Höchst kreative Interpretationen der Hits des King of Pop

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Di, 09. Juli 2019

Gengenbach

Der Trompeter Rüdiger Baldauf und Band nehmen beim Gengenbacher Kultursommer Songmaterial von Michael Jackson als Sprungbrett für ihre Improvisationen.

GENGENBACH. Michael Jackson, gemeinhin als King of Pop bezeichnet, kam ursprünglich eigentlich aus der Funk- und Soulursuppe der 1960er und 1970er. Die Grooves seiner größten Hits sind oft vielschichtig und polyrhythmisch repetitiv, was für den Funk typisch ist. Der Trompeter Rüdiger Baldauf, der hier in der Region schon längst kein Unbekannter ist, tourt seit anderthalb Jahren mit seinen jazzigen Interpretationen von Jacksons Stücken wie "Human Nature", "Man in the Mirror", "Beat It" oder "Remember the Time".

Seine Mitstreiter an diesem Freitag in der Gengenbacher Stadthalle sind Thomas Heinz an den Drums, Marius Goldhammer am Bass sowie Christian Frentzen an den Keyboards und am Flügel. "Geht Michael Jackson auch ohne Gesang? Sie werden am Ende des Abends froh sein, dass wir nicht gesungen haben", witzelt Baldauf. Heinz eröffnet mit dem rollenden Geräusch einer schneller werden Dampflok, Baldauf setzt hell und quirlig groovend auf, um schon im ersten (!) Stück den Weg zu einem fulminanten Basssolo zu ebnen. Scheinbar unangestrengt entlässt Goldhammer diesen typischen harten und gleichzeitig dunklen, knalligen Sound mit der Farbe und Geschwindigkeit eines Stanley Clark ins Publikum. Frentzen unterlegt hier mit einem passenden Siebzigersound.

"Human Nature" welches schon der große Miles Davies interpretierte, lässt viel Spielraum. Frentzen wechselt an den Flügel und eröffnet mit einem gediegenen Intro, welches hier und da New Orleans-Einsprengsel beinhaltet. Die Grundmelodie des Originals blitzt durch, währenddessen Heinz auf der Zwei mit dem Stick den Rand der Snares bearbeitet. Federnden Sound legt Baldauf aus der verzerrten Trompete darüber. Die anfangs gesetzten Akzente, die das Stück erkennbar machen, verschieben sich zwischen den Refrainzeilen, werden losgelöst und an den Drums durcheinander gewirbelt.

Es folgt "Beat It", welches Baldauf sehr viel ausladender und mit ganz viel Ruhe an der Trompete entwickelt. Die hellen Töne mäandrieren, und gleichzeitig zieht Baldauf Töne mit dunklem Timbre darunter. Heinz begehrt im nächsten Satz kurz auf, nimmt den Titel sehr wörtlich, während Goldhammer eine Achtziger-Jahre- Paralellwelt an den Keyboards zaubert.

"I Can’t Help It" vom Album "Off the Wall", welches Michael Jackson 1979 veröffentlichte und das auch Stevie Wonder interpretierte, hat per se den Sound einer wirklich sehr anspruchsvollen Fahrstuhlmusik. Dies wird dann im zweiten Satz um einiges quirliger. Frentzens Keyboards erinnern an den Ray Charles-Einsatz bei den Blues Brothers "Shake Your Tailfeather", und Heinz leitet mit kurzen Klacks vom Beckenrand ein Solo voll angerissener Rhythmen ein, die in Sekundenschnelle wechseln. In Hochgeschwindigkeitszug-Manier werden alle Schlagwerke eingebaut. Das Jazztier an den Drums wurde entfesselt.

Natürlich hat Baldauf auch Eigenes im Gepäck wie das Stück "Funky Nr. 5". Episch schwebend mit hellen Tonfolgen das Keyboard, Goldhammers Bass gurgelt dumpf, aber behände – alle gleichberechtigt neben ihrem Frontmann. Jedes Instrument hat hier immer seinen eigenen Raum, unaufdringlich und musikalisch logisch.

Bei Jacksons Megahit "Billy Jean" wird es spaßig, denn die Musiker interpretieren das Stück zunächst kurz im Balkanstil, mit orientalischen Kapriolen um dann bei "Black and White" in den stampfigen Südstaatenstil zu wechseln. Frentzen zaubert das Banjo aus dem Keyboard und Baldaufs Trompete erinnerte an eine schnell gespielte Serienmelodie aus den Achzigern à la "Dallas" oder "Denver Clan". Ein heißer Abend voller hochkarätiger Überraschungseier.