Job-Start-Börse

Ganz starkes Signal: Auch 2020 wird weiter ausgebildet

Michael Sträter

Von Michael Sträter

Fr, 09. Oktober 2020 um 12:43 Uhr

Beruf & Karriere

BZ-Interview mit Nadja Poppen, Geschäftsführerin des Badischen Pressehauses, zur Job-Start-Börse.

Außergewöhnliche Zeiten brauchen manchmal ein Stück Normalität, Vergewisserung, dass es auch mit und nach Corona weitergeht. So finden die diesjährigen Job-Start-Börsen wie geplant statt. Organisiert von BZ.medien und der AOK Südlicher Oberrhein, unterstützt von zahlreichen Partnern, präsentieren sich bei der Job-Start-Börse Unternehmen mit ihrem Ausbildungsangebot. Nadja Poppen, Geschäftsführerin des Badischen Pressehauses, unterstreicht im Interview mit BZ-Redakteur Michael Sträter die Bedeutung der Veranstaltung.

BZ: Kann die Job-Start-Börse auch in diesem Jahr wieder an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen?
Poppen: Garantiert, auch in diesem Jahr stellen wir fest, dass die Job-Start-Börse immer wichtiger wird. Trotz der Corona-Maßnahmen erreichten uns frühzeitig Anfragen der Unternehmen, ob die Börse denn nun stattfinden wird. Und mittlerweile sind wir für alle fünf Standorte ausgebucht. Zwar fällt die Zahl der Aussteller bedingt durch Hygienemaßnahmen etwas geringer aus, aber die Schülerinnen und Schüler finden wieder das breite Spektrum der Ausbildungsmöglichkeiten in der Region.

BZ: Ausbildung hat also auch aktuell einen hohen Stellenwert.
Poppen: Die zahlreichen Anmeldungen der Unternehmen sind ein Signal an die Jugend, dass weiterhin ausgebildet wird, dass sich Ausbildung lohnt. Klar ist, dass wir stark auf die Ausbildung setzen, wir brauchen die Jugendlichen in den Unternehmen als die Fachkräfte von morgen. Und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das ein schönes Zeichen nach außen. Dabei liegt in diesem Jahr ein Schwerpunkt beim Baugewerbe und im Handwerk. Da sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sehr gut.

BZ: Diese Branchen liegen aber in der Gunst der Jugendlichen nicht ganz oben.
Poppen: Gerade die Job-Start-Börse bietet die Möglichkeit, sich ein umfassenderes Bild der Berufe machen zu können. Durch die Betonung etwa des Abiturs und des Studiums in den vergangenen Jahren, aber etwa auch des IT-Bereichs, sind die Berufe, in denen noch angepackt werden muss oder in denen Maschinen zum Einsatz kommen, ins Hintertreffen geraten. Wir wollen aufzeigen, dass auch diese Berufe kreativ und flexibel sind und tolle Chancen bieten, die Attraktivität der Ausbildungen in Handwerk und der Industrie betonen. Das ist auch ein Ansatzpunkt, die Job-Start-Börse weiterzuentwickeln, indem wir das Spektrum der vorgestellten Ausbildungsberufe noch erweitern. Gerade kleinere Handwerksbetriebe, die ausbilden, etwa Friseure oder Bäcker, sollten stärker präsent sein.

BZ: Die Digitalisierung hat in allen Bereichen einen enormen Sprung nach vorn gemacht. Wie stellt sich die Jobstartbörse hier auf?
Poppen: Auch wir sind in diesem Jahr virtuell unterwegs. Neben der Präsenzmesse bieten wir den Unternehmen die Möglichkeit, sich virtuell bei der Job-Start-Börse den Jugendlichen zu präsentieren. Sie haben die Möglichkeit, einen virtuellen Stand zu entwickeln, an dem sie sich dann mit verschiedenen Angeboten präsentieren. Das können Chats sein, das können Videotelefonate sein, Informationen über das Unternehmen und die Ausbildungsmöglichkeiten. Dieses Angebot ist einerseits den aktuellen Pandemiebedingungen geschuldet. Andererseits ist das in heutigen Zeiten sicherlich ein Muss gegenüber den Jugendlichen, die ja sehr viel und sehr gekonnt mit digitalen Angeboten umgehen. Wir fahren da zweigleisig und werden das sicherlich auch in Zukunft weiter ausbauen.

BZ: Wird das Angebot denn angenommen?
Poppen: Mittlerweile haben wir bereits mehr als 70 Anmeldungen von Firmen, die sich bei der virtuellen Messe präsentieren werden. Das ist ein tolles Ergebnis. Ursprünglich bestand sogar die Idee, die Job-Start-Börse nur virtuell anzubieten. Aber die Gespräche mit den Partnern und den Unternehmen haben schnell gezeigt, dass es wichtig ist, Präsenz vor Ort zu zeigen. Das ist ja auch eine große Stärke der Job-Start-Börse.
Die Jugendlichen begegnen hier an den Ständen der Unternehmen nicht nur den Personalverantwortlichen oder Ausbildern, sondern die Unternehmen lassen ihre Angebote von aktuellen Auszubildenden präsentieren. So kommunizieren die Jugendlichen auf Augenhöhe, Hemmschwellen, jemanden anzusprechen und Fragen zu stellen, werden so spürbar abgebaut. Und für die Unternehmen ist die Präsenzmesse natürlich wichtig, um die Jugendlichen direkt zu erleben.

BZ: Finden Präsenzveranstaltung und virtuelle Messe zeitgleich statt?
Poppen: Wir versetzen die beiden Veranstaltungen. Durch das zusätzliche virtuelle Angebot erweitert sich der Zeitrahmen. Zunächst finden die Vor-Ort-Veranstaltungen statt und nach den Herbstferien wird es eine Woche geben, in denen quasi die Türen der virtuellen JSB geöffnet werden. Wir haben das bewusst auf einen Zeitraum begrenzt, um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, auch tatsächlich mit Ansprechpartnern für die Jugendlichen virtuell erreichbar zu sein. So haben die Unternehmen verschiedene mediale Kanäle, um mit den Jugendlichen zu kommunizieren.

BZ: Wie wird sich die Job-Start-Börse weiterentwickeln?
Poppen: Geplant ist, dass wir die Veranstaltungen in den kommenden Jahren auch in anderen Städten etablieren. Wichtig ist es uns auch, das Spektrum der Ausbildungsberufe zu erweitern. Zudem möchten wir ab dem kommenden Jahr Angebote etablieren, die bei der großen Job-Start-Börse in Freiburg gut bei den Schülerinnen und Schülern ankommen, etwa der Bewerbungsmappen-Check. Corona-bedingt konnten wir solche Ideen aber dieses Jahr nicht umsetzen.
Vom 2. bis 6. November findet von 10 bis 18 Uhr die virtuelle Job-Start-Börse statt.