GANZ NEBENBEI: Zeitsprung, bitte

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Sa, 27. März 2021

Waldkirch

Es kam schon öfters vor, dass man im März beim Blick auf Kandel, Gschasi-, Hornkopf & Co., die jetzt allesamt noch gut verschneit sind, sich wunderte: Wie, die Sommerzeit fängt an, jetzt ? Richtig, in der Nacht zum Sonntag ist Zeitumstellung. Wobei in diesem Jahr sich wohl viele Menschen wünschen würden, dass der Zeiger nicht nur um eine Stunde, sondern, sagen wir mal, um ein halbes oder gleich ganzes Jahr nach vorn springen würde und wir dann alle gesund und ohne Einschränkungen sagen könnten: "Corona? O je! Aber gottseidank schon so lange her..."

Zum Friseur

Heute ist für die Welt womöglich ein normaler Tag, für Einzelne kann es viel mehr sein: In eigener Sache ist es um 13 Uhr soweit – der Redakteur geht zum Friseur! Wegen Corona erstmals seit über einem Jahr, nicht gelogen! Ein seltsames Gefühl, wenn es endlich mal wieder um den eigenen Kopf geht. Ja schon, Nervosität macht sich breit: Wie verhält man sich richtig? Bringt man einen Blumenstrauß mit für den Salon? Oder einen Kuchen? Vielleicht eher ein praktisches Geschenk, etwa eine Schere ? Oder – BZ-adäquat – eine kleinere Ausfertigung, ein Scherle? Außerdem: Ist man nach der langen Pause überhaupt noch per Du mit dem großen Maestro du Locken down ?

Tja, man sieht: Haarig, haarig, so ein Friseurbesuch nach langer Abstinenz. Wie reimte doch einst sinngemäß ein einfallsreicher Elzacher Fasnetpoet:

"Ja, es isch wirklich ein Malheur,

war’sch Du ein Johr nit bim Friseur!"

Ziemlich logisch

Früher war Fakt – und für manche ist das bis heute noch so – dass Katholiken am Freitag und erst recht am Karfreitag kein Fleisch essen – eine frühe Form von "Fridays for Future sozusagen". Was ja auch nicht so unvernünftig ist: Man weiß, übermäßiger Fleischverzehr schadet der Gesundheit und Umwelt. Ausnahmen gab es freilich immer: So hatte die Kirche schon vor Jahrhunderten den Wasserbewohner Biber zum "Fisch" umdeklariert, womit dessen Fleisch auch in der Fastenzeit als Mahlzeit erlaubt war. Und dann gab’s da einst noch den fast zwei Meter großen Elztäler, der am Stammtisch gerne behauptete: "Also, mir het de Pfarrer explizit gestattet, dass ich auch am Karfriddig e Stückli Speck esse derf. Denn bi mir wird’s ja sowieso Ostermändig, bis des alles dann in de Mage nab kunnt."

Zweifellos richtig

Der Lehrsatz zum Wochenende kommt heute vom früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918 – 2015) und lautet so: "Politiker und Journalisten teilen sich das traurige Schicksal, dass sie oft heute schon über Dinge reden, die sie erst morgen ganz verstehen." Schmidt tat sich im Übrigen schwer – genauso wie die meisten seiner Vorgänger und Nachfolger – sich öffentlich zu entschuldigen, wenn er mal einen Bock geschossen hatte, dies nebenbei. P.S.: Die Journalisten begeben sich übrigens ab Gründonnerstag in die verdiente Osterruhe. Denn das tritt doch, nach unserer Kenntnis, ab sofort, unverzüglich in Kraft...? Nein, stop, halt, das gilt ja gar nicht mehr! Zurück! Alles auf Anfang! Ende.