Online-Unterricht

Gemeinderäte sorgen sich um Lernmittelfreiheit in Efringen-Kirchen

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Fr, 16. Oktober 2020 um 14:11 Uhr

Efringen-Kirchen

Die Gemeinderäte von Efringen-Kirchen sind vom Einsatz moderner Medien in der Schule beeindruckt. Dennoch bleiben bei ihnen nach einer Besichtigung manche offene Fragen.

Mit "heißer Nadel gestrickt" waren die neuen Errungenschaften im Schulzentrum, da sind sich Bürgermeister Schmid und Schulleiter Pilz einig. Immerhin galt es im vergangenen Schuljahr, schnell Wege zu etablieren, über die Schüler und Lehrer auch während der corona-bedingten Schulschließung miteinander kommunizieren konnten. Fast ein halbes Jahr später ist klar, dass das, was in aller Eile mit viel Engagement "zusammengezimmert" wurde, tatsächlich gut funktioniert.

"Was da online stattfindet, ist schon richtiger Unterricht."

"Wir sind jetzt ganz gut aufgestellt und das, was auf den Plattformen stattfindet, ist schon richtiger Unterricht", freuen sich Schmid wie auch Pilz, die am Dienstag den Gemeinderäten die Möglichkeit gaben, sich selbst ein Bild von einem solchen modernen Klassenzimmer und den neuen Unterrichtsformen zu machen.

Wie gut der elektronisch unterstützte Unterricht inzwischen läuft und wie gut die Verbindung auch außerhalb des Unterrichtsraums damit zwischen Schülern und Lehrern klappt, hatte die Schule erst vor wenigen Wochen erprobt. Als nach dem ersten Auftauchen eines Corona-Falles und der damit verbundenen Quarantäne der Abschlussklassen deren Unterricht nur noch via Computer lief, habe das neue System seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Vor allem schwächere Schüler kann man gut fördern

Mit großer Begeisterung – und entsprechender Wirkung bei den Gemeinderäten – führten die Lehrer Gero von Frieling, Mario Singer und Eva Gärtner die Einsatzmöglichkeiten vor. Ob in Musik, in Mathe oder Englisch, die intuitiv erfassbaren Methoden sowie die Möglichkeit, sich den Stoff durch verschiedene vorgefertigte oder auch von den Lehren selbst entworfene Videos und Demonstrationen zu erschließen, belebe den Unterricht und erlaube vor allem eine sehr individuelle Förderungen gerade von schwächeren Schülern, führte Rektor Timo Pilz aus.

Einig waren sich die Lehrer mit Ralf Schlozer, der an der Schule den IT-Bereich aufbaute und betreut, dass die Geräte nicht nur den Spaß am Unterricht mehren, sondern deren Bedienung auch weitgehend leicht erlernt werden könne. Obwohl sie selbst wenig Vorbildung mitbrachten, könnten sie da nur Positives berichten, so die Lehrer.

Bei den Gemeinderäten lösen die neuen Methoden auch Bedenken aus

Dass die neuen Medien im Unterricht aber auch Sorgen schüren, war den Fragen der Gemeinderäte zu entnehmen. So lasse sich etwa das Handy-Verbot, das in vielen Schulen gilt, nicht mehr durchsetzen, da die Schüler auf die Handys, Tabletts und Smartphones als Unterrichtsmittel angewiesen seien.

Eine Mutter machte sich auch Sorgen, welche Konsequenzen ein elterliches Handy-Verbot nach sich ziehe. So falle es immer schwerer, die Kinder bis zu einem bestimmten Alter vom Handy fern zu halten. Zudem brauchten Kinder aber auch später in der Schule die Routine beim Bedienen der Geräte. Letzteres dürfte, so Rektor Pilz, in der Praxis kein Problem sein, da die Kinder erfahrungsgemäß den Umgang mit PCs und Tablets sehr schnell lernten.

Derzeit stehen mehr als 100 Tablets zur Verfügung

Gemeinderätin Anja Schaffhauser sorgte sich nicht zuletzt darüber, dass die Lehrmittelfreiheit mit den neuen Medien in Gefahr sei. Immerhin würden die Eltern, je nach Schulwahl, sich früh zwischen Apple-gestützten Systemen und PCs entscheiden müssen. Das sei am Ende auch eine Frage des Geldes. Aktuell verfügt die Schule mit mehr als 100 Tablets über ausreichend Reserven, um alle Schüler, die Bedarf anmelden, mit Leihgeräten zu versorgen, so Bürgermeister Schmid. Wie das weitergehe, wenn die Medienoffensive und der entsprechende Zuschuss für die digitale Ausrüstung der Schulen einmal gekürzt werde oder gar wegfalle, könne man nicht wissen.