Malsburg-Marzell

Gemeinderat ringt um kostengünstigere Lösung für marode Brücke

Rolf-Dieter Kanmacher

Von Rolf-Dieter Kanmacher

Di, 01. Dezember 2020 um 19:02 Uhr

Malsburg-Marzell

Die einsturzgefährdete Bauhof-Brücke bereitet Malsburg-Marzell sorgen. Sowohl für eine Übergangslösung als auch für einen Neubau wären die Kosten hoch.

Eine böse Überraschung hatte es in der Novembersitzung des Gemeinderates gegeben: Die historische Brücke über die Kander in Malsburg war von Fachleuten als marode und nicht sanierbar beurteilt worden. Sie stammt aus dem Jahr 1911 und wurde bei der damaligen Verladestation für Steintransporte nach Kandern per Eisenbahn errichtet. Die Neubaukosten wurden auf 800.000 Euro beziffert, bis diese steht, werden Kosten für eine Behelfsbrücke fällig. Dies schmeißt den bisherigen Haushaltsplanentwurf für 2021 völlig um – und gab Anlass für eine Sondersitzung.

Hohe Kosten für eine Behelfsbrücke

In der kurzfristig anberaumten Sitzung am Montagabend erläuterte Stefan Scheurer vom Planungsbüro Himmelsbach und Scheurer die Voraussetzungen für mögliche Behelfsbrücken. Damit soll die Zeit für Planung und Antragstellung für den Brückenneubau am bisherigen Standort überbrückt werden, so Scheurer.

Er gab auch Informationen zum möglichen Kostenrahmen: Zwei Stellen habe man dafür ins Auge gefasst. Mit Blick auf das Gewässerprofil der Kander müsse man dabei von unterschiedlichen Brückenlängen ausgehen. Beim möglichen Standort auf dem Parkplatz des Steinbruchbetriebs Dörflinger wäre eine Brückenlänge von 18 Metern erforderlich.

Bei einem näher am Bauhof gelegenen Standort bei der Schotterstation wären 30 Meter nötig. In jedem Fall seien zusätzliche Baumaßnahmen erforderlich wie der Bau von Fundamenten. Die Kosten für den erforderlichen Autokran eingeschlossen bezifferte Scheurer für die kleinere Lösung auf rund 62.000 Euro, hier wären noch Wegebaumaßnahmen erforderlich. Die Kosten für die größere Behelfsbrücke werden auf 80.000 Euro geschätzt. Hinzu kämen monatliche Mietkosten, 3600 Euro für die 30-Meter-Lösung. Die Ausschreibungen könnten bestenfalls nach der Sommerpause 2021 erfolgen, so Scheurer. Die Behelfsbrücke könnte am 19. Dezember errichtet werden.

Alternativlösungen stehen im Raum

Die Behelfslösung wurde zunächst von Manfred Wetzel, später von mehreren anderen Ratsmitgliedern als finanziell nicht vertretbar beurteilt. André Hintenaus übte auch Kritik am zeitlichen Umgang der Verwaltung mit dem Problem. Dieses sei bereits seit Mitte Juli bekannt. Insgesamt favorisierten die Ratsmitglieder im Laufe der Diskussion einen als "Röhrenvariante" bezeichneten Lösungsvorschlag. Es soll geprüft werden, ob im Bereich des Steinbruch-Parkplatzes der Firma Dörflinger eine Dammkonstruktion möglich ist, bei der das Kanderwasser durch Röhren und der Verkehr über die Dammkrone geführt wird. Derartige Lösungen, die natürlich hochwassersicher sein müssten, habe das Straßenbauamt in jüngster Zeit bereits bei ähnlichen Brückensanierungen im Gemeindebereich erfolgreich praktiziert, wurde argumentiert. Allerdings seien dafür noch Abklärungen mit Behörden erforderlich, vor allem im Blick auf naturschutzrechtliche Belange. Diese Gespräche will Planer Scheurer schnell führen.

Als weitere, alternative Zwischenlösung wurde eine Führung des Schwerlastverkehrs vom Bauhofs über das Steinbruchgelände von Hans-Dieter Seider genannt. Dies könne über einen zum großen Teil bestehenden Waldweg geschehen, der aber ausgebaut und "reaktiviert" werden müsste. Entsprechende Gespräche mit den Grundstücksbesitzern Seider und Dörflinger habe er schon geführt, sagte Bürgermeister Singer.

Belastbarkeit der Brücke ungewiss

Auf jeden Fall, so waren sich die Ratsmitglieder, Verwaltung und Fachleute einig, müssen schnellstmöglich größere Lasten von der bestehenden Brücke gebracht werden. Aktuell ist diese noch mit Fahrzeugen mit einem Gewicht von bis zu zwölf Tonnen befahrbar. Die Tragfähigkeit der alten Brücke sei aktuell ohne weitergehende Untersuchungen schwer einschätzbar, sagte Stefan Scheurer. Die Verantwortung für die Verkehrssicherheit trage die Gemeinde, sagte er auf Nachfrage Karlheinz Beyerles. Künftig darf die alte Brücke nur noch mit Schrittgeschwindigkeit befahrbaren werden. Die Zufahrt per Pkw zum Bauhof und einem Wohngebäude auf dem Gelände hält man weiterhin für vertretbar. Dort befindet sich auch das Jugendzentrum "Endstation".