Gemeindehaus sucht weitere Nutzer

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Do, 20. Februar 2020

Efringen-Kirchen

Für die evangelische Kirchengemeinde allein ist es das Gebäude zu groß / Spätestens bis 2025 muss eine Lösung gefunden sein.

EFRINGEN-KIRCHEN. Der Prozess hat für die evangelischen Kirchengemeinden schon vor einigen Jahren begonnen. Sie sind gehalten, ihre Gebäudefläche an die geringer werdenden Zahl ihrer Mitglieder anzupassen. Viel Anpassungsarbeit ist schon geleistet, wie Pfarrer Steffen Mahler im Gespräch mit der BZ in Efringen-Kirchen deutlich macht. Was seine Kirchengemeinde betrifft, ist die Herausforderung aber noch, eine Lösung für das Gemeindehaus zu finden, das als zu groß gilt.

Das Gemeindehaus im Fokus
Die evangelische Gemeinde Efringen-Kirchen, Istein und Huttingen umfasst rund 1900 Gläubige. Für die Berechnung der angemessenen Fläche im Rahmen des sogenannten Liegenschaftsprojekts der Kirche wurden die Zahlen der Gläubigen von 2016 zugrunde gelegt. Demnach würde eine Fläche von 277 Quadratmetern als ausreichend erachtet, tatsächlich verfügt das Gebäude über 577 Quadratmeter, 300 zuviel. Grundsätzlich habe man mehrere Möglichkeiten, mit der Überfläche umzugehen, schildert Pfarrer Mahler. Denkbar wären der Rückbau, das Abtrennen von Räumen für andere Nutzungen und Vermietungen. Denkbar wäre aber auch ein Fundraising, das Beschaffen von Mitteln, die die finanzielle Lücke decken.

Die bisherigen Überlegungen
Im Ältestenkreis habe man sich schon viel Gedanken darüber gemacht, erläutert der Pfarrer. Organisationsberater der Landeskirche unterstützen den Prozess. Sie könnten zum Beispiel helfen, genaue Zielvorstellungen für die künftige Nutzung des Gebäudes zu entwickeln. Anfangs sei auch daran gedacht worden, einen in der Größe angemessenen Neubau zu erstellen. Davon sei man aber bald abgekommen. "Die zentrale Lage des Gemeindehauses ist einfach ideal", sagt Mahler und ist sicher, das gerade dies die Chance erhöht, weitere, feste Nutzer zu finden. Festzuhalten ist, dass das Gemeindehaus schon recht gut genutzt wird. Die Kirchengemeinde selbst lädt dort zum wöchentlichen Kindergottesdienst, es gibt dort Konfirmandentage, Seniorenangebote und der evangelische Posaunenchor probt dort. Allerdings: Geld bringen fast nur Vermietungen für Familienfeiern ein, die aber unregelmäßig sind. Weitere Nutzungen – die Krabbelgruppe trifft sich dort, die Theater-AG der Schule, Musikvereine halten Zöglingsvorspiele ab – basieren auf dem Geben und Nehmen, so der Pfarrer. Die Gruppen nutzen die Räume und wirken dafür zum Beispiel im Gottesdienst mit.

Feste Nutzer und Mieter gewünscht
Der Pfarrer schätzt das etablierte Miteinander – und weiß doch, dass es nicht genug ist, um das Haus zu erhalten. Es brauche Vereine, Organisationen, Institutionen, macht er klar, die sich als regelmäßige Nutzer einklinken, die auch bereit sind, etwas dafür zu bezahlen – und deren Pläne zur Nutzung der Kirchengemeinde passen. In spätestens drei bis fünf Jahren, so rechnet Mahler, würden die Unterhaltszuschüsse für Gemeindehäuser nur noch nach der zugewiesenen Fläche bezahlt. Es bleibe also nicht mehr viel Zeit, geeignete Mitnutzer zu finden. Etwaige Umgestaltungen für deren Bedarf würden dann mit den im 40 Jahre alten Haus nun nötigen Sanierungen verbunden.

Der Prozess hat etwas Positives
Wie die Gemeindemitglieder den Prozess sehen? Gewiss sei er auch mit Emotionen verbunden, sagt Mahler. Er hat aber den Eindruck, dass viele die Entwicklung inzwischen auch als sinnvoll sehen. Er selbst kann ihr viel Positives abgewinnen. Man wolle damit ja nur die dauerhafte Finanzierung der Gebäude sichern. Vor allem aber, und das hält er für besonders wichtig, solle sichergestellt werden, "dass das Gemeindeleben, die Arbeit mit Menschen im Zentrum steht, der eigentliche Auftrag, die frohe Botschaft zu verkünden". Die Gebäude seien schließlich nur Mittel zum Zweck. Gut findet er auch, dass die Entwicklung es mit sich bringt, "dass man über den eigenen Kirchturm hinaus schaut" und Kooperationen über die Gemeindegrenzen auslotet. "Da steckt die Chance drin, sich als Gemeinschaft in der Region wahrzunehmen, vielleicht auch unser Profil zu schärfen".

Mahler überlegt, Vereine, Organisationen, Gemeinde und Bürger zu weiteren Überlegungen über die Zukunft des Hauses ins Boot zu holen. Er denkt an einen Termin, bei dem man sich zusammensetzt und Bedürfnisse und Ziele abklärt.