Gegen die Enge im Bus

Michael Neubert

Von Michael Neubert

Mo, 21. September 2020

Kreis Waldshut

Landkreis prüft Einsatz von Zusatzbussen / Verkehrsministerium trägt 80 Prozent der Mehrkosten.

. Die Schule hat begonnen. Tausende von Schülern kommen mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln. Sie quetschen sich in die Busse, die oft proppenvoll sind. Die meisten müssen stehen, dicht aneinandergedrängt. Diese Bilder sind aus den vergangenen Jahren bekannt. Doch wie sieht es jetzt aus, da das Coronavirus grassiert? Das Landesministerium hat reagiert und mit Städte- und Landkreistag ein Förderprogramm für Zusatzbusse festgelegt. Das Land will 80 Prozent der Zusatzkosten übernehmen.

Im Landkreis Waldshut sind zum Unterrichtsbeginn täglich 120 Busse im Einsatz, wie Lothar Probst vom Landratsamt und Geschäftsführer des Waldshuter Tarifverbunds (WTV), berichtet. "Damit sind alle verfügbaren Busse im Einsatz", sagt er. Besonders stark frequentiert sind die Busse zu den weiterführenden Schulen nach Bad Säckingen, Waldshut und St. Blasien. Allerdings seien die Kapazitäten, auch bedingt durch die Corona-Situation, durchschnittlich etwas geringer als zum Schuljahresbeginn im vergangenen Jahr, erklärt Probst: "Trotzdem sind die Busse auf einigen Linien sehr stark besetzt." Aus Erfahrung weiß der Nahverkehrsfachmann, dass die ersten Schultage noch keinen Maßstab lieferten. "Weil der Unterricht in der Regel noch nicht nach Stundenplan läuft und sich auf die erste und sechste Stunde konzentriert", erklärt Probst. Erst in der zweiten, teils in der dritten Schulwoche, seien die Kapazitätsauslastungen repräsentativ. Was das Corona-Sonderprogramm des Ministeriums betrifft, nimmt er noch den Fuß vom Gas. Die Südbadenbus (SBG) könne nicht auf Anhieb einfach mehr Busse fahren lassen. Probst: "Weder die Busse noch die Busfahrer sind kurzfristig verfügbar."

Die Schulen sollen den Stundenplan entzerren

Das Landratsamt ist dennoch in Kontakt mit der SBG. Es gelte zu klären, ob die Kapazitäten etwa mit Reisebussen der Auftragsunternehmen der SBG erweitert werden könnten. Zudem müssten die abschließenden Bedingungen der Landesförderung und die aktuellen Kapazitäten geprüft werden.

Somit ist auch bei der SBG im Moment noch alles offen. "Wir sind noch in der Prüfungsphase, die Entscheidung liegt beim Landratsamt", sagt Nikolaus Albiez von der SBG in Waldshut. Fragen stehen im Raum: Wo sind Zusatzbusse notwendig? Wie viele Busse braucht es? Wie viele Busse kann die SBG bereitstellen? "Aktuell haben wir einige volle Busse, aber erst, wenn die Stundenpläne da sind, können wir Genaueres sagen", erklärt Albiez. Probst dazu: "Wir beobachten die Situation genau."

Eine der Bedingungen zur Förderung lautet: "Bei einer Überschreitung von 100 Prozent der Sitzplätze und 40 Prozent der zulässigen Stehplätze bekommen die Landkreise zusätzliche Schulbusse gefördert." Laut Probst verfügt ein zwölf Meter langer Standardlinienbus über 40 Stehplätze, in einem Gelenkbus könnten 90 bis 95 Personen stehen. Das hieße: Wenn alle Sitzplätze belegt sind und mehr als acht, im Gelenkbus mehr als 18, 19 Personen stehen müssen, fördert das Land zusätzliche Busse.

Derweil hat das Landratsamt seine Hausaufgaben schon vor Schuljahresbeginn gemacht, um sich auf die Bedingungen in der Corona-Zeit einzustellen. "Wir haben die Schulen gebeten, den Stundenplan bestmöglich von der ersten und sechsten Schulstunde zu entzerren. Damit eine bessere Verteilung der Schüler auf verschiedene Busse erreicht werden kann", beschreibt Probst. Die Schulen hätten dies, so weit machbar, umgesetzt. Jedoch werde sich die konkrete Wirkung erst nach und nach zeigen, wenn an den Schulen alles nach Plan läuft. Probst versichert: "Busverbindungen zur zweiten Stunde und am Nachmittag sind landkreisweit grundsätzlich vorhanden." Das Landratsamt stimme sich eng mit den einzelnen Schulen ab.