Für Gabriels Partei ist das jedenfalls eine Riesenschande

Irmgard Koll

Von Irmgard Koll (Müllheim)

Mi, 15. Juli 2020

Leserbriefe

Waren die Vorkommnisse beim Fleischkonzern Tönnies, nämlich die unglaublichen Arbeitsbedingungen von Menschen, die arbeitssuchend von außerhalb der "Grande Nation européenne" eingewandert waren, in zu engen Aufenthaltsräumen und die daraus resultierende Corona-Welle an sich nicht schon entsetzlich genug, um einen Aufschrei der Empörung auslösen zu müssen, so ist die Tatsache, dass SPD-Boss Sigmar Gabriel zeitweilig (drei Monate) als Berater für diesen berüchtigten Fleischkonzern tätig war, eine Riesenschande für eine Partei, die sich als sozial und demokratisch versteht.

Die wankelmütigen Kommentare der SPD-Spitze, Esken und Walter Borjans, sind nicht dazu angetan, beim SPD-Wahlvolk und darüber hinaus in sozial und demokratischen Bevölkerungskreisen Befriedigung auszulösen. Einzig die Linkspartei (Parteichef Bernd Riexinger) reagierte überzeugend.

Besonders schlimm erscheint mir darüber hinaus der als Tagesspiegel erschienene Kommentar des BZ-Chefredakteurs Thomas Fricker, der die Haltung des Lobbyisten Gabriel sowie des Unternehmers Tönnies auch noch verteidigt und Kritiker als "selbstgerechte Nörgler" verunglimpft!

Wohin ist die Badische Zeitung, vom Großteil ihrer Leserschaft als demokratisch empfunden, geraten, wenn sie, statt gerechter Kritik aus einer demokratisch und sozial eingestellten Leserschaft und Gesellschaft, das Verhalten verbrecherischer Unternehmer und deren Lobbyisten unterstützt? Irmgard Koll, Müllheim