Waldwirtschaft in Kandern

Freiwillige sammeln 4,5 Tonnen Eicheln – für die Nachzucht der Bäume

Reinhard Cremer

Von Reinhard Cremer

Mi, 28. Oktober 2020 um 12:57 Uhr

Kandern

Eichen gelten als besonders klimawandelstabil. Bei Baumschulen sind Samen aus dem Kanderner Wald gefragt. In einem Aussiedlerhof lagern allein rund 850.000 Eicheln.

In diesem Jahr trägt alles im Wald reichlich. Der Forst spricht in einem solchen Fall von einem "Mastjahr". In solchen Jahren stecken die Bäume, wie zum Beispiel Eichen, einen großen Teil ihrer Energie in die Ausbildung von Samen. Das macht sich die Forstwirtschaft zunutze und lässt fleißig Eicheln sammeln, die dann zumeist in andere Regionen als hochwertiges Saatgut verkauft werden. In der Scheune des Aussiedlerhofes Bärschkus in Holzen lagern rund 4500 Kilo Eicheln, das macht gut 850 000 dieser braunen Baumfrüchte.

Saatgut nur aus anerkannten Beständen

Gesammelt wurden sie zwischen dem 7. Oktober und dem vergangenen Wochenende. Förster Reiner Dickele nennt als Sammelorte insbesondere die Wälder im Holzeinig, wie er sagt einer der schönsten Eichenwälder, aus dem etwa 3,9 Tonnen stammen, und Behlen, in dem rund 600 Kilo gesammelt wurden. Wichtig sei, dass nur Saatgut aus anerkannten Beständen verwendet werden darf, betont Dickele gegenüber der BZ.

Rund 70 Prozent der Früchte keimen

Abhängig von der Qualität und dem Zustand des Saatgutes, manche Eicheln weisen bereits Wurmlöcher auf, keimen etwa 70 Prozent der Eicheln. Das macht in der Summe rund 600 000 Eicheln, die für zirka 240 Hektar Eichenwald ausreichen, rechnet Dickele vor.

"Wir brauchen neue Eichen, um die Waldschäden infolge der Trockenheit der vergangenen Jahre wieder auszugleichen", stellt der Förster klar. Hinzu komme, dass die Eiche zu den klimastabilsten Baumarten gehöre. Das heißt, sie kann einer Erwärmung eher standhalten als andere Baumarten.

Eine Kilo Eicheln bringt 3,60 Euro

Das Kilo Eicheln wird zu 3,60 Euro weiterverkauft. Nur ein Teil kommt zur Aufforstung eigener Bestände zum Einsatz. Das müsse ausgenutzt werden, da es auch Jahre wie 2019 gebe, in denen die Bäume kaum Eicheln trugen, weiß Dickele. Abgefüllt in Säcke wird das Saatgut an Baumschulen verkauft. Dort werden die Eicheln zunächst mit warmem Wasser behandelt, damit keine Pilzkrankheiten auftreten, und anschließend trocken gelagert. Die Aussaat muss noch in diesem Herbst oder im kommenden Frühjahr erfolgen, da die Eicheln nicht länger haltbar sind.

40 Helfer beim Sammeln im Einsatz

Für das Sammeln der Eicheln wurden etwa 40 Helfer und Helferinnen eingesetzt. "Es war ziemlich mühselig, Helfer zu gewinnen", blickt Dickele zurück. Durch Mundpropaganda sei die notwendige Helferzahl dann doch noch erreicht worden. Dickele weiß, wie schwierig das Sammeln ist: "Das geht unheimlich aufs Kreuz. Da hilft nur ein abendliches heißes Bad." Die Helfer seien alle hochmotiviert gewesen, lobt der Förster.

Sind die Eicheln erst einmal gesät und ist die Saat aufgegangen, hat die Arbeit noch lange kein Ende.

Pfahlwurzeln werden nach einem Jahr gekappt

Da die Eichen tiefe Pfahlwurzeln entwickeln, wird die Schonung nach etwa einem Jahr mit einem Unterschneidepflug durchgearbeitet, der die Wurzeln kappt, aber die jungen Bäume stehen lässt. Dadurch können diese ein Wurzelnetz entwickeln und zudem wird so ein späteres Umsetzen der Bäume erleichtert. So werden also Eicheln aus Kanderner Wäldern mit dafür sorgen, dass es in 200 Jahren noch schöne Eichenwälder gibt.