Frieden – Inbegriff der Menschlichkeit

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Di, 29. Oktober 2019

Hinterzarten

Der lange Weg hat sich gelohnt / Uraufführung der Friedenskantate findet bei den Besuchern Lob und Anerkennung.

HINTERZARTEN. Es war ein langer Weg, den Lyrikerin Helle Trede, Komponist Uli Führe, der ökumenische Chor sowie das kleine Streichorchester und die Solisten unter Leitung von Konstanze Ruttloff beschritten haben. Doch es hat sich wahrlich gelohnt: Die Uraufführung der Friedenskantate "Suche Frieden und jage ihm nach" in der evangelischen Kirche war einfach nur großartig.

Einem Konzert der besonderen Art gleich war der Gottesdienst am Sonntagvormittag, der die Besucher in der bestens gefüllten Kirche begeisterte. "Wirklich beeindruckend", stellte die designierte Pfarrerin Ulrike Bruinings fest und war sich damit einig mit den lang applaudierenden evangelischen und katholischen Christen, einen Gottesdienst besucht zu haben, der nachhaltig wirken wird.

Stimmungsvoll und doch verwirrend war das Vorspiel, das das Kammerorchester mal kraftvoll, mal poetisch präsentierte, ehe der sehr homogen auftretende Chor "Den Weg des Friedens kennen sie nicht" intonierte. Sehr sicher klang der ganz junge Victor Holtmeier, der mit seiner glasklaren Sopranstimme das Kantatenthema "Suche Frieden und jage ihm nach" im Solo darbot.

Dramatisch gestaltete Komponist Uli Führe die "unfriedlichen Zeiten" mit den schnellen Streicherpassagen im Forte, dann wieder hin im Crescendo zum Mezzopiano und Mezzoforte mit dem Hilferuf an Gott, "dass der zerbrechliche Frieden sich von uns finden lassen möge".

Mit eingebunden in diese Kantaten-Aufführung war aber auch die Gemeinde, die im Gloria "Allein Gott in der Höh" mit dem Ausklang "nun ist groß Fried ohne Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende" sang und damit passend zum Gottesdienstthema den Frieden beschwor. Dass man diesem Frieden "nachjagen" muss, er sich nicht von alleine einstellt, sang bei einem sehr anspruchsvollen Kantatensatz der vierstimmige Chor, bei dem sich die Gruppen Sopran, Alt, Tenor und Bass zunächst wie bei Widerworten das "Jage ihm nach" fast drängend zuriefen, um am Ende doch gemeinsam das "lass da hinten Hass und Gewalt" und die Einladung "Ist doch die Welt zum Friedensfest geladen" erklingen ließ.

Waren die Kompositionen Uli Führes bis dato schon herzerwärmend-beeindruckend, angesiedelt zwischen barocken und modernen Elementen, so folgte im sechsten Satz "Fürchte nicht der Feinde Toben, folge getrost dem Wort des Friedens" eine weitere musikalische Steigerung, in der Chor und Orchester von Forte bis Pianissimo das "Licht" aus dem "Nebel" brechen ließen. Und auch der Psalm 4,9 "Ich liege und schlafe ganz mit Frieden", den der ökumenische Chor zusammen mit dem Schüler Victor Holtmeier ganz getragen vortrug, berührte die Gottesdienstteilnehmer zutiefst. Mit dem dreistrophigen Choral "Seid getrost" und dem Mut machenden "Du überwandest Angst und Leid und schenkst uns Frieden in der Zeit" nahmen die Aufführenden die Zuhörer noch einmal gefangen.

Abgerundet wurde dieser ganz besondere Gottesdienst durch eine beeindruckende Predigt von Prädikant Georg Körner, der das Thema "Frieden" aufnahm. Frieden sei eben mehr als das Gegenteil von Krieg. "Nach 74 Jahren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 40 Jahren nach Beendigung des Kalten Krieges stehen sich nun in Syrien die Gegner des Kalten Krieges wieder gegenüber. Der Gewalt müsse man das "Schalom", das seine Wurzeln sowohl im Jüdischen als auch Arabischen (Salam) habe, entgegensetzen. Das hebräische Wort für Frieden "Schalom" sei der Inbegriff der Menschlichkeit. Friede sei nicht einfach da, sondern müsse gesucht werden und benötige Mut und Zivilcourage. "Die Hingabe an das Leben und der Mitmenschlichkeit ist eine Gemeinsamkeit von christlicher Religion und Islam, aller Unterschiede zum Trotz."

Die Mitwirkenden: Ökumenischer Kirchenchor Hinterzarten, Solisten: Victor Holtmeier (Gesang), Mila Faller (Harfe), Orchester: Katharina Schmauder, Stella Jäckle (Violine), Muriel Müller, Frederik Reuter (Viola), Samuel Schulz (Violoncello), Uli Führe (Kontrabass), Roman Babler (Klavier).