Ex-SC-Spieler

Für seine Stiftung rollt Matthias Ginter auch mal Falafel

Eyüp Ertan

Von Eyüp Ertan

Fr, 10. Juli 2020 um 09:55 Uhr

Freiburg

In einem Freiburger Imbiss hat Fußballprofi und Ex-SC-Spieler Matthias Ginter Falafel gerollt. Die Erlöse kommen seiner Stiftung zu Gute, die benachteiligte Kinder unterstützt.

Zuerst die Gurke oder doch lieber die Tomaten? Und zuerst Hummus auf das Brot oder doch die Soße? Fragen, die Matthias Ginter am Donnerstagnachmittag unter Zeitdruck beschäftigten. Zugegebenermaßen: Das Falafelrollen gehört nicht zu Ginters Kernaufgaben. Und dennoch schlug sich der Bundesligaprofi, dessen Karriere beim SC Freiburg unter Christian Streich begann, beachtlich, als er im Damasko’s am Europaplatz einige Gerichte zubereitete.

iPads für die Uniklinik, Bücher für die Stadtbibliothek

Matthias Ginter ist Weltmeister, DFB-Pokalsieger, hat Silber bei Olympischen Spielen geholt, war 2019 Nationalspieler des Jahres – und war sich trotzdem nicht zu schade, sich hinter die Theke des Damasko’s zu stellen, Falafel zu rollen und für Autogramme zur Verfügung zu stehen. Ginter weiß um seine Privilegien und hat beschlossen, diese zu nutzen. 2018 hat er gemeinsam mit seiner Frau Christina die Matthias Ginter Stiftung gegründet, deren Ziel es ist, benachteiligte Kinder zu unterstützen. Erst vor wenigen Monaten gab die Stiftung bekannt, dass sie drei weitere Projekte auf den Weg gebracht hat: Neben Büchern für die Stadtbibliothek wurden zum einen von April bis Anfang Juni 40 Kitaplätze finanziert, zum anderen der Kinderklinik 15 iPads gespendet, damit die Kinder in Zeiten von Besuchseinschränkungen den Kontakt zu beiden Elternteilen aufrechterhalten können.

Bilal Aloge, Inhaber des Damasko’s, würde Ginter am liebsten nicht mehr hergeben. "Er macht das richtig gut und sorgfältig, er kann bei uns bleiben", sagt Aloge mit einem Lachen. Zeitdruck hin oder her – "wenn er noch zwei, drei Sunden bei uns bleibt, hat er es richtig drauf." Eine Spendenaktion vom Damasko’s war der Auslöser für die Zusammenarbeit. Seit der Eröffnung vor gut einem Jahr versucht Damasko’s in der Filiale am Europaplatz plastikfrei zu arbeiten. Auch deshalb gab es jetzt zwei Wochen lang Jutebeutel zu kaufen, nach Angaben von Damasko’s wurden 400 bis 500 Beutel verkauft. Die Erlöse der Jutebeutel wiederum gehen an die Matthias Ginter Stiftung – nach dem Ende der Bundesligasaison vor knapp zwei Wochen kamen die Ginters vorbei, um sich zu bedanken.

"Er macht das richtig gut und sorgfältig, er kann bei uns bleiben" Bilal Aloge

"Für uns war das eine super Aktion", sagt Ginter, der auch darüber dankbar ist, dass das Damasko’s die Einnahmen vom Donnerstag spendet. Beim gemeinsamen Essen mit Bilal Aloge sei vor knapp zwei Wochen die Idee entstanden, einen Nachmittag lang ein wenig mitzuarbeiten und Autogramme zu schreiben. Grundsätzlich kann sich der 26-Jährige vorstellen, solche Aktionen in anderen Formen zu wiederholen. "Wir versuchen natürlich, so viele Spenden wie möglich für unsere Stiftung zusammenzubekommen, auch, weil eine Stiftung von Spenden lebt", so Ginter. Die Stiftung unterstütze immer mehr Aktionen, dazu gebe es langfristige und fortlaufende Projekte – "deshalb sind wir auf Spenden angewiesen und deshalb sind wir für solche Kooperationen natürlich offen", sagt Ginter.

Die alljährliche Spendengala mussten die Ginters wegen der Corona-Krise absagen. "Wir müssen uns dieses Jahr kreativ und flexibel Lösungen überlegen", so Ginter, der damit eben solche Aktionen, wie die Kooperation mit dem Damasko’s, meint. Ginter sieht für seine Stiftung, deren Startkapital bei 150.000 Euro liegt, weiterhin Möglichkeiten, zu wachsen, auch weil sie gut bei den Menschen ankomme. "Wir haben vor einer Woche erst das neuste Projekt quasi übergeben," berichtet der Fußballprofi. Die Stiftung habe der Uniklinik eine Frühchenpuppe übergeben.

"Vielleicht wird es ja was mit einer zweiten Karriere", Matthias Ginter

Auf seine Fertigkeit in puncto syrische Spezialitäten angesprochen, lacht Matthias Ginter. Scherzhaft sagt er: "Vielleicht wird es ja was mit einer zweiten Karriere". Von seiner Frau habe er sich wegen seiner nicht vorhandenen Kochkünste den ein oder anderen Kommentar anhören müssen – seine Fingerfertigkeit und das Tempo seien noch ausbaufähig, gibt er zu. Die anwesenden Fans, die sich neben Falafeln auch noch Autogramme sichern konnten, störten sich offenbar nicht an der fehlenden Routine – Beschwerden gingen zumindest keine ein.