Tierhaltung

Gemeinsames Spielen ist wichtig für Hund und Herrchen

Eva Tenzer

Von Eva Tenzer

Mi, 23. September 2020 um 07:33 Uhr

Haus & Garten

Egal ob Ballspiele oder Tricks: Der auf den ersten Blick müßige Zeitvertreib ist unverzichtbar für die Entwicklung von Hund und Katze und stärkt ihre Bindung zum Menschen.

Schon beim Loswerfen ahnt der Collie im Park die Flugbahn und rennt los. Er fängt die Frisbee-Scheibe routiniert aus der Luft und landet weich mit allen vier Pfoten auf dem Rasen. Die Katze hat nach intensivem Training erstaunliche Kunststücke drauf, gibt sogar "High-Five". So viel Spiellust wirkt ansteckend. Sie ist kein reiner Selbstzweck, sondern hat auf Haustiere enorm positive Wirkungen und verbessert die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Spielen ist gesund – denn viele Haustiere sind gelangweilt

Das Spielen ist Säugetieren sowie manchen Vögeln, Reptilien und Insekten angeboren, denn es hat evolutionsbiologische Vorteile: Tierkinder üben so das Sozialverhalten, schulen Kraft und Geschicklichkeit, erkunden ihre Umwelt und lernen, welche Beute sich wie am besten fangen lässt. Zudem trainieren sie den Umgang mit dem Unerwarteten. Tierforscher sind der Auffassung, dass das Spiel wichtige Nahrung für das Hirnwachstum bereitstellt, indem es die Verbindungen zwischen den Neuronen stärkt. Das Spielen mit Haustieren ist mehr als nur Bewegungstraining. Es ist wichtig für ihre Gesundheit, denn im Alltag sind sie oft chronisch unterfordert. Besonders Stubentiger, Hunde von Berufstätigen und Vögel in kleinen Käfigen brauchen Spiele, die der Langeweile vorbeugen und zu artgerechtem Verhalten anregen. Ansonsten werden sie zu Couch-Potatoes oder Rabauken, die überschüssige Energie an Möbeln auslassen und Verhaltensstörungen entwickeln.

Für Wohnungskatzen etwa kann das reizarme Leben zu Ängsten oder depressiven Verstimmungen führen, wie Christine Hauschild erklärt. "Regelmäßige, tägliche Spieleinheiten tragen dazu bei, eine Katze ausgeglichen und fröhlich, offen und neugierig sowie körperlich fit und geschmeidig zu halten", sagt die Beraterin für Katzenhalter in Hamburg. Dabei hat das Spielen in den verschiedenen Altersstufen unterschiedliche Bedeutung. Für Welpen und Katzenkinder ist es, wie beim Menschen, wichtiger als für erwachsene Tiere. Solange die Tierkinder in der geistigen und körperlichen Entwicklung stecken, sollte man sich daher mehr Zeit nehmen. Im hohen Alter verliert das Spielen an Bedeutung, bleibt aber dennoch wichtig und ist ein Gradmesser für die Lebensfreude eines Tieres, betont Hauschild. Sinnvoll sei es, die natürliche Spielfreude von Anfang an für Lernspiele in der Erziehung zu nutzen, sagt Tierärztin Sabine Schroll. Die erwachsene Katze, die schon Jagen gelernt hat, spiele gern anspruchsvoller und brauche attraktive Attrappen, die sich wie echte Beute verhalten.

Erinnerungs- und Geschicklichkeitsspiele für Tiere

Frühes Spielen stellt die Weichen für ein harmonisches Zusammenleben und eine enge Verbindung mit dem erwachsenen Haustier, ist der bekannte Hundetrainer Martin Rütter überzeugt: "Spielen macht Spaß und fördert damit positive Empfindungen. Zudem lernt man das Gegenüber besser kennen und einzuschätzen", sagt er. Die wenigsten Menschen könnten allerdings richtig mit ihren Hunden spielen. Das liege daran, dass diese in der Regel viel schneller und beweglicher sind als wir. Rennspiele etwa funktionierten da nur bedingt. Dennoch sollte man sich am Spielverhalten der Tiere orientieren. "Hunde verwenden im Spiel Verhaltensweisen aus allen Lebensbereichen. Schleichen Sie sich also einfach einmal an den Hund an, machen Sie sich ganz klein, um dann auf einmal eine spielerische Attacke durchzuführen", rät Rütter.

Wer mit seinem Hund spielen will, kann aus einem riesigen Angebot wählen: Es reicht von Frisbee-Scheiben über Fährtenspiele bis zum "Activity Strategie und Memory Trainer" – einem Futtercontainer, der Leckerli auswirft, sobald der Vierbeiner eine Aufgabe gelöst hat. Und auch für Miezen mangelt es nicht an Attraktionen: Es gibt automatisch gesteuerte Türme, die ein Lasersignal zum Fangen über den Boden schicken, mit Katzenminze gefüllte Plüschtiere zum Raufen und allerhand Jagdobjekte.

Ähnlich wie bei Kindern muss das Spielzeug aber nicht teuer und exklusiv sein, entscheidend ist, dass Mensch und Tier miteinander spielen. Meist reichen einfache Dinge, etwas Fantasie, Präsenz und Geduld. Für Wellensittiche Glöckchen, Spiegel und ein Ball, der sich über die Tischkante rollen lässt. Für Katzen tun es Papierkügelchen oder Stöckchen mit Band und Feder dran. "Besonders realistische Spielzeuge würde ich für den Zeitpunkt aufheben, wenn es der erwachsenen Katze schwerfällt, so zu tun, als wäre die Plüschmaus eine echte Beute", sagt Christine Hauschild. Werde die Katze aber durch zu großes oder zu offensives Spielzeug bedrängt, verliere sie das Interesse. Vermeiden sollte man Ungeduld und zu hohe Erwartungen. Katzen wollten in Ruhe beobachten und Strategien planen, erklärt Sabine Schroll. Besonders ausgiebige Lauerspiele seien gefragt.

Auf Clickertraining müssen die Tiere Lust haben

Beliebt ist auch das "Clickertraining". Dabei lernen Stubentiger Tricks, indem das Klicken mit einem Kugelschreiber oder einem speziellen Gerät zur Belohnung wird, wann immer die Katze eine Aufgabe gelöst hat. Ängstliche Tiere gewinnen dadurch Selbstvertrauen, passive üben Eigeninitiative, ungeduldige Selbstbeherrschung. Ohne eigenen Antrieb ist freilich das beste Spielangebot umsonst. Es funktioniert am besten, wenn das Tier freiwillig mitmacht.

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