Kommentar

Fritz Keller braucht Glück und noch mehr Geschick

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

Sa, 17. August 2019 um 23:40 Uhr

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Der Sonntag Der 62-Jährige vom Kaiserstuhl, über den alle schreiben, dass er das Patenkind des legendären Fritz Walter ist, lehnt die großen Schuhe, in die er schlüpfen soll, nicht ab.

Als sich ein Kreis deutscher Fußball-Funktionäre mit einer Schweizer Beratungsfirma an einen Tisch setzte, um einen Präsidenten für den Deutschen Fußball-Bund zu finden, soll nach deren Angaben eine Frage im Raum gestanden haben: Wie findet sich ein Mann – für eine Frau ist angeblich die Zeit noch nicht reif –, der so gestrickt ist, dass er nicht rasch rücktrittstaugliche Fehler begeht? Die Antwort sollen die Eidgenossen gefunden haben: "Nehmt den Fritz Keller vom SC Freiburg."

Der 62-Jährige vom Kaiserstuhl, über den nun alle schreiben, dass er das Patenkind des legendären Fritz Walter ist, lehnt offensichtlich die großen Schuhe, in die er schlüpfen soll, nicht ab.

Und provoziert ihm viel Glück und noch mehr diplomatisches Geschick zu wünschen. Denn ab September steht Fritz Keller auf einer grell beleuchteten Bühne, die seine bisherigen Auftritte in das angenehme Halbdunkel eines japanischen Zimmers taucht.

Auch wenn unter seiner Regie kein weiteres großes Fußball-Turnier nach Deutschland geholt werden soll – die Ausrichtung der EM 2024 steht schon länger fest –, sein Einfluss auf die Nationalmannschaft gering eingeschätzt wird und er außenpolitisch bei Uefa und Fifa wenig einbringen muss: Das Amt des DFB-Präsidenten ist von Fettnäpfchen umstellt. Denn immer findet sich jemand, der im großen Fußballgeschäft Mist baut, wofür oft der DFB-Präsident geradestehen muss. Von jedermanns Liebling bis zum Kotzbrocken der Nation kann der Weg in der DFB-Zentrale auf der einstigen Trabrennbahn in Niederrad besonders kurz sein.

Die Erwartungen an Fritz Keller sind heute bereits so groß und lassen erahnen, was er sich zumutet. Unzählige Wünsche soll er erfüllen, aber viele Pfründe und Machtprivilegien nicht anfassen und Menschen zusammenführen, die sich eigentlich als unerbittliche Konkurrenten gegenüberstehen. Und dabei am besten nie ein falsches Wort sagen. In kein Mikrofon.