Frostige Frustzeiten ohne Chance auf Ballarbeit

Jürgen Ruoff und Johannes Bachmann

Von Jürgen Ruoff & Johannes Bachmann

Fr, 12. Februar 2021

Landesliga Staffel 3

Corona und kein Ende: Fußballtrainer der Region bangen mit ihren Kickern um ihr liebstes Freizeitvergnügen und fürchten einen erneuten Abbruch der Saison.

Es ist, schon wieder, eine Saison zum Vergessen. Nach dem Abbruch der vergangenen Spielzeit diktiert das Virus auch 2021, was am Ball geht: nichts. Seit Ende Oktober ruht der Spielbetrieb in den Fußball-Amateurligen, eine Fortsetzung der Runde ist angesichts des vorerst auf den 7. März verlängerten Lockdowns ungewiss. In frostigen Zeiten gibt es Frust bei den Kickern von Schwarzwald und Baar. Eine reguläre Fortsetzung der Spielzeit scheint kaum mehr möglich. Die BZ hat sich bei Fußballtrainern der Region umgehört.

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Rolf Eckert, Vorstand Sport des Fußball-Landesligisten FC Neustadt: "Wir sind dran, unsere Spieler zu beschäftigen. Unter Anleitung unserer Trainer Branislav Durdevic und Fabian Niederprüm sowie von Athletiktrainer Dominic D’Antino machen die Spieler Läufe, Kraftübungen, sie haben auch eine Challenge gemacht, das war ein kleiner Wettkampf. Die fußballspezifischen Dinge fehlen aber komplett. Natürlich sind alle heiß drauf, dass es irgendwann wieder losgeht. Die momentane Situation ist nicht gut für die Stimmung, den Teamgeist und den gesamten Verein, denn wir befinden uns in einem luftleeren Raum. Wir wissen ja nicht, wann und wie es weitergeht. Zwei Wochen Vorlauf, wie vom Verband angedacht, ist nach so einer langen Pause viel zu wenig, im Sommer vor Beginn einer normalen Runde bereitet man sich ja sechs Wochen auf den Saisonbeginn vor. Je nachdem, wann es losgeht, sind vielleicht noch die Playoffs möglich, mal sehen. Wir haben es nicht in der Hand, wir können nur demütig abwarten bis eine Entscheidung fällt und wir wieder raus dürfen."

Tim Heine, Trainer des Fußball-Verbandsligisten DJK Donaueschingen: "Die letzten beiden Jahre sind im Grunde zwei verlorene Jahre. Das trifft mich als Trainer weniger, mir tut es vor allem leid für die Spieler, die in einem Entwicklungsstadium sind. Die lange Pause ist weder für die jungen Spieler so um die 20 gut, noch für die, die im besten Fußballeralter sind. Diese Einschnitte sind schon heftig. Das sind Jahre, die einem fehlen. Uns allen fehlt der Fußball, den wir ja leidenschaftlich betreiben. Nach so einer langen Pause fängt man als Trainer mit der Mannschaft wieder von vorne an. Ich denke, dass bestenfalls Mitte oder Ende April wieder gespielt werden kann. Viele Szenarien sind denkbar, auch eine Annullierung der Saison."

Jörg Klausmann, Trainer des Landesligisten FC Löffingen: "Ich glaube nicht, dass es für uns schon im März wieder losgeht, im April vielleicht. Denn bevor die Amateursportler wieder ran dürfen, wird erstmal alles andere wieder aufgemacht. Ein bisschen regt mich schon auf, dass immer von einer Inzidenz von 50 die Rede war und jetzt plötzlich 35 das neue Maß ist – und nächste Woche schlägt dann einer 25 vor. Ich vermisse hier die Logik. Den Spielern und Kindern wird schon etwas genommen. Wir haben virtuell für Montag eine Spielerkonferenz einberufen, in der wir besprechen, wie es im Detail weitergeht. Wir werden den Spielern Vorgaben zur individuellen Trainingsgestaltung machen. Wir müssen jetzt einfach was tun, damit wir vorbereitet sind. Anschließend sollte uns dann eine dreiwöchige, fußballspezifische Vorbereitung reichen. Von meinem sportlichen Verständnis her wäre es am logischsten, wenn man die Hinrunde zu Ende spielt."

Björn Schlageter, Trainer des Bezirksligisten TuS Bonndorf, sieht seine Kicker seit Monaten nur virtuell. Zusammen kicken? Verboten! Zusammen schwitzen? Erlaubt, wenn es per Mattscheibe im weltweiten Netz geht. Bei einem Fitness-Onlinekurs gibt es zumindest ein bisschen Nähe, doch ein Ersatz für Ballarbeit ist das ebenso wenig, wie die mehr oder minder langen einsamen Joggingrunden, die jeder TuS-Kicker absolviert. Am Sonntag, 7. März, dem vielleicht letzten Tag des aktuellen Lockdowns, sollte in Bonndorf mit dem Heimspiel gegen Titelfavorit Pfaffenweiler die Vorrunde fortgesetzt werden. "Schöne Utopie", sagt Schlageter. Auch wenn vielleicht am 8. März die Ballarbeit (womöglich wieder in Kleingruppen) beginnen könne, brauche es "mindestens vier bis fünf Wochen Training, um fußballerisch auf einen annehmbaren Stand zu kommen." Mehr als die Vorrunde sei dann nicht mehr zu stemmen, die Chance auf die Playoffs sei gering, "vielleicht sind dann noch Tannenbaumspiele möglich, mehr nicht", so Schlageter. Eine Verlängerung der Runde bis Ende Juli will er sich nicht vorstellen. "Dann starten wir nach einer kaputten Runde, aus der zweiten kaputten Runde im September in eine dritte verkorkste Spielzeit."

Nurhan Ardiclik, Trainer des A-Kreisligisten SV Hinterzarten, führt eine Mannschaft, auf die er mächtig stolz ist. Sein Team überwintert an der Tabellenspitze, die Fitness seiner Kicker ist trotz Lockdown bemerkenswert. "Das sind ja fast alles Skilangläufer, die in den vergangenen Wochen enorm viel auf den schmalen Latten standen." Die Kondition ist da, das Ballgefühl verschüttet. Frühestens im April sei, falls der Lockdown am 7. März ende, nach fußballspezifischem Training wieder an Punktspiele zu denken. Dass es dann die Zähne zusammenzubeißen gelte, um in der 13-er-Staffel mit englischen Wochen in Serie zuerst die Vor- und dann die Rückrunde durchzuziehen, sei "kein Problem", so Ardiclik, der für eine Verlängerung der Spielzeit in den Juli hinein plädiert. "Aber, ganz ehrlich, ich glaub’ nicht dran, das Virus bestimmt weiter den Alltag." Es werde vermutlich das passieren, was er schon zum Saisonstart prophezeit habe: "Wenn es ganz doof läuft, wird die Runde abgebrochen. Dann gibt es im September hoffentlich einen Neustart."

Mario Heinrich, Trainer des A-Kreisligisten FC Lenzkirch, macht sich keine Illusionen. Trotz individueller Laufeinheiten sieht er seine Fußballer, die Ende Oktober letztmals einen Ball am Fuß hatten, "fußballerisch auf Null". Dieses Defizit aufzuholen werde dauern, vier, fünf Wochen gemeinsamer Vorbereitung auf dem Platz sei unabdingbar, um zumindest die Vorrunde zu Ende spielen zu können. Dass danach in der 13-er-Staffel der Kreisliga A, Staffel II, anders als in den höheren Ligen, die nach der momentanen Planung des Fußballverbands Playoff-Runden vor sich haben, noch die zweite Halbserie gespielt wird, kann sich Heinrich nicht vorstellen. "Wenn es nach mir ginge, würde ich gar nicht mehr spielen lassen." Der Saisonabbruch sei angesichts der Pandemie die einzige vernünftige, wenn auch schmerzhafte Lösung. Vielleicht könne man dann im Mai wieder mit dem Fußballtraining beginnen und ein paar Freundschaftsspiele absolvieren, "alles andere ist Stückwerk", so Heinrich: Im September starte man dann in die Spielzeit 2021/22, "hoffentlich ohne Corona".