu stillen, auch mit den Vorräten im eigenen Kühlhaus. Hurter bedauert den Stopp für neue Kisten-Abonnenten, aber es gehe nicht anders. "Mehr schaffen wir nicht", so Hurter.

Auch auf dem Dinkelberg mit rund 100 Hektar landwirtschaftlicher Fläche fehlt derzeit die eingeplante Unterstützung durch zwei Erntehelfer, die sonst für mehrere Monate aus osteuropäischen Ländern ins Wiesental kommen. Schüler und Studenten füllen derzeit die Lücke. Zu tun gebe es immer etwas, zum Beispiel Radieschen oder Kartoffeln pflanzen. Geerntet wird auf dem Dinkelberg aber erst Ende Juni/Anfang Juli. Für freiwillige Erntehelfer gibt es derweil keinen weiteren Bedarf: "Wir haben keine Saisonprodukte wie Spargel oder Erdbeeren", berichtet Markus Hurter.

Trotz Corona-Krise gibt es genug für alle: Die Landwirtschaftsbetriebe sind weiterhin wie gewohnt auf den Wochenmärkten im Wiesental präsent, auch die Familie Denzer und der Hof Dinkelberg (in Schopfheim immer mittwochs und samstags). Nur mit dem Spargel könnte es noch ein paar Tage dauern, bis die Temperaturen steigen.
Um Suchende mit Hilfswilligen zusammen zu bringen, hat Benjamin Stebner auf Facebook eine Plattform eingerichtet.