Friedenspreis

Frieden fängt im Kleinen an – auch beim Wohnen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 27. November 2019 um 14:09 Uhr

Waldkirch

In Freiburg wurde durch die INTA-Stiftung der "Helga und Werner Sprenger"-Friedenspreis an Michael Kienast und den Caritasverein Waldkirch für das Projekt "Wohnen für alle" verliehen.

Laudatorin Ursula Sladek würdigte das Projekt als außerordentliche Leistung für ein friedliches Zusammenleben. "Wohnen für alle", ist eine Wohnraumvermittlung für Personen in schwierigen sozialen Lagen, wie für alleinerziehende Mütter oder Väter, kinderreiche Familien, Personen mit geringem Einkommen oder für Geflüchtete. Seit vier Jahren ist der Caritasverein St. Vinzenz in Waldkirch, Gutach und Simonswald in der Wohnraumvermittlung und -betreuung aktiv und hat in dieser Zeit 120 Menschen in 50 Wohnungen ein neues Zuhause geben können. "Mit unendlich großer Energie und Überzeugungsarbeit" setzen sich die Vereinsmitglieder bei Vermieterinnen und Vermietern dafür ein, dem Caritasverein St. Vinzenz Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die Anmietung erfolgt durch den Verein, dieser vermietet die Wohnungen dann an Personen in schwierigen sozialen Lagen, garantiert die Mietzahlungen und übernimmt in Einzelfällen auch mal einzelne Mieten oder stellt Kautionen auf Kreditbasis.

"Mit dem Projekt ’Wohnen für alle’ gehen Michael Kienast und der Caritasverein St. Vinzenz neue Wege gegen die Wohnungsnot und helfen denjenigen, die es am schwierigsten haben." Ursula Sladek ging in diesem Zusammenhang auch auf die Gesamtlage auf dem Wohnungsmarkt ein. Oft werde die Notlage von Geringverdienern ausgenutzt und ihnen Unzumutbares angeboten. Menschen aber, die in unwürdigen Verhältnissen leben müssten, "fühlen sich oft auch nicht mehr als Teil unserer Gesellschaft – eine gefährliche Entwicklung, die es im Interesse aller zu verhindern gilt", so Sladek.

Die Hilfe für diese Menschen durch den Caritasverein höre aber nicht an der Wohnungstür auf. "Viele Dinge des Zusammenlebens in Deutschland stellen Menschen mit Zuwanderungs- oder Fluchterfahrung vor Herausforderungen, die sie alleine nicht bewältigen können." Hierfür hat der Caritasverein St. Vinzenz das System der Wohnungspaten geschaffen. Sie sind Ansprechpartner in allen Dingen rund um das Wohnen – von der Treppenhausputzordnung bis zur Stromrechnung. Sie vermitteln zudem bei allen Fragen des Zusammenlebens in der Nachbarschaft. "Frieden fängt schon im Kleinen an, im Wohnumfeld, am Arbeitsplatz, in der Familie", betonte Sladek. Wohnen sei ein wesentlicher Integrationsfaktor.

Zweiter Friedenspreisträger ist Theodor Ziegler

Zweiter Preisträger neben dem Caritasverein Waldkirch ist Theodor Ziegler, der seit über 40 Jahren in der Friedensbewegung aktiv ist: zunächst als Diakon Seelsorger für Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistende, dann 25 Jahre als Jugendseelsorger in der Arbeitsstelle Frieden in Karlsruhe. Er war an der Beruflichen Schule in Breisach tätig und später Lehrbeauftragter an der Evangelischen Hochschule in Freiburg. Seit einigen Jahren ist Theodor Ziegler Mitglied des Leitungskreises im Forum Friedensethik in der Evangelischen Landeskirche Baden und im Offenburger Koordinationskreis Friedensethik.