Ober- und Verbandsliga

FV Lörrach-Brombach und SV Weil befinden sich im Reifeprozess

Uwe Rogowski und Matthias Konzok

Von Uwe Rogowski & Matthias Konzok

Do, 26. November 2020 um 11:00 Uhr

Oberliga BaWü

Halbvoll oder halbleer? Fußball-Verbandsligist SV Weil und wohl auch Oberligist FV Lörrach-Brombach greifen erst wieder im kommenden Jahr ein. Wie verlief die bisherige Saison?

FV Lörrach-Brombach

Gefühlt stehen sie immer noch ein bisschen in den Startlöchern. So ganz offiziell war für den FV Lörrach-Brombach auch am gestrigen Mittwoch noch keine Winterpause. Doch nach den nächsten politischen Ankündigungen ist der amtliche Vollzug zeitnah zu erwarten. Der württembergische Verband, die Instanz mit Entscheidungsbefugnis in dieser Sache, hielt sich noch zurück, allerdings ging schon seit Monatsbeginn kaum noch jemand von weiteren Oberliga-Punktspielen in diesem Jahr aus. Er könne sich das nicht vorstellen, war Erkan Aktas schon vor Wochen skeptisch.

Der Lörracher Trainer blickt mit einem Gefühlsmix auf die ersten 13 Oberligaspiele des Vereins. Grundsätzlich sei er zufrieden mit der Performance seiner Mannschaft. Wie sich der Aufsteiger bis Ende Oktober, rund ein Drittel der Saison wurde gespielt, verkauft und sich gesteigert hat, damit könne das Trainerteam gut leben. Die Liga hat sich wie erwartet als echte Herausforderung entpuppt. In zig Bereichen: physisch, vom Aufwand für den Verein, der Spielstärke der Gegner und der Abgezocktheit der Spieler. Je höher die Liga, umso wahrer wird der Satz: "Hier werden Fehler sofort bestraft." Das galt auch für die Lörracher.

Nach einer wackeligen Findungsphase zu Beginn, als der FVLB dringend die defensive Ordnung justieren musste (13 Gegentore in drei Spielen), entwickelte es sich. Der Aufsteiger wurde stabiler, nur einmal in den kommenden sieben Partien kassierten die Lörracher mehr als einen Treffer. Und auch da, beim 3:3 gegen den SV Linx, punkteten sie. Öfter schnupperten sie an einem Sieg, der zweimal gelang. Man hat sich als Kollektiv präsentiert, stellt Aktas erfreut fest, nur so geht es, speziell für einen Aufsteiger. In nahezu allen Bereichen habe man zugelegt: spielerisch, taktisch, technisch, athletisch.

Mit Daniel Briegel, der sechsmal traf, hat der Club einen recht zuverlässigen Torlieferanten. Doch dahinter wird es dünn, und gemessen am Aufwand und Gesamteindruck ist der Ertrag mit acht Punkten zu knapp ausgefallen; zumal einige Topteams folgen. Der FVLB hat sich nach dem verunglückten Start, mit null Punkten aus fünf Spielen, Respekt verschafft, was sich in der Haltung und Trainertaktik der gegnerischen Mannschaften widergespiegelt hat. Doch in den Heimspielen gegen den FC Villingen (0:1) und den Göppinger SV (0:1) wurde es versäumt, sich etwas Tabellendruck zu nehmen. Kurze Unkonzentriertheiten machten lange Phasen guten Spiels zunichte. "Ein Aussetzer ist auf diesem Niveau schwer zu verteidigen", sagt Aktas. Beim SV Linx wurde ein 3:1 aus der Hand gegeben, und das 1:2 beim FC Nöttingen nach Führung und späten Gegentoren in jeder Halbzeit war vermeidbar. Andererseits sieht Aktas sein Team angekommen in der Liga. Die Eingewöhnungsphase im neuen Jahr dürfte demnach entfallen. Personell ist wenig Bewegung zu erwarten. Nur bei Spielern mit entsprechendem Format werde man aktiv, so Aktas. Nicht mehr zum Kader gehören Eduard Nowak und Hasan Ates.

Entschärft hat sich das heikle Thema Trainingserlaubnis für zwei Konkurrenten. Die Stuttgarter Kickers und der SGV Freiberg haben auf ihr Trainingsrecht, das von kommunaler Ebene ermöglicht worden war, verzichtet.

SV Weil

Auf den ersten Blick vermag sich der SV Weil nicht so recht entscheiden, wo er in der Verbandsliga derzeit zu verorten ist. Die Tabelle führt die Blau-Weißen auf Rang sieben. Also Mittelmaß? Was nicht schlimm wäre, die Weiler sind zwar selbstbewusst genug, agieren aber auch mit der nötigen Demut. "Wir sind ganz zufrieden", sagt Sportchef Perseus Knab, das Ziel sei, "so früh wie möglich safe" zu sein. Die Abstiegszone ist sechs Punkte entfernt, doch weder Leistungen noch Resultate lassen eine sorgenvolle Tendenz erkennen. Vielmehr zählt das Team von Trainer Andreas Schepperle – nur vier Zähler hinter dem Zweiten SC Lahr – zur erweiterten Spitzengruppe.

Mit den Topteams "können wir spielerisch mithalten", bilanziert Knab. Zuhause gegen den Offenburger FV (1:3) und Primus SC Pfullendorf (2:2) hatte Weil die Chance auf den Sieg, mit Blick auf die Tabelle "macht das den Unterschied aus", sagt der Sportchef. Wäre man schon "reif für ganz vorne", hätten die Blau-Weißen eben diese Siege eingefahren. Stolperer leisteten sich die Weiler dahingehend keine, als dass sie gegen Mannschaften, die eher der Kategorie Abstiegskämpfer zuzuordnen sind, 13 von möglichen 15 Punkten holten. Und die Schepperle-Elf weiß auf Rückschläge zu reagieren, erarbeitete sich in Lahr und beim SV Kuppenheim jeweils spät den 2:2-Ausgleich.

Dank eines breit wie tief besetzten Kaders "sind wir immer in der Lage zu reagieren", sagt Knab. Indes dauert der Prozess, Yannick Weber (nun Weil II) als zentrale Schnittstelle und Führungsfigur zu ersetzen, an. Der Ex-Lörracher Buba Ceesay wiederum erhöhte nochmals die Geschwindigkeit und Finesse der Offensive um Top-Torjäger Ridje Sprich (sieben Treffer). Die Torverteilung mit Ceesay und Marvin Stöhr (je vier) wirkt ausgeglichener als in der Vorsaison. Weiteres Potenzial schlummert in Almin Mislimovic, der Rückkehrer fand noch nicht in den Rhythmus und blieb ohne Torerfolg (vier Vorlagen). Mit Aaron Horton bietet sich Schepperle eine weitere Option, der robuste US-Stürmer ist nach auskurierter Verletzung nach Weil zurückgekehrt.

Leichte Veränderungen könnte der Kader in der Winterpause erfahren, "grundsätzlich halten wir Augen und Ohren offen", sagt Knab, der noch keine konkreten Personalien zu vermelden hat. Jedoch rechnet der Sportchef ebenso, dass "der eine oder andere Kandidat kommen" wie auch mancher Weiler Akteur noch einen Wechselwunsch äußern wird.